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Ein Leben für die Grundschule

Misburg Ein Leben für die Grundschule

23 Jahre lang war der Klassenraum ihr zweites Zuhause. Dort brachte die Grundschullehrerin Brigitte Kothe Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen bei. Insgesamt unterrichtete die 63-Jährige 41 Jahre lang an der Grundschule Mühlenweg in Misburg, davon 22 Jahre als Konrektorin. Nun ist Kothe in Rente.

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Konrektorin Brigitte Kothe geht in den wohlverdienten Ruhestand.

Quelle: Haz

Misburg. Kleine Stühle stehen ordentlich zurechtgerückt auf kleinen Tischen. An der sonnengelben Wand hängt ein Zahlenstrahl mit den Zahlen eins bis 100. Auf dem Pult steht eine metallene Keksdose, Motiv Kölner Dom, ihre Heimat. „So richtig raus bin ich noch nicht“, sagt Kothe, während sie durch die Flure der Schule marschiert. Aus ihrem ehemaligen Klassenraum hat sie die alte Keksdose mitgenommen, Ablaufdatum 1997. Lehrerin wollte Kothe schon als Kleinkind werden. In Köln studierte sie Grund- und Hauptschullehramt in den Fächern Mathematik, Heimatkunde und gestaltendes Werken. Wegen der Liebe zog sie nach dem Studium nach Hannover. Die Beziehung hielt nicht. Das Kollegium an der vor 45 Jahren gegründeten Grundschule sei aber im Laufe der Jahre wie eine zweite Familie für sie geworden.

Bereits während ihres Referendariats übernahm Kothe ihre erste Klasse. Ein Foto aus dieser Zeit hat sie aufgehoben. „Das ist meine Kathrin“, sagt Kothe und zeigt auf ein Mädchen im roten Kleid. Auch von vielen anderen Schülern weiß Kothe noch den Namen. Mit Kathrin verbindet sie aber eine besondere Geschichte. „Ich war ihre Trauzeugin und 2000 bei der Hochzeit in Italien dabei“, erzählt die Lehrerin. Auch zu anderen ehemaligen „Kindern, na ja, mittlerweile sind es ja Erwachsene“ hält sie Kontakt.

Wichtig war Kothe immer, den Kindern mehr als nur Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. „Das lernen sie sowieso“, ist sich die Lehrerin sicher. Sie unternahm mit ihren Schülern Ausflüge in hannoversche Museen und Wälder, kochte und backte mit ihnen. Kothe wollte den Kindern Kunst und Natur näherbringen. Heute sei leider weniger Zeit für solche Aktionen. „Der Leistungsdruck ist auch schon in der Grundschule zu spüren“, sagt Kothe.

Viele der heutigen Kinder seien fordernder, unruhiger und könnten sich schwerer konzentrieren als vorherige Generationen. Sie seien aber auch sehr wissbegierig. Auch bei den Eltern habe Kothe Veränderungen feststellen können. In den Siebzigerjahren feierte sie mit ihnen sogenannte „Elternfeten“ mit Lagerfeuer auf dem Schulhof - ohne Kinder. „Das war schon eine wilde Zeit“, erinnert sich Kothe und schmunzelt. Heute erscheint manchmal nur die Hälfte zum Elternabend. Einige seien aber auch sehr engagiert.

Früher gab alle paar Wochen eine Konferenz, heute besprechen sich die Kollegen zwei bis drei Mal in der Woche. Jedes Kind werde im Unterricht individuell berücksichtigt und gefördert. Die Arbeitsbelastung sei gestiegen. Ko­the wurde „kribbeliger und ungeduldiger“, war nicht mehr so fröhlich und unbekümmert. Schließlich entschied sie sich, früher in Rente zu gehen. „Manche Veränderungen will man vielleicht nicht mitmachen“, sagt die 63-Jährige und guckt nachdenklich. Sie schiebt das auf ihre Müdigkeit und freut sich auf die freie Zeit, die sie mit ihren Enkelkindern verbringen kann.

„Ich bin immer gerne Lehrerin gewesen und habe meine Entscheidung nie bereut“, stellt sie aber klar. Ihre Tochter tritt nun in ihre Fußstapfen. Sie ist Hauptschullehrerin. Kothe hat sie dazu ermutigt. Wie ihre Mutter will Kothes Tochter mehr machen als nur Unterricht nach Plan. Sie fand es damals toll, wenn ihre Mutter mit Backutensilien zur Schule losfuhr, und nimmt sich heute ein Beispiel an ihr. Vielleicht kommt dabei ja bald die alte Keksdose aus Kothes ehemaligem Klassenzimmer zum Einsatz.

r.

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Misburg in Zahlen
  • Stadtbezirk : Misburg-Anderten, 5. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 32.300
  • Einwohner je Stadtteil: Anderten (ca. 7.600 Ew.), Misburg-Nord (ca. 21.900 Ew.) und Misburg-Süd (ca. 2.600)
  • Postleitzahl : 30559, 30627, 30629, 30655
  • Geschichte: Misburg wurde 1974 im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform nach Hannover eingemeindet.
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