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Mitte „Bogenschütze“ bleibt vorm Rathaus
Hannover Aus den Stadtteilen Mitte „Bogenschütze“ bleibt vorm Rathaus
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00:15 23.08.2013
Von Andreas Schinkel
Die Bronzeplastik von Ernst-Moritz Geyger ist ein beliebtes Fotomotiv für Touristen. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Das hat der Bezirksrat Mitte am späten Montagabend mehrheitlich beschlossen und sich damit gegen die Stadtverwaltung durchgesetzt, die die Plastik eigentlich in den Maschpark versetzen wollte.

Zusätzlich fordert der Bezirksrat, am Sockel der Statue ein Schild anzubringen, das die Bedeutung des Kunstwerks erklärt. Während sich die SPD der Stimme enthielt, votierten CDU, Grüne, Linke und Piraten für den Verbleib des „Bogenschützen“ auf dem Trammplatz. Dennoch geht die Debatte weiter. Massive Kritik erntet jetzt eine Aussage von Piraten-Fraktionschef Jürgen Junghähnel. Letztlich stehe einem Umzug des Kunstwerks „das gesunde Volksempfinden“ entgegen, hatte er während der Sitzung gesagt. Dass keiner der Kommunalpolitiker dieser Formulierung widersprach, macht Kulturwissenschaftler Thomas Kaestle, der ebenfalls der Sitzung beiwohnte, fassungslos. „Die Nationalsozialisten hatten diesen Begriff einst geprägt, um Kunst entsprechend einem behaupteten Volkswillens als ,entartet‘ oder ,volksfremd‘ zu disqualifizieren“, sagt er.

Kaestle gehörte der Kunstkommission an, die vor einigen Jahren alle Straßenkunstwerke Hannovers begutachtet hatte. Er war es auch, der der Stadt empfahl, den „Bogenschützen“ umzusetzen, damit er vom Maschpark „in die Weite“ zielen könne statt vor dem Rathaus „kriegerische Assoziationen“ zu wecken. In der Bezirksratssitzung verlieh Kaestle seiner Position noch einmal Nachdruck - ohne Erfolg.

In der „rechtspopulistischen“ Äußerung des Piraten-Vertreters zeige sich letztlich ein grundlegendes Dilemma, meint Kaestle: Kunst im öffentlichen Raum eignet sich nicht zur Basisdemokratie. „Gerade jene, die betonen, die Mehrheit der Bürger vertreten zu wollen, sollten sich vor Augen halten, dass es mit ihnen auch keine ,Nanas‘ gegeben hätte“, meint Kaestle. Der Bezirksrat habe sich bei seiner Entscheidung offenbar nicht die Mühe gemacht, das Kunstgutachten genauer zu studieren. Stattdessen wird Kunst „für zweifelhafte Marketingzwecke instrumentalisiert“.

Damit kritisiert Kaestle die Begründung des Bezirksrats für den Verbleib des „Bogenschützen“. In dem parteiübergreifenden Antrag ist zu lesen, dass die Statue zum „roten Faden“ gehöre und viele Postkarten von Hannover das Rathaus mit dem „Bogenschützen“ zeigten. Auch für die Einheimischen sei er ein beliebtes Fotomotiv geworden.

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