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Mitte, Hannover In der Königstraße drohen zwei Jahre Stillstand
Hannover Aus den Stadtteilen Mitte, Hannover In der Königstraße drohen zwei Jahre Stillstand
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00:15 23.01.2016
Von Conrad von Meding
Sie sind in Sorge: 20 Geschäftsleute aus der Königstraße befürchten, dass die Bahnbaustelle ihre Kundschaft fernhält. Foto: Schaarschmidt (2) Quelle: Tim Schaarschmidt
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Mitte

Für die Bahn wird es ein Kraftakt an einer ihrer wichtigsten Verbindungen in Norddeutschland - für die Anlieger eine nervenzehrende Geduldsprobe. Vor allem die Geschäftsleute in der südlichen Königstraße machen sich Sorgen: Sie werden zwei Jahre lang vom Durchgangsverkehr abgeschnitten sein.

Die Bahn hatte diesmal alles richtig machen und alle Anlieger frühzeitig informieren wollen. Doch hat es ganz offenkundig eine Einladungspanne gegeben. Nur 14 Interessierte waren zu dem detailliert vorbereiteten Präsentationstermin im Pavillon erschienen, obwohl die Informationszettel laut Bahn-Projektmanager Matthias Michaelis sogar bis an die Kestnerstraße verteilt wurden. „Von den Geschäftsleuten in der Königstraße hat niemand eine Einladung erhalten“, sagt Schmuckhändlerin Ulrike Knab. Und auch zwei Immobilieneigentümer von der Königstraße kritisieren, dass sie nur durch Zufall vom Termin erfahren hätten. „Sie müssen die Hauseigentümer schon gezielt anschreiben. Diese müssen faktisch die wirtschaftlichen Folgen tragen, wenn Wohnungs- oder Geschäftsmieter ausziehen“, sagte ein Besucher. Projektleiter Reinhard Schindler von der zuständigen Bahn-Tochter DB-Netze versprach sofort: „Wir werden die Veranstaltung wiederholen - das ist eine ärgerliche Panne.“

In der Sache allerdings lässt sich ohnehin wenig bewegen. „Die Erneuerung der Brücke ist unumgänglich“, sagte Schindler in der Veranstaltung. Die Bahn hat das denkmalgeschützte Bauwerk in den letzten Jahren so schlecht gepflegt, dass Abdichtungen nicht mehr gehalten haben und das Mauerwerk daher mürbe geworden ist. Verschiedene Varianten seien geprüft worden, referierte Projektmanager Michaelis - aber letztlich habe sich aus Sicht der Planer nur der Abriss mit Wiederaufbau als sinnvoll erwiesen.Weil die Konstruktion denkmalgeschützt ist, gibt es diese Auflage: Wenigstens das historische Portal zum Thielenplatz mit dem Blocksteingewölbe über der Durchfahrt und den dickbauchigen Sandsteinbalustern im krönenden Geländer muss vollständig erhalten bleiben. Es wird ganz zu Beginn abgetragen und später wieder vorgesetzt. Auch Fliesen in den Seitenwänden der Durchfahrt werden wieder vorgeschrieben, und erhalten bleiben Teile der mächtigen Widerlager im Boden - aber die sieht man freilich nicht mehr. Erhalten bleibt auch das nördlichste Gleis: Es hat eine eigene Brücke, die zur Expo neben die alte gebaut wurde.

Für das ambitionierte Gesamtprojekt läuft bereits das aufwendige Planfeststellungsverfahren, daher liegt der Zeitplan jetzt relativ detailliert vor. Das Bauvorhaben ist so konzipiert, dass es räumlich und zeitlich in drei Abschnitte geteilt werden kann. Erst kommt der Abriss (wobei zweiteilige Hilfsbrücken, die auf Güterwaggons herangekarrt werden, den Bahnverkehr weiterrollen lassen). Dann wird auf der Seite am Thielenplatz eine erste Ersatzbrücke errichtet, die mit riesigen Hydraulikwagen in die Brückenbaustelle geschoben wird. Und im dritten Abschnitt wird schließlich das fehlende Brückenteil ebenfalls auf dem Thielenplatz erstellt und final eingeschoben.

Hannovers Stadtverwaltung hat die Bahn offenbar gedrängt, ein umfangreiches Verkehrskonzept für die Zeit der Sperrung erstellen zu lassen. Beauftragt wurde das hannoversche Planungsbüro Schnüll Haller Partner (SHP). Verkehrsingenieur Peter Bischoff stellte in der Versammlung vor, wie die Umleitung von Bussen, Autos, Radfahrern und Fußgängern konzipiert ist. „Es wird Beeinträchtigungen geben - aber alle Ziele sind weiterhin erreichbar, und wir versuchen, die Umleitungen so attraktiv wie möglich zu gestalten“, versprach Bischoff. Unter anderem sollen Richtungsweiser für Fußgänger und Radfahrer auch zeigen, wie weit die zusätzlichen Entfernungen sind. Im Fernroder Tunnel soll der Autoverkehr auf Tempo 30 reduziert werden, damit Radfahrer sich sicherer fühlen. Für die Auto-Umleitungen solle es „erstmals in Hannover innovative Stau-Detektoren“ geben, die mit den LED-Umleitungsschildern gekoppelt werden und auf verstopfte Umleitungsstrecken reagieren. Insgesamt reduziere sich der Verkehr: Während heute täglich etwa 10 000 Fahrzeuge täglich durch die Straße führen, seien es während der Bauphase wohl nur 1000 bis 2000. Der Schwerlastverkehr werde Bauteile über die Lavesstraße zur Baustelle bringen. Auf dem Parkplatz Andreaestraße werde eine große Baustellen-Lagerfläche für kleinere Werkstoffe eingerichtet.

„Umleitung mit Hinweis“: Geschäftsfrau Knab bat darum, an den Umleitungsstrecken auch darauf hinzuweisen, dass Geschäfte und Restaurants in der Königstraße geöffnet bleiben. SHP-Ingenieur Bischoff versprach, den Hinweis aufzunehmen.

Lärmschutz: Die Fragen eines Hauseigentümers, ob die Bahn beim Neubau der Brücke auch gleich den Lärmschutz verbessern könne, musste Planer Michaelis verneinen. Für Lärmschutz gebe es Sonderprogramme, die mit öffentlichem Geld finanziert würden - das dürfe nicht bei einem Brückenersatzbau genutzt werden. Allein durch die deutlich dickere Schotterschicht aber werde sich der Schienenlärm verringern.

Beleuchtung: In den beiden benachbarten Unterführungen Schiffgraben und Fernroder Straße soll die Beleuchtung während der Bauzeit verbessert werden, um Passanten wenigstens in dieser Hinsicht die Umwege zu verschönern. City-Kaufleutesprecher Martin Prenzler forderte die Bahn auf, solche Innovationen langfristig eingebaut zu lassen und auch an anderen Stellen mehr Licht zu montieren - etwa in der Unterführung an der Ernst-August-Galerie.

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