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22-Jähriger in der Goethestraße erstochen

Von Tobias Morchner

Ein 29-jähriger Mann hat am Sonntagabend einen 22-Jährigen nach einem Streit in einer Gaststätte an der Goethestraße niedergestochen. Das Opfer starb wenig später in einem Krankenhaus.
Der Tatort an der Goethestraße in Hannover.

Der Tatort an der Goethestraße in Hannover.

© Christian Elsner

Seine Flucht dauerte nur knapp 18 Stunden. Ein 29-jähriger Deutsch-Araber, der nach einem tödlichen Messerangriff am Sonntagabend von der Polizei gesucht wurde, stellte sich am Montagnachmittag den Ermittlern. Er wurde dabei von seinem Rechtsanwalt begleitet. Zum Vorwurf, in einem Klub in der Goethestraße dem 22-jährigen Mohammed G. mehrere lebensgefährliche Messerstiche versetzt zu haben, äußerte er sich nicht. Das Opfer verstarb kurz nach dem Angriff im Krankenhaus.

Die beiden jungen Männer waren am Sonntag gegen 22.30 Uhr im „Beit El Sultan“, einer orientalischen Gaststätte, in der die Gäste Wasserpfeife rauchen und dabei Bauchtänzerinnen zusehen können, aneinandergeraten. „Der 29-Jährige hat die Familie des anderen beleidigt“, sagt der Geschäftsführer des Klubs, der namentlich nicht genannt werden möchte. Daraufhin schlug Mohammed G. seinem Kontrahenten mit der Faust ins Gesicht. Es kam zu einem Gerangel. „Zusammen mit ein paar Gästen wollten wir die beiden gerade trennen, da hat der Typ ein Springmesser gezogen und zugestochen“, erinnert sich der Geschäftsführer. Blutüberströmt brach G. zusammen.

Der 29-Jährige, der sich jetzt bei der Polizei gestellt hat, ist bereits wegen Gewaltdelikten bekannt. Dem Chef des Klubs in der Goethestraße bleibt die Tat dennoch unverständlich. „Er war regelmäßig hier und auch mit Mohammed befreundet“, sagt er. Warum die Situation am Sonntagabend derart eskaliert sei, könne er sich auch nicht erklären. „Mohammed war ein ruhiger und freundlicher Mensch“, sagt der Gaststättenbetreiber.

Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Hannover wird seit Jahren keine andere Waffe so häufig bei versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten benutzt wie das Messer. Das geht aus der Kriminalstatistik der Behörde hervor. Im Jahr 2006 griffen die Täter bei insgesamt 73 Vergehen dieser Art 35-mal zum Messer. Ein Jahr später wurde die Waffe bei einer Gesamtzahl von 51 Taten 28-mal benutzt. 2008 kam ein Messer bei 41 Vorfällen 17-mal zum Einsatz. „In manchen Kulturkreisen ist das Messer vor allem bei jungen Männern ein absolutes Statussymbol“, erklärt der Kriminologe Christian Pfeiffer. Wer nicht im Besitz einer solchen Waffe sei, werde von seiner Clique nicht ernst genommen, fügt der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen hinzu. Erst am vergangenen Freitag war in der Nordstadt ein 27-Jähriger durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt worden. Nur durch eine Notoperation konnte er gerettet werden.

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