Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Misburg Die schimmelnde Kirche
Hannover Aus den Stadtteilen Misburg Die schimmelnde Kirche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 23.07.2016
Hat ein Schimmelproblem: die Herz-Jesu-Kirche. Quelle: Moers
Anzeige
Hannover

Vor einem Jahr wunderte sich der Organist das erste Mal über den Grauschleier auf der Orgel. Zuerst dachte Gisbert Selke an Staub. Heute ist allen Verantwortlichen klar, die Herz-Jesu-Kirche hat ein ausgewachsenes Schimmelproblem. „Es ist ein Horror-Szenario“, unterstreicht Helge Stelzer aus dem Kirchenvorstand der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin das Ausmaß des Schimmeldesasters. Bis zu 37 000 Euro würde alleine die Sanierung der Orgel kosten. Längst sind auch das Vesperbild, die Madonna, die Sakristei und sogar die Stühle und Bänke befallen. Während ein Gutachter des Bistums den Gesamtbefall in der Kirche noch als „leicht“ einstuft, sorgt ein hoher Anteil gesundheitsschädlicher Sporen dennoch für „dringenden Handlungsbedarf“. Nun wird als erste Maßnahme eine automatische Belüftungsanlage in der Kirche installiert. Auf 75 000 Euro schätzt die Geschäftsführung des Kolumbariums die Gesamtkosten für Belüftung und die anschließende Schimmelbekämpfung. Dabei wollte das Bistum mit der Umwidmung des Gotteshauses in eine Urnenbeisetzungsstätte doch eigentlich Geld sparen.

Auf der Orgel des Kolumbarium Heiligstes Herz Jesu in Misburg macht sich Schimmel breit. Die Bekämpfung wird teuer.

"Da tut einem so ein Anblick in der Seele weh"

„Ich habe dieses Instrument entstehen sehen. Da tut einem so ein Anblick in der Seele weh“, sagt Selke. Bereits mit elf Jahren begann der gebürtige Misburger in der „Herz Jesu“ Kirche auf der Orgel zu spielen. Jetzt sorgt er sich um deren Zukunft. Dringenden Handlungsbedarf attestierte Gutachter Veith Grünwald aus Hildesheim. „In den meisten Fällen geht der Schimmel von der Orgel aus“, erklärt der Experte. Ursache ist die Beschaffenheit und Größe des Instruments, das im Inneren ein Mikroklima bildet. Grünwald vergleicht das Phänomen mit einer Glasflasche im Kühlschrank. Nimmt man diese heraus, schlägt sich an ihr Kondenswasser nieder. Das Gleiche passiert bei ungünstiger Belüftung der Kirche an der Orgel.

Notaktion soll Orgel retten

In einer ersten Notaktion zog Kirchenvorstand und Biolaborant Stelzer einen Gasschutzanzug über und bekämpfte die oberflächlich sichtbaren Sporen mit verdünntem Isopropanol. Die semifachmännische Behandlung hat ihre Spuren hinterlassen. Auf dem Holz neben dem Fußwerk und an einem Schrank ist die Oberfläche angegriffen. „Der Seitenschrank hat den Alkohol nicht gut vertragen und sieht jetzt etwas schäbig aus“, konstatiert Selke. „Ich würde einige Stühle am liebsten sofort wegwerfen“, ärgert sich Stelzer. Optisch scheint der Schimmel zumindest außen von der Orgel verschwunden. „Im Inneren bekommen sie das nicht ohne fachmännische Erledigung weg“, weißt Grünwald auf die Schwierigkeiten so einer nicht fachmännischen Beseitigung hin.

Woher kommt der Schimmel?

Wie kommt es eigentlich, dass eine Kirche nach über 110 Jahre nach ihrer Erbauung plötzlich droht zu verschimmeln? Mit Schimmel haben bundesweit immer mehr Kirchen zu kämpfen. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu einem Drittel aller Orgeln befallen sind. Das Problem ähnelt der Situation in Garagen oder ungenutzten Häusern. Wo nicht regelmäßig geheizt und gelüftet wird, entsteht schimmelfreundliches Klima. „Schimmel ist damals durch ganz normale Achtsamkeit verhindert worden“, erklärt Stelzer. Vor der Umwandlung in ein Kolumbarium sorgte die Sekretärin aus dem Pfarrbüro täglich für frische Luft in der Kirche. „Der Pastor hat die Heizung manchmal einfach laufen lassen, damit es zur Messe am nächsten Tag warm ist“, erinnert sich Selke. Energiesparmaßnahmen lassen so etwas heute nicht mehr zu. Bei 14 Grad Innentemperatur schaltet die Heizung ab. Doch genau diese Einsparungen erweisen sich nun scheinbar als fatal. „Die Reparaturkosten übersteigen möglicherweise die Einsparungen“, kritisiert Selke. Das Kolumbarium und die Gemeinde müssen jetzt darüber nachdenken, wie sie das Geld für die Sanierung aufbringen. Auch über eine Spendenaktion wird bereits nachgedacht.

Von Mario Moers

In die ehemaligen Räume des Hortes an der Seckbruchstraße in Misburg kann ein internationaler Treffpunkt einziehen, dessen Schwerpunkt auf der Arbeit mit Flüchtlingskindern liegt. Einen entsprechenden Beschluss hat der Stadtbezirksrat mit rot-grüner Mehrheit und gegen den geharnischten Widerstand der CDU gefasst.

17.07.2016

Die Polizei fahndet nach einem Mann, der einen 49-Jährigen auf dem Hochbahnsteig an der Waldstraße in Misburg-Nord angegriffen und versucht hat, ihn auszurauben. Der Räuber stieß sein Opfer dabei auf die Gleise.

01.07.2016

Die städtische Forstverwaltung hegt Pläne, auf dem Gelände des nicht mehr genutzten Forstbetriebshofs an der Buchholzer Straße in Misburg ein waldpädagogisches Zentrum einzurichten und dort etwa Schulungs- und Erlebnisveranstaltungen für Kindergruppen anzubieten.

02.07.2016
Anzeige