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Hannover Aus den Stadtteilen Mitte

Umbaupläne

Große Mehrheit plädiert für Landtagsneubau

Im Landtag zeichnet sich eine breite Mehrheit dafür ab, den alten, vom Architekten Dieter Oesterlen geschaffenen Plenarsaal in Hannover abzureißen und einen Neubau zu errichten.

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Verschwindet er bald aus dem Stadtbild? Der Plenarsaal des Landtages.

Verschwindet er bald aus dem Stadtbild? Der Plenarsaal des Landtages.

© Rainer Surrey

Diese Position vertraten CDU, SPD, FDP und Linkspartei in der Debatte am Donnerstag. Lediglich die Grünen verteidigten ihren Vorschlag, bei den auch von ihnen für nötig empfundenen Sanierungsarbeiten den alten Plenarsaal zu erhalten.

Die Baukommission des Landtags tagt Ende März oder Anfang April. Sie soll darüber entscheiden, welche Bedingungen für einen Architektenwettbewerb gestellt werden. Zwar deutete Heiner Bartling (SPD) für seine Fraktion am Donnerstag an, dass als Variante auch „das Stehenlassen einiger Wände des alten Plenarsaals“ in Betracht komme. „Aber nur als eine Möglichkeit“. Gleichzeitig ließ er aber keinen Zweifel am Jawort der SPD für einen kompletten Neubau: „Wenn wir das jetzt nicht über die Bühne bekommen, dann vielleicht nie“, bekräftigte Bartling.

Der Neubau wird auf 42 Millionen Euro geschätzt. Die Grünen-Abgeordnete Ursula Helmhold rechnet mit geringeren Kosten, wenn das Land an den Wettbewerb von 2002 anknüpft und den Plenarsaal umbaut. Dafür müssten die Vorder- und die Rückwand wegfallen, die Decke ebenso. Das sei „Populismus pur“, rügte Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU). Jedermann wisse, dass die Pläne von 2002 nicht reichten, weil inzwischen weitere Teile des Altbaus baufällig seien – und eine energetische Sanierung 2002 gar nicht vorgesehen war.

Hans-Werner Schwarz (FDP) zitierte genüsslich Äußerungen der Grünen aus dem Jahr 2007, als es gerade diese Fraktion gewesen sei, die – damals noch allein – den Abriss des alten Plenarsaals verlangt habe. Heute, sagte Schwarz, rate er gerade aus Kostengründen von einem Umbau des bestehenden Tagungsraums ab: „Das ist ein Fass ohne Boden.“

Besonders heftig ging der Sozialdemokrat Bartling auf Distanz zu den Grünen. Auch in seiner Partei gebe es Leute, sagte er, die folgende Rechnung präsentierten: Wenn ein Parlament gerade mal 30 Tage im Jahr tagt, wozu braucht man dann einen Neubau? Das treibe ihn zur Weißglut, bekannte Bartling. „Was ist das bloß für ein Verständnis von Demokratie“, empörte sich der SPD-Mann und betonte: „Zur Demokratie gehört auch, dass sich die Volksvertretung in einem Gebäude darstellen kann.“

Christa Reichwaldt (Linke) sagte, der Plenarsaal sei „wie ein Bunker“ und sie habe ihn als Hannoveranerin ewig abgelehnt – „schon damals, als er gebaut wurde“. Nicht Abschottung, sondern Öffnung und Transparenz seien für ein Parlament heute nötig. Ein Neubau brauche mehr Platz – nicht für die Abgeordneten, sondern für die Bürger, die das Parlament besuchen. Dafür ertönte Beifall sogar aus der SPD- und aus der CDU-Fraktion.

Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU) beklagte sich, dass sich Befürworter des Landtagsumbaus öffentlich zu sehr zurückhielten, während vor allem die Gegner die Leserbriefspalten füllten. Er empfahl, auch die Stadt Hannover in die Jury für den bevorstehenden Wettbewerb einzubinden. „Es geht schließlich darum, eine städtebauliche Bereicherung zu schaffen.“ Die Stadtverwaltung sei hier „sehr aufgeschlossen“.

Die Grünen-Politikerin Ursula Helmhold rügte, wenn das Land den Denkmalschutz beim Plenarsaal nicht beachte, könne es dies künftig kaum von privaten Bauherrn verlangen. Dem widersprach der für Denkmalschutz zuständige Wissenschaftsminister Lutz Stratmann: Auch ein Denkmal könne „aus überwiegendem öffentlichen Interesse“ abgerissen werden. Voraussetzung sei nur, dass man das Für und Wider gründlich abwäge. Dies geschehe zur Zeit.

Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) begrüßt einen Neubau, wie auch für die CDU-Ratsfraktion Jens Seidel: „Ich weine dem sehr funktionalen Gebäude keine Träne nach.“

[Klaus Wallbaum]

  • Landtagsneubau Klaus Hagemann – 28.03.09
    Ich verzichte gern auf eine "Volksvertretung", die sich nur noch um ihre Repräsentationsbedürfnisse, nicht die des "Volkes", kümmert. Schulunterricht findet an 240 Tagen im Jahr statt und das nicht selten in Gebäuden, deren katastrophaler Zustand die angeblich zuständige Landespolitik ja auch nicht besorgt macht. Aber seien wir konsequent und stellen uns einmal ehrlich die Frage: Besteht überhaupt noch Bedarf für unseren bestussten Föderalismus? 16 Länder, 16 Länderverwaltungen, 16 teure Landesparlamente, deren gesetzgeberische Tätigkeit sich doch wohl ganz überwiegend darin erschöpfen dürfte, europäisches und Bundesrecht in Landesgesetze umzuarbeiten. Brauchen wir das wirklich? Brauchen wir einen Christian Wulf, der uns als "Landeskinder" repräsentiert? Hoffentlich bildet sich das niemand ein. Es wäre traurig! Die Landesparlamente sind Erbhöfe für die Parteien, nichts sonst. Ich plädiere dringend - nicht nur aus Kostengründen - für eine grundlegende Änderung unserer Verfassung! Abschaffung der Länder und Einführung direkter Mitsprache- und Einflussmöglichkeiten für die Wahlbevölkerung, etwa nach dem Vorbild der viel gescholtenen Schweiz. Deutschland ist weltweit vermutlich die Demokratie, in der die Bevölkerung tatsächlich den geringsten Einfluss auf die politischen Entscheidungsprozesse hat. Herr Bartling und alle anderen sollten sich nicht für eine "würdige", sondern für eine ehrliche Volksvertretung einsetzen! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Große Mehrheit plädiert für Landtagsneubau Dieter Raschke – 06.03.09
    In den Kommentaren ist zu diesem Thema fast alles gesagt.
    Im Printmedium wurden weitere, sehr wesentliche Argumente genannt, nämlich die überfällige Verringerung der Anzahl der Landesparlamentarier sowie die dringend gebotene Fusion zu möglicherweise nur noch vier effektiv arbeitenden Parlamenten in vier Bundesländern (Nord, Süd, Ost und West). Neben enormen frei werdenden Mitteln (eben auch aus dem Aufwand für Gebäude), die erzielt werden könnten, würden, wie beispielsweise im Bildungsbereich, ärgerliche Flickenteppiche endlich abgeschafft.
    Die Parlamentarier sind Volks- und nicht Selbstvertreter. Sie sollten sich dessen zu jedem Zeitpunkt und bei jeder Entscheidung bewusst sein! Gerade in diesem Fall sollten sie die Stimme der Bürger hören und ernst nehmen, und ein demokratisches Mandat ausüben!
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  • Nur Mut Stier – 20.02.09
    Denkmalschutz ist gut, gesunder Menschenverstand ist besser. Das Landtagsgebäude ist eine Katastrophe. Eine Katastrophe mit sentimentalen Bezügen zu einer anderen Ära schön zu reden, macht keinen Sinn. Ebenfalls sinnlos ist Heiner Bartlings Vorschlag, einige Wände stehen zu lassen. Das ist die Methode, den Anschein zu erwecken, billig zu bauen, koste es, was es wolle. Weg mit dem Ding. Über Geld sollten wir nicht reden. Das wird derzeit in astronomischer Höhe überall verbrannt, ohne dass es einen Nutzen für die Volkswirtschaft hätte. Bauen schafft Arbeitsplätze und Werte, die Bestand haben. Nur Mut. Ein Architektenwettbewerb ist der erste Schritt. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Große Mehrheit plädiert für Landtagsneubau Hans Blazejewski – 20.02.09

    Ihr Bunkerhocker. Toll wie ihr das Volk vertretet. Ja schämt Ihr Euch gar nicht? Wißt Ihr nicht daß die geschätzten 42 Millionen Euro nicht aus euren Geldkatzen stammen? Baut Euch doch Euer Narrenschiff aus Eurem Privatvermögen. Schande über Euch.

    Pfui Teufel.

