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Mitte Erste Annäherung im Streit um Trinker am Gartenfriedhof
Hannover Aus den Stadtteilen Mitte Erste Annäherung im Streit um Trinker am Gartenfriedhof
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20:58 16.11.2010
Äußerlich zwar ein Idyll, wegen lauter Trinkergelage aber konfliktreich: Der historische Gartenfriedhof. Quelle: Martin Steiner

Ganztägiges Gegröle und Hundegebell, Urinieren an historische Grabsteine und an die Wände der Gartenkirche, sodass es nach Auskunft des Pastors bis in den Innenraum riecht, genervte Anwohner, die kürzlich in die Neubauwohnungen am Rand des Gartenfriedhofs gezogen sind: Die Stadtverwaltung findet diesen Zustand weitgehend normal und verweist darauf, dass auf dem aufgelassenen Friedhof die allgemeine Verordnung für öffentliche Flächen gelte, die allen Bürgern den Aufenthalt erlaube. Auch eine Gesprächsrunde mit Anliegervertretern und Mitarbeitern diverser Stellen der Verwaltung hat keine Lösung gebracht, wie sich im Bezirksrat Mitte deutlich zeigte. Gut 30 Anlieger waren zu der Versammlung gekommen und bekamen zu hören, dass faktisch sie das Problem seien, weil sie schließlich in die neuen Wohnungen gezogen seien. Jetzt soll noch einmal nach Lösungen gesucht werden.

Etliche Nachbarn drückten ihre Ohnmacht aus. „Ich fühle mich aufs Äußerste in meiner Lebensqualität beeinträchtigt“, sagte Bernhard Bamberger. „Wir wollen niemanden verdrängen, aber wir müssen Kompromisse finden“, meinte Henning Voges. „Ich würde meine Kinder nicht auf den benachbarten Spielplatz schicken, wo sie sehen müssen, wie sich Leute täglich die Kante geben“, sagte Alexander Bell. Und ein 70-Jähriger ergänzte: „Von morgens um acht Uhr bis abends um 20 Uhr nur Gelabere, Geschreie und Gebelle – ich bin mit meiner Frau nach Hannover gezogen, um in Ruhe gegenüber der schönen Kirche zu leben – und jetzt das.“

Polizeioberrat Frank Kettelmann, Leiter des Südstädter Kommissariats, führte aus, die lautstarken Aggressionen der Trinker richteten sich ausschließlich gegen andere Mitglieder der Gruppe. Übergriffe gebe es nicht, die Sicherheit sei gewährleistet. Er berichtete aber von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Platz­verweisen. Sozialamtschef Hans-Jürgen Sbresny bestätigte, dass es „solche Probleme bundesweit in allen Großstädten und in Hannover nicht nur am Gartenfriedhof“ gebe. Ein Alkoholverbot sei aber ebenso wenig eine Lösung wie Platzverweise – beides führe nur zu Verdrängung.

Mutig war der Auftritt einer der Gescholtenen: Sie sprach offen darüber, dass die Gruppe einen Platz benötige und sich nicht verdrängen lassen wolle – und trug damit zu einer ersten Verständigung bei. Auf dem Flur gingen später die Gespräche noch weiter, eine erste Annäherung scheint erreicht. „Suchen Sie das Gespräch, springen Sie über Ihren Schatten“, hatte Bezirksmanagerin Claudia Göttler zuvor ermahnt und an die Anlieger appelliert, ihre Angst vor einer direkten Konfrontation zurückzustellen. In Kürze könnte es jetzt ein moderiertes Gespräch mit allen Beteiligten geben. Der Bezirksrat beschloss später eine Art Resolution, dass weder Vertreibungen noch Störungen erwünscht sind und alle dafür Sorge tragen sollen, dass es nicht zu Konflikten kommt.

Conrad von Meding

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