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Misburg Heftiger Protest gegen Hafen-Verfüllung
Hannover Aus den Stadtteilen Misburg Heftiger Protest gegen Hafen-Verfüllung
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00:15 16.08.2016
Seit Jahren legt kein Schiff mehr im kleinen Misburger Zementhafen an - jetzt will der Eigentümer das Becken auffüllen. Quelle: Eberstein
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Hannover

Von der Zerstörung eines Idylls und dem Verschandeln von der Natur ist die Rede. „Misburg hat schon jetzt viel Industrie und wenig Grünflächen“, sagt Cornelia Booß-Ziegling vom Vorstand des hannoverschen Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). „Da wäre es wichtig, diese für das Mikroklima wichtige Fläche zu erhalten.“

Derzeit beschäftigen sich die Ratsgremien mit dem Plan des Unternehmers Günter Papenburg, die vom Menschen derzeit ungenutzte Wasserfläche wieder nutzbar zu machen. An der Umwandlung gebe es ein „städtebauliches Interesse“, heißt es in der Verwaltungsdrucksache zum Start des Planverfahrens. Rings um das Hafenbecken sind Flächen als Industriegebiet ausgewiesen, dort wirtschaften etwa auf dem alten Teutonia-Areal an der Anderter Straße ein Betonschwellenwerk oder am Lohweg der Ethanolhersteller KWST, der Spirituosen- und Pharmaunternehmen mit Alkohol beliefert. Papenburg soll der Verwaltung gegenüber ein Versprechen abgegeben haben: Wenn er das Hafenbecken zuschütten und als Industriegebiet nutzen darf, dann würden die Lkw zu den Grundstücken am alten Hafen nur noch über den Lohweg und nicht mehr über die Anderter Straße und damit an Wohnhäusern vorbeifahren.

Bezirksbürgermeister misstraut Versprechen

Bezirksbürgermeister Klaus Dickneite (SPD) traut dem Versprechen nicht. „Herr Papenburg hat schon so oft Zusagen gemacht und später nicht gehalten - allein schon das Lohweg-Argument musste als angebliche Gegenleistung für mehrere Projekte herhalten - und am Ende heißt es immer, dass er auf das Fahrverhalten von Subunternehmern keinen Einfluss habe.“ Als Bezirksbürgermeister sei er strikt gegen die Umwandlung des Hafenbeckens in ein Industrieareal, betont Dickneite. „Was dort an Lebens- und Umweltqualität entstanden ist, sollte unbedingt erhalten werden.“ Er sehe aber „kaum eine Chance, dass das Vorhaben vom Bezirksrat politisch gestoppt werden kann“.

Heftiger Schlagabtausch im Uweltausschuss

Am Montag hatte es bereits im Umweltausschuss einen heftigen Schlagabtausch zu dem Thema gegeben. Die rot-grüne Ratsmehrheit stimmte dem Start der notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans zu. Die Argumentation etwa von Jürgen Mineur (SPD): Das Verfahren biete jetzt die Möglichkeit zur Klärung, ob eine Industrienutzung des Areals überhaupt naturschutzrechtlich möglich sei. Die CDU-Vertreter Hannes Hellmann und Kerstin Seitz dagegen waren skeptisch: Mit dem Start des Verfahrens würden Fakten geschaffen - aus ihrer Sicht unnötig, denn Papenburg hat selbst gar keinen Antrag auf Verfüllung gestellt. Hannovers Umwelt- und Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette bestätigte, dass der Unternehmer offiziell keinen Antrag gestellt habe - allerdings habe es „Vorgespräche gegeben“. CDU-Politiker Hellmann stichelte: In einer Stadt, die ihren Bürgern beim Ästesägen die Ast-Mindeststärke vorschreibe, werde die Stadtverwaltung von selbst aktiv, wenn es um das Vernichten eines Naturparadieses gehe. Das komme ihm seltsam vor.

Vorhaben ruft Naturschützer auf den Plan

Es gibt dort Störche und Kröten - sogar der Eisvogel ist in dem Gebiet heimisch. BUND-Vorstand Booß-Ziegling ist daher sicher, dass das Gewässer nach dem Naturschutzrecht gar nicht vernichtet werden dürfe. Auch nach verschiedenen Fledermausarten werde man sich noch umschauen. Immerhin liege direkt nebenan die Mergelgrube HPC-1, die von der Stadt gerade als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden soll. Zudem könne man prüfen, ob der Hafen nicht als Industriedenkmal eingestuft werden müsste. „Wir müssen jetzt prüfen, wie wir vorgehen - auch für uns ist das Thema ja ganz frisch“, sagt sie.

Voraussichtlich am Mittwoch beschäftigt sich der Bauausschuss des Rates mit dem Thema. Die Sitzung beginnt um 15 Uhr im Rathaus und ist öffentlich.

Von Stefanie Kaune

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