    Herr laß Hirn regnen und sende uns bitte ganz schnell Jesus und seine Apostel zum Ausmisten dieses zum Himmel stinkende Augiasstalles. Oder wir machen es selbst bei den nächsten Wahlen. Dann zeigen wir euch die rote Karte. Dann lassen wir euch wissen, was wir von eurem Werteverfall halten.

    Geschrieben hat Ihnen dies
    Hans Blazejewski, Lehrte
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  • Wettbewerb Gastautor – 20.02.09
    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen.

    Dass Dinkla dieses in der Bevölkerung umstrittene Projekt mit der Brechstange durchziehen will, ist mir ein Dorn im Auge.
    Vielmehr sollte es einen ergebnisoffenen Wettbewerb geben, um mehrere mögliche Varianten abwägen zu können. Auch eine architektonische Komplettierung des Leineschlosses halte ich für erstrebenswert - allerdings bei den derzeitigen Interessen der Politiker kaum durchsetzbar. Es muss ja schließlich alles aus Glas sein! Alternativen scheint es in den Köpfen nicht zu geben!

    Des Weiteren sollte der Bauplatz der Flusswasserkunst nicht gefährdet werden! Ich könnte mir durchaus vorstellen, das Architekten dies bei einem Wettbewerb mit einbeziehen.
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  • Flusswasserkunst beachten! leine – 20.02.09
    Der Plenarsaal ist häßlich und ich kenne keinen der ihn mag. Aber muss hier mit der Brechstange ran? Wird ein neuer Plenarsaal nicht genauso häßlich - gar ein Duplikat aus Kiel?

    Zudem behindert ein Neubau den Wiederaufbau der Flusswasserkunst. Hannover braucht wieder schöne Architektur!

    www.flusswasserkunst.de
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  • Landtagsneubau Mr. Ankie – 20.02.09
    Und wiedereinmal zeigt sich in diesem unserem Lande, dass sich die Demokratie immer weiter entfernt von dem wofür sie einst stand und eigentlich in diesem Lande stehen sollte. Die Politiker des Landtages scheinen in einer nicht mehr realen Welt zu leben, in der Geld keine Rolle spielt. Trotz äußerster öffentlicher Kritik gegen einen Neubau mit hinreichenden und sinnvollen Argumenten konnten die "sogenannten" Volksvertreter ihr Vorhaben durchsetzen. Die Frage drängt sich auf, wozu man in diesem Land überhaupt noch wählen geht, wenn sich die Politik absolut nicht um die Belange der Bürgerinnen und Bürger kümmert, sondern strikt ihre Linie fährt. Das fadenscheinige Argument,dass eine moderne Demokratie einen moderenen Plenarsaal mit ausreichender Belichtung benötigt finde ich in anberacht der finanziellen Lage der Stadt einfach nur erbärmlich. Minister die eine derartige Äußerung tätigen haben es nicht verdient Volksvertreter genannt zu werden. Was die Menschen/die Stadt wirklich benötigt sind innovative Vorschläge zur Verbesserung z.b. Der Infrastruktur, der Radwege, oder auch der öffentlichen Gebäude, der Schulen, der Straßen etc. DAFÜR ist natürlich KEIN Geld da. Sicher gibt es auch andere Ansichten über einen Neubau, aber diese scheinen eher von künstlerisch architektonischem Standpunkt aus gesehen zu werden als von einem Kostennutzenfaktor. Dem Volk nützt ein solcher Neubau gar nichts. Wie soll man Vertrauen in die Demorkatie fassen, wenn die Politik sich beinahe diktatorisch verhält und jegliche öffentliche Meinung in den Wind schlägt?Das, meine Damen und Herren Parlamentarier ist defintiv nicht demokratisch! Es ist einfach die Unfähigkeit mal was für die Allgemeinheit zu tun, aber karrieregeile und machtgierige Landtagsmitglieder scheinen für's Volk wenig übrig zu haben. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Hannover: Ges(ch)ichtslose Stadt heinz1 – 20.02.09
    Wieder verliert Hannover einen Teil seiner typischen, weltweit beachteten (wie wir in der HAZ lesen konnten) Nachkriegsarchitektur. Diesmal auch noch auf Kosten der Steuerzahler. Hier werden mit fadenscheinigen Begründungen neue Denkmäler geplant! Auf geht's: Her mit dem nächsten austauschbaren Glaspalast (Karstadt-Haupthaus, ECE, ...) und weg mit den Steuergeldern. Wann werden diese Leute gestoppt? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • endlich soia – 19.02.09
    Es wird Zeit, dass der Saal als ein weiterer von Hannovers Schandflecken verschwindet. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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