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Misburg Harte Kritik an Planung zu Mergelgruben
Hannover Aus den Stadtteilen Misburg Harte Kritik an Planung zu Mergelgruben
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16:00 04.11.2016
Von Conrad von Meding
Die Mergelgrube-Süd. Quelle: Christian Behrens
Hannover-Misburg

Die Region weist die Kritik zurück: Man habe alle Argumente abgewogen, zudem sei ausdrücklich vereinbart, dass die Genehmigung widerrufen werden kann, wenn etwa der Misburger Wald zu starken Wassermangel erleidet. Zu Beginn dieser Woche ist die Einwendungsfrist gegen die Planfeststellung abgelaufen, mit der das Unternehmen Heidelberg-Cement sich seine Rohstoffzukunft sichert. Heidelberg-Cement ist einer der großen Industriebetriebe in Misburg, der etliche Arbeitsplätze sichert. Nach Angaben des Unternehmens wäre der Standort gefährdet, wenn auf lange Sicht kein Mergel mehr abgebaut werden kann.

Die Naturschutzverbände Nabu und BUND kritisieren in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass der ohnehin große Mergelbruch nach Norden um rund 1,28 Millionen Quadratmeter erweitert und damit in der Dimension fast verdoppelt werde. Er rückt bis dicht an den Misburger Wald heran. Sollte der Grundwasserspiegel dort sinken, dann seien 75 Prozent der Waldfläche vom Austrocknen bedroht, argumentiert Georg Wilhelm vom BUND.

Überdies warnen die Naturschützer schon seit Jahren davor, dass der Wietze­graben nicht ordentlich renaturiert werden kann, wenn der Mergelbruch erweitert wird. Für den schnurgerade verlaufenden Graben bleibt laut Planung nur ein etwa 80 Meter breiter Steg zwischen zwei Steinbrüchen bestehen, auf dem dazu noch ein weiterer Graben sowie eine Öl- und eine Gasleitung verlaufen sollen. „Eine notwendige Renaturierung ist unter diesen beengten und gefährlichen Verhältnissen nicht möglich“, heißt es in der Stellungnahme. Auch der Bezirksrat und der Rat hatten Einwände gegen die Planung erhoben. Im Bezirksrat gab es massive Sorgen wegen der Erweiterungsplanung.

Bei der Region betont Sprecher Klaus Abelmann, dass im Genehmigungsverfahren auf die Argumente der Stadt eingegangen worden sei. Zum Teil seien Bedenken berücksichtigt, zum Teil aber auch bei der Abwägung zurückgewiesen worden. Für den Wietzegraben sei zumindest keine Verschlechterung zu befürchten, zum Teil seien hingegen sogar Aufwertungen am Rande der Abbaugebiete denkbar. Was die Grundwasserabsenkung betreffe, habe Heidelberg-Cement sich verpflichtet, unmittelbar mit Beginn der Erweiterung ein Grundwassermonitoring als Beweissicherung anzulegen. Dazu würden Brunnen gegraben, zudem werde der Lebensraum Wald kartiert, um Veränderungen feststellen zu können. „Etwaige Abweichungstendenzen gegenüber den Prognosen“ könnten so über die Jahre „frühzeitig festgestellt und Vorhaben angepasst“ werden, heißt es in der Stellungnahme der Region auf eine Anfrage des Stadt-Anzeigers.

Die lange Laufzeit liegt offenbar darin begründet, dass das Zementwerk einen bestimmten Kalkstandard benötigt und für diesen Materialmix an mehreren Aufschlüssen gleichzeitig gearbeitet werden muss. Die Flächeninanspruchnahme sei „daher alternativlos“, heißt es bei der Region. Aus Sicht der Naturschutzverbände hingegen hat sich die Regionsverwaltung „mit dieser weit in die Zukunft reichenden Entscheidung gegen die Interessen der kommenden Generationen gestellt, die noch intakte Natur erleben wollen“.

Zwei Gruben werden naturnah: Unterdessen geht es mit der Renaturierung der beiden aufgegebenen Gruben HPC-I und -II zwischen dem Bruch Nord und dem Siedlungsgebiet Misburg voran. Die südliche, die weitgehend von Stichkanal und altem Hafenbecken umgeben ist, verwildert zunehmend und bietet vor diesem Hintergrund Kalk liebenden Sträuchern und Tieren einen Lebensraum. Die nördlich Grube am Wietzegraben hingegen soll weitgehend verfüllt werden und später als Badesee genutzt werden.

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