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Mitte Trinker stören die Ruhe am Gartenfriedhof
Hannover Aus den Stadtteilen Mitte Trinker stören die Ruhe am Gartenfriedhof
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16:06 22.10.2010
Von Kristian Teetz
Bei strömendem Regen stellen sich die ungebetenen Gäste im Eingang unter, bei Sonnenschein halten sie sich am „offenen Grab" auf. Quelle: Teetz

Die Probleme mit Störenfrieden auf dem Gartenfriedhof in der Marienstraße, die dort Alkohol trinken und ihre Hunde frei herumlaufen lassen, sind immer noch nicht gelöst. Vor etwa einem Monat hatten sich Anwohner aus der angrenzenden Arnswaldtstraße bei der Stadt beschwert.

„Neben einem übermäßigen Alkoholkonsum können Zeugen belegen, dass es unter anderem regelmäßig zu Sexualkontakten, Drogenkonsum und aggressiven verbalen sowie körperlichen Auseinandersetzungen kommt“, hatten die Verfasser in einem Brief an Oberbürgermeister Stephan Weil geschrieben. Diese Personengruppe habe den Friedhof nicht verlassen, sondern sei lediglich auf dem Areal umgezogen, berichtet der Pastor der Gartenkirche, Herbert Naglatzki. „Sie halten sich nun am berühmten ,offenen Grab’ direkt an der Kirche auf.“ Er erzählt, dass diese Menschen an das Gotteshaus urinieren. Wenn er mit seiner Gemeinde Gottesdienst feiere, seien die Störer in der Kirche zu hören: „Die brüllen herum.“

Naglatzki hat drei verschiedene Personengruppen ausgemacht. „Da halten sich Trinker, Obdachlose und Fixer auf.“ Ab acht Uhr am Morgen säßen diese Leute da. „Das Problem ist aber nicht neu. Ich wohne hier seit 1992.“ Er übernahm mit seinem Amt in der Gartenkirche auch das Übel auf dem Friedhof. „Schon damals lagen Nadeln von Fixern herum. Meine Kinder mussten lernen, dass sie auf dem Friedhof nichts anfassen dürfen.“ Auch heute sei das noch ein Problem, schließlich spielten Kinder auf dem nahegelegenen Spielplatz.

Ein Anwohner aus der Arnswaldtstraße, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sorgt sich nicht nur um seine Ruhe und die seiner Nachbarn. Er findet auch schade, dass der schöne Gartenfriedhof immer hässlicher wird. Vor den Bänken sei der Rasen abgetreten, die lauten Dauergäste und ihre Hunde schrecken Besucher ab. „Wie kann man so etwas verkommen lassen?“, fragt er.

Der Anwohner, der den Beschwerdebrief an die Stadt mitverfasst hat, äußert eine Idee: „Man sollte Alkohol auf solchen Plätzen verbieten.“ Eine solche Einschränkung gebe es in der Stadt auf öffentlichen Plätzen bekanntlich nicht. „Aber was spricht eigentlich gegen eine ,Lex Gartenfriedhof’?“ Es müsse endlich etwas geschehen. „Wir wollen den Gartenfriedhof wieder zu einem richtig schönen Platz umgestalten.“

Die Stadt Hannover könne sich an der Stadt Bückeburg orientieren, meint der Anwohner. Diese hat sich für ein striktes Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen entschieden. In der entsprechenden „Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit“ heißt es: „Außerdem ist es verboten, sich auf öffentlichen Parkplätzen oder in Grünanlagen zum Verzehr von Alkohol oder alkoholischen Getränken niederzulassen oder zu verweilen und Belästigungen oder Nötigungen gegenüber jedermann vorzunehmen.“

Pastor Naglatzki unterstützt diese Forderung: „Alkohol auf dem Gartenfriedhof zu verbieten halte ich für sinnvoll.“ Für ihn gehe es vor allem um Respekt zwischen den Menschen und auch um Respekt vor dem Kulturdenkmal Gartenfriedhof, auf dem unter anderem die Astronomin Caroline Herschel und Goethes Jugendfreundin Charlotte Kestner begraben.

Für Naglatzki ist das Problem auch ein grundsätzliches: „Es stellt sich doch die Frage: Wie gehen wir in unserer Gesellschaft, in unserer Stadt, mit Randgruppen um?“ Er betont aber, dass sich alle Bevölkerungsgruppen an gewisse Spielregeln halten müssten. „Vor Kurzem hat ein gut situierter älterer Herr an unsere Kirche uriniert.“ Auch nachdem der Pastor ihn angesprochen hatte, zeigte er wenig Verständnis. Der Druck sei halt so groß gewesen, habe er zur Begründung gesagt.

Naglatzki macht sich allerdings wenig Hoffnungen, dass sich an der Situation etwas ändert. Dazu ist in den vergangenen Jahren zu wenig passiert. „Nur als Gerhard Schröder noch in der Arnswaldtstraße wohnte, da wurde hier kontrolliert und die Menschen vom Friedhof ferngehalten. „Seit seinem Wegzug vor vielen Jahren interessiert sich aber keiner mehr für die Situation auf dem Gartenfriedhof.

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