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Mitte CDU fordert Alkoholverbot am Gartenfriedhof
Hannover Aus den Stadtteilen Mitte CDU fordert Alkoholverbot am Gartenfriedhof
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16:08 22.10.2010
Von Kristian Teetz
Ein Schild an der Gartenkirche informiert über die Geschichte des Friedhofs. Quelle: Teetz

Der Bürgermeister des Stadtbezirks Mitte, Michael Sandow, hält nichts von einem Alkoholverbot auf dem Gartenfriedhof. Anwohner und der Pastor der Gartenkirche Herbert Naglatzki hatten dies gefordert, weil sie das Verhalten der Trinker, die dort des Öfteren schreien und an die Kirche urinieren, zunehmend stört. Die Stadtverwaltung allerdings lehnt ein Alkoholverbot für den historischen Ort an der Marienstraße ebenso wie für den gesamten öffentlichen Raum ab.

„Es ist natürlich wahr, dass sich dort Menschen aufhalten, die nicht unbedingt zum oberen Ende der Gesellschaft gehören“, sagte Sandow. Aber selbstverständlich hätten auch diese Menschen ein Recht darauf, dort ihre Zeit zu verbringen: „Entscheidend ist, dass sich niemand von ihnen belästigt fühlt.“ Dies müsse durch Kontrollen etwa von Parkrangern gewährleistet werden. Ein Alkoholverbot auf diesem Platz im Stadtteil Mitte „halte ich für sehr unglücklich“, sagte Sandow weiter. „Das wäre dann ein Verbot für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, und das geht nicht.“

Dem widerspricht der CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Prokisch: „Ich würde ein Alkoholverbot unterstützen.“ Die Menschen, die auf dem Gartenfriedhof Bier trinken, „sollen sich eine andere Ecke suchen. Es tut mir leid, wenn das als Verdrängung angesehen wird.“ Aber mit dem Gartenfriedhof müsse man nun einmal vernünftig umgehen. Gleichwohl räumt Prokisch ein, er wisse nicht, wohin die Biertrinker ausweichen könnten: „Andere Grünflächen in der Nähe, die sich als Aufenthaltsort eignen, fallen mir spontan nicht ein.“ Seine Fraktion habe das Thema auf die Tagesordnung ihrer nächsten Sitzung genommen: „Dann werden wir beraten, was außer einem Alkoholverbot noch an Problemlösungen infrage kommt.“

Wilfried Engelke, der für die FDP im Bezirksrat sitzt, lehnt ein Alkoholverbot ab. Er setzt auf die Autorität der Parkranger. „Die müssen häufiger eingesetzt werden als bisher“, fordert Engelke. Er sieht weniger die Obdachlosen als Problem an. „Stadtstreicher hat jede Stadt, und die stören auch keinen.“ Aber für Leute, die herumgrölen und an die Kirche urinieren, habe er kein Verständnis. Seine Fraktion hat eine Anfrage an die Verwaltung gestellt, wie diese mit dem Problem auf dem 1864 entweihten Friedhof umgehen will. In der nächsten Bezirksratssitzung am Montag, 15. November, steht das Thema auf der Tagesordnung. „Wir warten jetzt die Antwort der Stadt ab. Wenn sich allerdings herausstellen sollte, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht fruchten, müssen wir auch über Verbote nachdenken“, ergänzt Engelke.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Martin Nebendahl, hält es für „schwierig, nur auf einem Platz ein Alkoholverbot auszusprechen“. Dennoch könne er die Problematik nachvollziehen. Nebendahl erinnert sich an seine Studentenzeit in Litauen: „In der Hauptstadt Vilnius gab es ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit.“ Außengastronomie war zwar erlaubt, nicht aber das Trinken auf der Straße. „Doch es ist schwierig, das Modell auf Deutschland zu übertragen“, meint er. Da sei der Einsatz von Betreuern und Sozialarbeitern sinnvoller: „Wir müssen das Thema im Bezirksrat noch einmal gründlich diskutieren und gemeinsam mit den anderen Fraktionen und in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung zu einer Lösung des Problems kommen.“

Seine Fraktionskollegin Anne Bonfert geht häufig mit ihrem Sohn auf den Spielplatz am Gartenfriedhof. Nach ihrer Beobachtung sei weniger der Alkoholkonsum als die freilaufenden Hunde das Problem: „Wenn jemand mit seinem Baby an einem nicht angeleinten Hund vorbeigehen muss, finde ich das nicht gut.“ Bonfert möchte die Attraktivität des Platzes steigern: „Der Gartenfriedhof dient vielen Menschen als Quelle der Erholung. Die Qualität des Friedhofs muss mindestens erhalten, besser sogar noch erhöht werden.“ Die Biertrinker stünden dem nicht im Weg: „Die halten sich doch nur an einer Ecke auf. Wenn sich aber jemand richtig daneben benimmt, muss ein Platzverweis ausgesprochen werden.“

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