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Neues Denkmal nicht nur für Deserteure

Rathausplatz Neues Denkmal nicht nur für Deserteure

Das „Denkmal für den unbekannten Deserteur“ soll einen würdigen Nachfolger finden. Allerdings wird der Standort nicht mehr so zentral sein - das bisherige Denkmal war ungefragt auf den Rathausplatz installiert und erst später legalisiert worden -, und der Kreis der zu Gedenkenden wird deutlich erweitert.

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Quelle: Archiv

Hannover. Statt pauschal um „unbekannte Deserteure“ soll es künftig um alle Menschen gehen, die in Unrechtsregimes als „Deserteure, Wehrkraftzersetzer und Kriegsverräter“ verurteilt oder bestraft wurden.

Das Thema habe durchaus Aktualität, sagte die zuständige Dezernentin Marlis Drevermann am Freitag im Kulturausschuss. „Wer derzeit in Syrien die Armee verlässt, vor dem habe ich genauso Respekt wie vor jemandem, der sich 1939 bis 1945 den Befehlen verweigert hat.“ Junge Menschen sollten „lernen, dass Zivilcourage manchmal bis zu extremer Selbstgefährdung nötig ist.“

Einem Ratsbeschluss folgend, bereitet die Kulturverwaltung einen Erinnerungsort für den Fössefeldfriedhof vor. Dort liegen etliche Kriegstote aus dem 19. und 20. Jahrhundert, dabei auch Fahnenflüchtige, „Wehrkraftzersetzer“ und Deserteure. Herzstück wird das Kunstwerk „Ungehorsam 1939 - 1945“ der Künstlerin Almut Breuste. Eine Tafel, deren Text noch abgestimmt wird, soll Besuchergruppen das Thema differenziert näher bringen. Ein Arbeitskreis der Otto-Brenner-Akademie bereitet das Thema vor.

Die Diskussion im Ausschuss verlief über lange Strecken sachlich. Die SPD unterstützt den Vorschlag, bei der CDU gibt es etwas Grummeln insbesondere bei Altgedienten wie Kurt Fischer und Wilfried Lorenz, der als Kreisvorsitzender des Volksbunds Kriegsgräberfürsorge ohnehin ein schwieriges Verhältnis zu Deserteuren hat. Grünen und Linken ist der Standort eigentlich zu dezentral, beide freundeten sich nach einem Vortrag von Stadtarchivleiter Karljosef Kreter aber mit dem Konzept an. Schließlich brachen aber doch noch die Emotionen hoch, als der von der CDU benannte Bürgervertreter Frank Siegel provozierend fragte: „Welches Signal setzt solch ein Denkmal an die Soldaten, die unsere Bundesregierung seit zehn Jahren nach Afghanistan schickt?“ und hinzufügte: „Ich war bei der Bundeswehr, habe den Kriegsdienst nicht verweigert und bin stolz darauf.“ Vertreter aller anderen Fraktionen betonten, dass es ausdrücklich um Unrechtsregimes gehe. Doch eine sachliche Aussprache war kaum noch möglich.

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