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Engagement für Gartenfriedhof wird beerdigt

Mitte Engagement für Gartenfriedhof wird beerdigt

Am historischen Gartenfriedhof legt der Renaissance-Verein seine Arbeit bitter enttäuscht nieder: „Wir sind gegen Wände gerannt“, sagen die Verantwortlichen - und fühlen sich von der Stadt nicht ernst genommen.

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Provisorium: Seit dem letzten Frühjahr verunziert der Bauzaun den Westzugang zur Marienstraße. Die Vorstände Karl-Ernst Fichter (li.) und Dieter Zinsser haben keine Lust mehr.

Quelle: Michael Wallmueller

Hannover. Mit einer fast 40-seitigen Broschüre hat der Verein Renaissance Gartenfriedhof eine Bilanz seines Wirkens seit 2011 gezogen - und zugleich seine Auflösung bekannt gegeben. „Bitter enttäuscht“ sei man davon, dass es trotz hohen Engagements nicht gelungen sei, den historisch für ganz Norddeutschland bedeutenden Renaissancefriedhof so umzuwandeln, dass er von Trinkern und Methadonabhängigen nicht mehr belagert wird. „Wir können den Paten, mit denen wir Grabmalpatenschaften vereinbart haben, doch nicht vermitteln, dass dort dauerhaft auf Bänken gepöbelt und an Grabmonumente gepinkelt wird“, sagt Ingeborg Rupprecht vom Vorstand. „Nicht ohne Bitterkeit“ verabschiede man sich von dem Projekt, sagt ihr Vorstandskollege Dieter Zinsser. Man hoffe, dass sich irgendwann doch noch einmal Nachfolger finden, die sich „für dieses Kleinod im Herzen der Stadt engagieren“ - vielleicht unter geänderten Vorzeichen.

Diese Vorzeichen standen von Anfang an schlecht. Der Initiative ist es in fast fünfjähriger Arbeit gelungen, das Bewusstsein für die kunsthistorische Qualität des Geländes wieder stärker in die Öffentlichkeit zu tragen. Auf diesem Areal befinden sich die Gebeine und die Grabstätten etwa von Charlotte Buff-Kestner (1753-1828, die „Lotte“ aus Goethes „Werther“), von der weltberühmten Astronomin Caroline Herschel (1750-1848) oder dem Entzifferer der Keilschrift, Georg Friedrich Grotefend (1775-1853) sowie vieler anderer bedeutender Familien aus Hannover. Die Bundesregierung hat den Friedhof als Einzigen in Niedersachsen in ihr Förderprogramm aufgenommen, die hannoversche Wenger-Stiftung hat mehr als 110 000 Euro für Grabmalsanierungen gegeben, die Stadt ein Sanierungskonzept erstellen lassen. 34 zahlende Grabmalpaten wurden mobilisiert - die Patenschaftsfeiern auf dem Friedhof waren Hochämter des Bürgerengagements, wie auch die Stadt anerkennt. Doch haftete der Initiative aus Sicht der Stadt ein Menetekel an: Es ging stets auch darum, die Dominanz der Trinkergruppe auf dem Areal einzuschränken - und da wollte die rot-grüne Ratsmehrheit und mit ihr die Verwaltung nicht mitspielen. Die Grünfläche sei für alle da, hieß es. Weder bekam sie den Schutzstatus anderer Friedhöfe noch den einer Denkmalanlage, wie sie etwa der Maschpark oder der Stadtpark genießen.

Vier Vorstandsmitglieder haben die Broschüre erarbeitet, neben Zinsser und Ingeborg Rupprecht auch ihr Mann Günther und Karl-Ernst Fichter. Sie beklagen, dass die Stadt sogar Verbesserungen, auf die man sich geeinigt habe und für die Geld zur Verfügung stehe, verschleppe. Ein Zugang, der verschlossen werden sollte, um für mehr Ruhe auf dem Areal zu sorgen, ist seit fast einem Jahr ein Provisorium - mit einer rot-weißen Kunststoffsperre und Flatterband. Angeblich aus Personalknappheit sei es nicht vorangegangen. „Wir haben das Gefühl, dass wir immer nur gegen Wände rennen“, sagt Zinsser. Damit ist es jetzt vorbei.

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