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Bürger engagieren sich für historische Grabanlagen

Patenschaften am Gartenfriedhof Bürger engagieren sich für historische Grabanlagen

"Verantwortung als Bürgerschaft übernehmen": Bedeutende Grabstätten des Gartenfriedhofs am Südrand der Innenstadt bekommen Unterstützung. Die Bürgerinitiative "Renaissance Gartenfriedhof" will Patenschaften vom Familiengrab der Kestners und vom Grab Christian Philipp Ifflands übernehmen.

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Der Gartenfriedhof am Südrand der Innenstadt.

Quelle: Martin Steiner

Mitte. Am Sonnabend, 24. September, wird es ein denkwürdiges Treffen geben. Auf dem Gartenfriedhof, einem der drei historischen Friedhöfe der Innenstadt, wird die erste Patenschaft für ein Familiengrab gefeiert. Treffpunkt ist das Grab der Familie Kestner, wo auch Charlotte, geborene Buff, begraben liegt – weltberühmt als „Lotte“ aus Goethes „Werther“-Roman. Mitglieder der Familie Buff werden erwartet, Oberbürgermeister Stephan Weil wird eine Rede halten, und Ingolf Ahlers wird wohl auch zugegen sein. Die Stiftung des Textilfabrikanten und Kunstliebhabers, Kestner/Ahlers Pro Arte, sitzt in der Nachbarschaft, in den ehemaligen Räumen der Kestnergesellschaft – und ist die erste, die eine Patenschaft für eine Grabanlage übernimmt. Natürlich die der Familie Kestner/Buff.

„Wir wollen als Bürgerschaft Verantwortung für die Geschichte dieser Stadt, ihrer Familien und ihrer Orte übernehmen“, sagt Dieter Zinsser. Der ehemalige Abt des Klosters Loccum ist mit seiner Frau in die Nachbarschaft gezogen und sieht mit Sorge die wachsenden Spannungen rund um den Friedhof. Der wird seit zwei Jahren zunehmend von einer Gruppe Drogenkonsumenten und Wohnungsloser okkupiert; bis zu 30 Nutzer, die dort einer kleinen Studie des Karl-Lemmermann-Hauses zufolge ganztägig lagern und die Anlieger mit ihrem häufig lauten Umgangston nerven. Wobei die Stadt findet, dass ein öffentlicher Park für alle Nutzer offen sein muss, und die Anlieger argumentieren, dass eine Begräbnisstätte nicht dazu dienen sollte, lautstark Bier zu trinken und Hunde über die Gräber zu jagen. Das öffentliche Urinieren immerhin soll nachgelassen haben, seitdem die Stadt eine Mobiltoilette aufgestellt hat.

Die Bürgerinitiative „Renaissance Gartenfriedhof“, deren Vorsitzender Zinsser ist, will allerdings das Friedhofs­areal wieder stärker als Ort für alle Bürger ins Bewusstsein rücken. Auf einem Teil des Friedhofs ist ein Spielplatz eingerichtet, der von Familien vor allem mit kleinen Kinden genutzt wird. Zinsser und seine Mitstreiter wollen jetzt die Geburts- und Todestage der berühmten Hannoveraner, die dort bestattet sind, mit kleinen Zeremonien feiern. Im April war Auftakt am Grab von Christian Heinrich Tramm (1819–1861), Anlass war allerdings der 150. Jahrestag der Grundsteinlegung des von ihm geplanten Henriettenstifts. Große Namen für weitere Feiern gibt es genug: Die Astronomin Caroline Herschel (1750–1848) und Georg Friedrich Grotefend (1775–1853), der Entzifferer der Keilschrift, liegen hier begraben; der Maler Johann Heinrich Ramberg (1763–1840) hat seine letzte Ruhe auf dem Gartenfriedhof ebenso gefunden wie Oberpostdirektor Georg Charlotte von Hinüber (1764–1828). Das Grab der Kestners übrigens wurde von Hofbaudirektor Laves gestaltet, auch viele weitere Grabanlagen sind von herausragender Qualität.

Die Patenschaften sollen jetzt helfen, den Friedhof zu pflegen. Wie Stadtsprecher Andreas Möser bestätigt, soll Oberbürgermeister Stephan Weil Interesse am Grab von Christian Philipp Iffland (1750–1835) bekundet haben, der immerhin 40 Jahre und damit länger als Herbert Schmalstieg Bürgermeister von Hannover war. Sechs bis acht weitere Interessenten für Patenschaften gebe es derzeit, sagt Zinsser. Die Modalitäten für die Patenschaften sind noch nicht endgültig festgezurrt, die Stadt arbeitet gerade die Liste der Verpflichtungen aus. Weitere Interessenten aber, sagt Zinsser, seien jederzeit schon jetzt willkommen.

Die Initiative ist erreichbar über die Telefonnummer (05 11) 2 88 05 55 oder unter www.gartenfriedhof.npage.de im Internet.

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