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Die Klack-Installation in Hannover spielt wieder

Mitte Die Klack-Installation in Hannover spielt wieder

Die Klangstelen in Hannovers Innenstadt spielen wieder – allerdings verhaltener als im Vorjahr.

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Es klackert die Stele am rauschenden Platz - der Weltausstellung.

Quelle: Uwe Janssen

Hannover. Ein Konzert am Morgen. Mitten in der Stadt. Gratis. Es ist ein Konzert für 16 Metallpfähle, aber eigentlich auch für Lieferwagen in wechselnder Besetzung, eine Durchgangsstraße und eine Großbaustelle. 2010 hatten die sogenannten Klangstelen für große Resonanz gesorgt – unter anderem, weil sich Geschäftsleute beschwert hatten. Lärm und Belästigung nannten sie damals das, was die Komponisten der Klangcollagen Neue Musik nennen. Man drehte die Geräusche damals leiser und löste damit wiederum Kritik bei Freunden der Outdoor-Klangcollage aus.

Jedenfalls gibt’s jetzt einen neuen Versuch. Vorsichtiger: Schon in der Ausschreibung des Kompositionswettbewerbs hatten die Veranstalter (Kulturbüro der Stadt und die Initiative Musik 21) darum gebeten, „Klänge in Extremlagen, vor allem im Bassbereich“ zu vermeiden. Statt „16 Experiences“ pro Tag sind es zudem nur noch vier – um 8.16 Uhr, 12.16 Uhr, 16.16 Uhr und 20.16 Uhr. Man merkt: da sind auch Startzeitkünstler am Werk.

Zuhörer auf dem Platz der Weltausstellung zu Beginn des Konzerts: null. Gut, es ist 8:16 Uhr, Geschäfte sind noch dicht. Aus den Lautsprechern in den Metallpfosten sollte jetzt was kommen. Aber es kommt nichts. Es kommt ein gelber Lieferwagen vom Paketdienst und stellt sich mitten in die Installation. Soll das so? Ist der Paketbote Schauspieler? Eher sieht er so aus, als ob er gar nicht weiß, dass er in Kunst parkt.

Plötzlich: Klack! Was war das? Kröpcke-Center? Der Belieferer vor Mäntelhaus Kaiser, der auf der Laderampe unentwegt Oberbekleidung sortiert? Nochmal: Klack! Von weiter links. Klackklack! Rechts und hinten. Es sind die Klangstelen. Was kommt als nächstes? Klackklackklack? Genau. Als ob man’s geahnt hätte. Es ist ein blechernes, leicht klingendes Klack, als ob eine Fahnenbefestigung bei Wind gegen einen Fahnenmast schlägt. Minuten später klackern alle Stelen vor sich hin. An der Baustelle brüllt der Bagger. Der DHL-Mann ist weggefahren, der Mäntelmann schiebt Mäntel durch die Gegend. Ein Wagen von „Sigosch Transporte und Entsorgung“ fährt durchs Bild. Gehört der dazu? Zuschauer: immer noch keine. Dann bleiben zwei ältere Männer stehen. Mitten im Geklacker. Lauschen sie? Nein, sie gucken. Es sind Baustellenbeobachter – keine Groupies, sondern Grubies.

Wenn der Plan der vier Komponisten – Gyisbrecht Royé, Joachim Heintz, Orm Finnendahl (dessen Stück „Tägliche Erfahrung“ an diesem Morgen zu hören ist) und Johannes Schöllhorn – aufgeht, „fügen sich die Werke als Hintergrundgestaltung in die hörbare Kulisse des Alltagslebens auf dem Platz ein“. Die „kurzen Einbrüche von Poesie“ sind um 8.30 Uhr noch nicht wahrzunehmen, aber vielleicht werden sie auch gerade vom Alltagsleben des Platzes so weit in den Hintergrund gestaltet, dass man sie gar nicht mehr hört.

Kurz nach halb: Auftritt Stadtwerke. „positive energie“ steht auf dem Fahrzeug mit Hebebühne. „Stehen wir im Weg?“ fragt der Chef. Gehört er dazu? Gewissermaßen ja. Er und seine beiden Kollegen sollen prüfen, ob die Kunst auch leuchtet, denn die Stelen sind auch Lichtstelen, was an einem sonnigen Morgen um 8.35 Uhr aber noch nicht so eine Rolle spielt. Klack! Die Stele links mischt sich ins Gespräch ein. Klackklack! Klanginstallation? Der Stadtwerker rollt mit den Augen, seine Kollegen grinsen.

Die Klack-Installation wechselt sich mit denen der anderen drei Komponisten ab. Insgesamt dauert die Sounderfahrung zwischen Kneipe, Sportgeschäft, Kartenshop und Mäntelhaus bis zum 4. September. Wer es bis dahin nicht schafft: Die Klanginstallation Kröpcke-Center wird länger spielen.

Infos und Anfangszeiten zu den Stücken hier.

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