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Heftige Anliegerproteste zum Neubau am Washingtonweg

Mittelfeld Heftige Anliegerproteste zum Neubau am Washingtonweg

Die Stadt und die Baugesellschaft Hanova wollen am Washingtonweg bauen, öffentlich geförderten Wohnraum für Familien und Senioren. Zahlreiche Anlieger protestieren heftig. Sie befürchten die Verschattung ihrer Grundstücke und allgemein eine Wertminderung ihrer Grundstücke.

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Ortstermin am Washingtonweg: Stadtplaner Hans-Heiner Schlesier erklärt Anwohnern und Politikern die Grundzüge des Neubauprojekts.

Quelle: Michael Zgoll

Hannover. Gut zwei Stunden reichten nicht aus, um sich wirklich näherzukommen: die Anwohner aus Lincoln- und Washingtonweg auf der einen Seite sowie die Vertreter von Stadt und Baugesellschaft Hanova auf der anderen. Bei einem Ortstermin an einer als Bauplatz für einen dreigeschossigen Neubau vorgesehenen Brachfläche im Amerikaviertel und einem anschließenden Treffen im Nachbarschaftstreff Mittelfeld prallten die Meinungen heftig aufeinander.

Nachverdichtung notwendig

In dem geplanten Neubau mit einer Traufhöhe von neun Metern plus Satteldach soll es neun öffentlich geförderte Wohnungen für Familien und Senioren geben. Die Anlieger möchten, dass das Wohnhaus überhaupt nicht gebaut wird oder – wenn es denn sein muss – seine Längsachse in Ost-West-Richtung verläuft. Stadt und Bauträger erläuterten mit zahlreichen Argumenten, dass eine Nachverdichtung in bestehenden Quartieren generell notwendig ist und warum das neue Gebäude in der vorgesehenen Form errichtet werden muss. Anwesend waren auch etliche Politiker aus dem Bezirksrat Döhren-Wülfel. Während sich SPD-, Grünen- und Linken-Vertreter eher zurückhielten, bezog CDU-Fraktionschefin Gabriele Jakob klar Stellung zugunsten der knapp zehn Anlieger, die vor Ort waren.

Wertminderung befürchtet

Ein Vermieter, dem zwei Reihenhaus-Grundstücke am Lincolnweg gehören, äußerte zum wiederholten Mal die Sorge, dass seine Häuser von dem Neubau allzu sehr verschattet würden. Von Hauswand zu Hauswand weisen die Pläne etwa 20 Meter Abstand aus, vom Ende der Gärten zur neuen Fassade etwa acht Meter. Stadtplaner Hans-Heiner Schlesier hatte etliche Folien mit dem Schattenwurf zu unterschiedlichen Jahres- und Tageszeiten mitgebracht, die diese Sorgen zerstreuen sollten. Auch gebe es nur sehr wenige Balkone an drei Eckpunkten des Neubaus, von denen aus dessen Bewohner in die Gärten ihrer alteingesessenen Nachbarn blicken könnten, sagte Schlesier. Einer älteren Dame, die eine Wertminderung ihres Reihenhäuschens befürchtet, entgegnete der Stadtplaner: „Wir hören dieses Argument häufig, aber in der Praxis ist das nie so eingetreten.“

Die Anlieger fragten immer wieder nach, warum der eine 26 mal 13 Meter Grundfläche umfassende Neubau nicht in Ost-West- statt in Nord-Süd-Richtung gebaut werden könne. Dann hätten die Reihenhausbewohner des Lincolnwegs nur die Giebelseite vor der Nase, die im Hochhaus am Washingtonweg wohnenden Mittelfelder allerdings die Längsseite. Laut Elias Fuchs vom Architekturbüro Kubik hätte dies jedoch entscheidende Nachteile für die Bewohner des Neubaus: Eine Fensterfront läge Richtung Norden, die Südseite im Schatten des Hochhauses. Auch gibt es baurechtliche Beschränkungen, die einem 90-Grad-Schwenk des Baukörpers im Wege stehen. „Dann würden wir die vorgeschriebenen Grenzabstände zu den benachbarten Gebäuden unterschreiten, und das ist nicht erlaubt“, erläuterte Schlesier.

