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Experten äußern sich zu Zuständen am Gartenfriedhof

Trinker, Wohnungslose, Methadonpatienten Experten äußern sich zu Zuständen am Gartenfriedhof

Eine Gruppe von Trinkern, Wohnungslosen sowie Methadonpatienten trifft sich seit Langem am Gartenfriedhof in Hannover-Mitte und erregt die Gemüter. Experten haben sich nun mit den Zuständen befasst – und kommen zu einem überraschenden Ergebnis.

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Der Gartenfriedhof ist ein würdiger Park mit den Grabmalen alter hannoverscher Familien.

Quelle: Kristoffer Finn

Mitte. Am historischen Gartenfriedhof an der Marienstraße, wo sich zwischen Grabsteinen alter hannoverscher Familien regelmäßig eine etwa 30 Personen starke Gruppe von Trinkern, Wohnungslosen und Methadonpatienten trifft, besteht kein Handlungsbedarf. Zu diesem Schluss jedenfalls kommt eine Expertise des Karl-Lemmermann-Hauses, einer Einrichtung für wohnungslose Männer, die nach massiven Beschwerden von Anwohnern und der Kirchengemeinde im Auftrag des Bezirksrats Mitte „objektiv“ die Zustände untersuchen sollte. Das Fazit: Weder existiere ein Lärmproblem, noch benehme sich die Mehrheit der Gruppe schlecht.

Für die kleine Studie hatten Mitarbeiter des Karl-Lemmermann-Hauses 23 tagelang im April und Mai den parkähnlichen Friedhof aufgesucht. Sie machten sich dabei Notizen und führten auch Gespräche mit der Gruppe, die durchaus wusste, dass ihre Zukunft auf dem Gartenfriedhof von ihrem Verhalten im Untersuchungszeitraum abhängt. Entsprechend zeichnet die Expertise jetzt ein harmonisches Bild: Wirklich laut sei es nur an vier Tagen gewesen, an einem davon sei aber ein Kindergeburtstag auf dem Friedhofsspielplatz der Grund gewesen, sagt Sabine Schneekloth vom Karl-Lemmermann-Haus.

Verstöße wegen wildem Urinieren

An Ordnungwidrigkeiten habe es Verstöße gegen die Anleinpflicht und wildes Urinieren gegeben. Hier sei die „Nutzergruppe“ aber keineswegs auffälliger als „normale Passanten“. Konkret sind je ein Spaziergänger und ein Mitglied der Trinkergruppe während des Zeitraums beim Urinieren beobachtet worden. Und gegen die Anleinpflicht verstoßen Spaziergänger den Beobachtungen zufolge sogar häufiger als die „Nutzergruppe“. Wie intensiv die Störung durch Hunde ist, wird dabei nicht beleuchtet. Die HAZ etwa hatte mit Bildern dokumentiert, wie ein Mitglied der Trinkergemeinschaft seinen kräftigen Kampfhund während einer Gedenkfeier am Tramm-Grab gezielt mit Ballwürfen in Richtung des Grabes jagte.

Auch die Anlieger haben allerdings registriert, dass sich die Probleme im Beobachtungszeitraum relativiert haben. Immerhin hat die Stadt inzwischen eine mobile Toilette am Parkrand aufgestellt. Die Gruppe hat ihren Haupttreff auf eine Bank verlagert, die etwas weiter von den Wohnhäusern entfernt ist. Dass Flaschen auf Gräbern abgestellt würden, Grabplatten als Bänke und Jackenablage dienten, müsse toleriert werden, sagt Sabine Schneekloth vom Karl-Lemmermann-Haus. „Sie werden als Raumelemente genutzt.“ Die Gruppe sei in keiner Weise aggressiv, wolle vom Platz aber auch nicht wieder vertrieben werden. Sie habe vielfältige soziale Probleme und nutze den Treff fast wie eine Selbsthilfegruppe.

Der Bezirksrat, der die Studie finanziert hat, nahm die Ergebnisse nach kurzer Aussprache zur Kenntnis. Weiterer Handlungsbedarf werde nicht gesehen, hieß es übereinstimmend.

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