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Marienwerder Verliert Marienwerder seinen Traditionskiosk?
Hannover Aus den Stadtteilen Marienwerder Verliert Marienwerder seinen Traditionskiosk?
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20:08 28.10.2015
Ali und Tulay Balkiz in ihrem Kiosk in Marienwerder: Seit 2008 betreiben sie die Bude, die bereits seit dem Hochhausbau (links) 1968 existiert.
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Marienwerder

Rund 1500 Unterschriften haben „Alis“ Stammgäste deshalb vor einigen Monaten gesammelt. Die Liste haben sie der Immobilienfirma geschickt, die das Hochhaus derzeit verwaltet. Am Wochenende fuhren zwei Unterstützerinnen nach München, um dem Vermieter ihr Anliegen vorzutragen.

„Wir kämpfen an allen Fronten“, berichtet Kathrin Krohn. Es ist ein wenig der Mut der Verzweifelten, der die Kioskfreunde antreibt. Am vergangenen Freitag fuhren sie und eine weitere Unterstützerin zum Büro des Gebäudeverwalters nach München. Sie wollten den zuständigen Verwalter überzeugen, den Kiosk-Mietvertrag doch noch zu erneuern oder wenigstens die Kündigung aufzuschieben. „Wir haben ein langes Gespräch geführt, obwohl wir unangemeldet waren“, zeigte sich Münire Temkes zufrieden mit der grundsätzlichen Gesprächsbereitschaft der Immobilienfirma. Laut Temke wird in München nun über eine weitere kurzfristige Verlängerung des Mietvertrags nachgedacht. Bei der grundsätzlichen Entscheidung, den Kiosk zu schließen, bleibt es allerdings.

Die zwei Jahre alte Kündigung geht auf das Bestreben der Immobilienfirma Hermes zurück, den Kiosk in ein Büro für die Hausverwaltung umzuwandeln. Inzwischen wurde das Gebäude an die „BGP Investment“ verkauft. Nach dem Gespräch am Wochenende ist aber klar, dass auch der neue Eigentümer vorhat, die Räume selbst zu nutzen. „Um auf die individuellen Mieterwünsche verstärkt eingehen zu können und auf die positive Entwicklung des Standorts zu reagieren, ist die Bereitstellung eines Ansprechpartners beziehungsweise Mitarbeiters vor Ort notwendig“, erklärt Katharina Geißler, die Sprecherin der „BGP Asset Management GmbH“. Das Unternehmen besitzt bundesweit über 16.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten. Die Hausverwaltung für die hannoverschen Gebäude befindet sich derzeit in Ronnenberg. Sie soll bald in den Kiosk einziehen. „Es ist unser strategisches Ziel, die eigenen Dienstleistungen und Mitarbeiterkompetenzen direkt vor Ort zur Verfügung zu stellen. Dieses Vorgehen erfordert auch aus Kundensicht ein breit aufgestelltes Standortnetzwerk“, so Geißler gegenüber dieser Zeitung.

Vor Ort fühlen sich die Kiosk-Freunde übergangen. „Wir finden es eine Frechheit, den Kiosk zu schließen. Besonders die Alten sind darauf angewiesen“, kritisiert Nachbar Bernd Rübesämen. Sonst seien die meisten Hochhausbewohner mit ihrer Hausverwaltung zufrieden. Wenn etwas kaputt sei, werde es gemacht, sagen sie. Allein befürchten nun viele einen viel größeren Schaden, wenn der Kiosk dichtmacht. Der Kiosk im Hochhaus ist ein sozialer Treffpunkt, besonders für die älteren Bewohner. Eine Gruppe Jugendliche, die sich auf dem Supermarktparkplatz gegenüber zum Rauchen getroffen hat, sieht die Situation allerdings anders. „Meiner Meinung nach kann er weg. Da sind viele Alkoholiker“, findet ein Mädchen. Ihr Bekannter Sven ist anderer Meinung. Eine Weile diskutieren sie über das Kioskende. Gerüchte kursieren, dass auch dem Vermieter die Alkoholiker ein Dorn im Auge sind. Für Familie Balkiz geht es in diesen Tagen um ihre Existenz. In wenigen Wochen wollen sie hierherziehen, näher an den Arbeitsplatz. Die Wohnung ist bereits ausgesucht. „Jetzt sind wir bald arbeitslos“, sagt er verzweifelt. Aus „Kulanzgründen“ hatte ihm der Vermieter bereits eine Vertragsverlängerung von drei Monaten eingeräumt.

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