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Hannovers erste Yogaschule feiert 65. Geburtstag

Ohne "Om" und Duftkerze Hannovers erste Yogaschule feiert 65. Geburtstag

Vor 65 Jahren gründete Ingeborg Kurig die erste Yogaschule in Hannover. Damals bot sie lediglich einen allwöchentlichen Gesundheitskurs in Schulturnhallen an. Mittlerweile besuchen über 500 Teilnehmer die insgesamt 50 Angebote. Am Sonnabend, 11. November, feiert die Yogaschule ihren Geburtstag.

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Viele Kurse: 500 Teilnehmer besuchen zurzeit die insgesamt 50 Angebote. 

Quelle: Samantha Franson

Mitte. Die Geschichte der Yoga-Schule Hannover ist zunächst einmal die Geschichte einer einzelnen Frau: Ingeborg Kurig hatte bei der hannoverschen Koryphäe Mary Wigmann Tanz studiert. Auf einer Reise in die Schweiz lernte sie den indischen Yogi Yesudian und dessen Arbeit kennen. Ingeborg Kurig war fasziniert und lernte beflissen. Vor 65 Jahren, 1952, wagte es Ingeborg Kurig, die fortan Mutter Kurig hieß, einen ersten Yogakurs anzubieten - die erste Yoga-Schule der Stadt Hannover war eröffnet.

Zunächst mietete Kurig einen Raum im Haus der Jugend und lud allwöchentlich zum Gesundheitskurs. Es kamen Kurse des Kneipp Vereins hinzu - Yoga als Medizin für Geist und Körper, angeboten in Schulturnhallen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, die Schülerschar wuchs, und Kurig bezog 1955 größere Räume in der Blumenstraße über dem Restaurant Hiller. Als Partnerin stieß Kurigs Schwester Gertrud Schmidt zum Leitungsteam, die Philosophin hielt Vorträge über vegetarische Ernährung, indische Philosophie und vor allem Yoga, in denen sie auch die Übungen - Asanas - demonstrierte. Zehn Jahre nach Kriegsende war das eine kleine Revolution.

Gründung des Berufsverbands

Die Yoga-Schwestern trugen vor 60 Jahren dann maßgeblich dazu bei, dass sich der Berufsverband der Yogalehrenden (BDY) gründete. Denn mittlerweile war längst eine professionelle Ausbildung gefragt, um Yoga-Kurse anzubieten. Außerdem sollten Standards gesetzt werden, die bis heute gelten. Anne Borchard, Schülerin der ersten Stunde, übernahm 1982 die Leitung der Yoga-Schule Hannover, seit 16 Jahren führt Monika Klein mit einem Team von 20 Kollegen die Einrichtung.

„Was früher als Wellness begriffen wurde, hat sich grundlegend verändert“, betont Klein. Heute werde gefragt: „Wie geht es dir bei deiner Übung?“, damals habe man einfach gemacht, so die Yogalehrerin. Das Wissen, dass Yoga vor allem dem Körper auch schaden kann, sei früher noch nicht verbreitet gewesen.

Ingeborg Kurig eröffnete vor 65 Jahren die erste Yogaschule in Hannover, die bis heute erfolgreich betrieben wird. 

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Auch das Image von Yoga hat sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert. „Die Lehre ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, meint Klein. Es gebe weder ein „Om“ noch Räucherstäbchen, dafür professionelle Anleitung zu Körpergefühl und Achtsamkeit. „Unser Schwerpunkt ist, dass wir die Übungen auf den jeweiligen Menschen und seine Bedürfnisse anpassen“, betont Yogalehrerin Claudia von Chamier. Es gehe beim Yoga nicht allein um eine Bewegung, Yoga sei ein Prozess für innere Haltung. „Sich rücksichtsvoller und zugewandter zu begegnen und selbst Einfluss zu nehmen, ist ein wichtiges Wesen des Yoga“, so von Chamier. Außerdem gebe es etliche wissenschaftliche Studien, die belegen, wie förderlich Asanas bei Beschwerden wie Rückenschmerzen, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen seien.

Die Yoga Schule Hannover ist vor zehn Jahren in die Striehlstraße in Hannover Mitte umgezogen - auf rund 600 Quadratmeter Fläche mit vier großen und zwei kleinen Räumen für Einzelunterricht. Die Atmosphäre ist hell und entspannt, über den warmen Holzboden gehen die Teilnehmer nur auf dicken Socken. Räume spielen mittlerweile beim Yoga eine wichtige Rolle, das Ambiente muss stimmen. Seit Yoga-Kurse an vielen Orten angeboten werden, muss auch bei Monika Klein niemand mehr ein Dreivierteljahr auf der Warteliste stehen.

Lilo ist seit 45 Jahren Yoga-Kundin. „Ich bin in der Schwangerschafts-Rückbildung darauf gestoßen“, erzählt sie. Seitdem gibt es keine Woche ohne einen Termin auf der Yogamatte. Da es beim Viniyoga in der Striehlstraße um individuelle Anpassung geht, üben die Lehrer nicht mit, sondern haben ihre Teilnehmer im Blick, um sie zu korrigieren. Außerdem wird darauf geachtet, sich zu entspannen, den Stress zu reduzieren, „und sich mit Atmung, Meditation und angemessener Bewegung Körper und Geist zu erschließen“, formuliert Monika Klein den Grundsatz ihrer Schule.

Yoga ist immer noch Frauensache

18 Frauen und drei Männer gehören zu ihrem Team in der Striehlstraße, derzeit sind rund 500 Teilnehmer in 50 Kursen, der Ausbildung oder beim Einzelyoga angemeldet. „Allerdings ist Yoga noch ein Frauenthema“, betont Klein. Zwar gebe es auch einen Männerkurs, aber die Rate liege insgesamt unter zehn Prozent.

Alle zwei Jahre beginnt ein neuer Ausbildungszyklus, der vier Jahre dauert. Dass der Trend zum Yoga wieder verblasst, befürchten Klein und von Chamier nicht. „Ich blicke Richtung USA, da ist Yoga völlig etabliert - auch in Unternehmen. Yoga ist kein angesagtes Event, sondern wichtiger Bestandteil in der Gesellschaft“, so Klein. Und zwar ohne Verrenkungen und Räucherstäbchen.

Die Yoga Schule Hannover, Striehlstraße 18c, feiert den Geburtstag mit einem Sektempfang am Sonnabend, 11. November. Ab 15 Uhr werden Bilder aus sechs Jahrzehnten gezeigt, begleitet von Gesang und indischem Tanz sowie Mini-Yoga-Workshops. Ab 18 Uhr sorgt ein DJ für Stimmung.

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