Hier hakten einige Anlieger ein. Wenn der Neubau nur zwei Geschosse hoch sei, so ihre Argumentation, gebe es doch viel mehr Spielräume bei der Positionierung des Hauses. An dieser Stelle aber verdeutlichte Andreas Lunte von der Baugesellschaft Hanova, dass man das Gebäude auch wirtschaftlich betreiben müsse. „Die Formel lautet: Je kleiner, desto unwirtschaftlicher.“ Hinzu komme, dass bei einer Drehung des Objekts viele Leitungen unter dem Wendehammer am Washingtonweg verlegt werden und die Parkplätze für den Neubau neben den Gärten der Reihenhäuser am Lincolnweg angelegt werden müssten. „Verschattung ist viel schlimmer als Parkplätze“, konterte ein Anwohner.

Bedenkzeit nach Protesten

Schlesier brachte das generelle Problem des Vorhabens auf den Punkt: „Wir müssen das Schlüsselloch finden, in dem die Interessen der Bewohner des Hochhauses, der Reihenhäuser und des geplanten Neubaus bestmöglich berücksichtigt werden.“ Immerhin, so konnte Bezirksratspolitikerin Jakob vermelden, gibt es aufgrund der lautstarken Proteste eine neue Bedenkzeit: Der Rat habe seinen Plan, noch vor der Sommerpause über das Projekt zu entscheiden, ad acta gelegt.

Die bestschlechteste Lösung

Am Neubauprojekt Washingtonweg hat sich ein Konflikt zwischen öffentlichen und privaten Interessen entzündet, wie er im Lehrbuch steht. Auf der einen Seite steht die Stadt, die das Gemeinwohl im Auge hat: dringend benötigten Wohnraum für immer mehr Menschen zu schaffen, auch inmitten gewachsener Quartiere. Auf der anderen Seite stehen Anwohner, die ihre ganz persönlichen Interessen vertreten: keinen Neubau auf eine begrünte Brache vor ihrer Haustür gesetzt zu bekommen. Verstehen kann man beide Parteien, und so bleibt es in einem derartigen Widerstreit nicht aus, dass die Emotionen hochkochen und die Argumentation gelegentlich polemisch wird.

Doch könnte es in Mittelfeld nicht auch Kompromisse geben, wie sie nach heftigen Anwohnerprotesten beim Neubauvorhaben Maschseeherz in der Wiesenstraße gefunden wurden? Selbst wenn dort immer noch nicht alle zufrieden sind – auf dem Südstädter Areal wird nun in Teilen nicht so hoch gebaut wie geplant, auch bleiben mehr Bäume stehen.

Doch gibt es ein paar gewichtige Unterschiede zwischen Washingtonweg und Wiesenstraße. In Mittelfeld sind es erheblich weniger Anwohner, die für ihre Sache kämpfen, auch gibt es auf dem schmalen Grundstück der ehemaligen Wäscherei wesentlich weniger Spielräume für bauliche Alternativen. Schließlich geht es hier nur um ein einziges, dreigeschossiges Haus.

Letztendlich scheint es, dass die Planer hier alle Varianten gründlich abgewogen und die bestschlechteste Lösung für einen Neubau gefunden haben – vorausgesetzt, man glaubt dem Bauträger, dass ein nur zweigeschossiges Gebäude tatsächlich unwirtschaftlich wäre. Und eine Interessensgruppe hat sich schließlich noch gar nicht zu Wort gemeldet, weil sie dies noch gar nicht kann: die künftigen Bewohner des geplanten Wohnhauses. Diese werden sich später sicher freuen, in Hannover ein neues Heim in einem relativ zentral gelegenen Quartier mit passabler Infrastruktur gefunden zu haben.

Ein Kommentar von Michael Zgoll

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  • Stadtbezirk : Döhren-Wülfel, 8. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 33.593
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  • Bevölkerungsdichte : 2.035 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahl : 30519
  • Markantes aus der Geschichte : Der Stadtteil entstand in den fünfziger Jahren als Siedlung für Vertriebene. Mittlerweile gehören das über 130 Hektar große Messe-Gelände und das Expo-Areal mit der TUI-Arena ebenfalls zum Stadtteil.
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