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Mittelfeld Menschen fanden das kleine Glück im Amerika-Viertel
Hannover Aus den Stadtteilen Mittelfeld Menschen fanden das kleine Glück im Amerika-Viertel
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02:15 02.04.2016
In seinem Film„Eine neue Heimatgefunden – Schlesierberichten von denAnfängen in ihrerneuen Heimat in derECA-Siedlung Hannover-Mittelfeld“ (großes Bild) lässt StadtteilkundlerBruno Hanne (rundes Bild) die Vergangenheit des Viertels Revue passieren und dabei auchZeitzeugen zu Wortkommen. Zwei davonsind Helga Röddecker,die Vorsitzende derKulturinitiative Döhren-Wülfel-Mittelfeld(Bild unten, rechts), und die inzwischenverstorbeneMaria Hake – hier imgemeinsamen Gespräch.Fotos/Repros:
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Mittelfeld

Mittelfeld. Monatelang standen die vertriebenen, ausgebombten und geflüchteten Menschen in der Nachkriegszeit beim Wohnungsamt in Kleefeld an, um eines der begehrten kleinen Häuser in der Amerika-Siedlung zu ergattern. Und wenn es schon kein Häuschen war, dann sollte es wenigstens eine eigene Wohnung in einem der Häuserblöcke in den Straßen sein, die alle nach großen US-Persönlichkeiten benannt waren. Das mit Geld aus dem Marshallplan, dem Wirtschaftswiederaufbauprogramm der USA, finanzierte Amerika-Viertel zwischen dem Messeschnellweg und der Stadtbahnlinie ist bis heute ein steinerner Zeuge des Neuanfangs nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Nachbarschaftstreff Mittelfeld feierte nun eine Filmdokumentation über die bewegten ersten Jahre des Quartiers Premiere.

In Kooperation mit der Kulturinitiative Döhren-Wülfel-Mittelfeld zeigte der Stadtteilkundler Bruno Hanne seinen Film „Eine neue Heimat gefunden - Schlesier berichten von den Anfängen in ihrer neuen Heimat in der ECA-Siedlung Hannover-Mittelfeld“. Dazu waren die Besucher eingeladen, ihre eigenen Erinnerungen an die Aufbaujahre untereinander auszutauschen. Passend zum Thema konnten die Gäste sich an einem reichhaltigen Bufett mit Burgern, Maiskolben, Muffins und anderen typisch amerikanischen Speisen bedienen.

Für Rudi Lenz war der Einzug in seine Wohnung im Washington Weg eine wichtige Zäsur in seinem Leben. „Dann zog ich in den Washington Weg und war glücklich“, erinnerte sich der Renter an seine Nachkriegszeit. Als Zeitzeuge schilderte Lenz vor der Kamera seine Eindrücke aus den ersten Jahren in Mittelfeld. Sechs Jahre hatten er und seine Frau nach dem Kriegsende in einem zwölf Quadratmeter großen Zimmer gelebt.

Nur wer vertrieben oder ausgebombt war, Kinder hatte oder im Export tätig war, durfte sich Hoffnungen auf eine der begehrten Wohnungen und Häuschen in der neuen Vertriebenensiedlung machen. „Als Bombengeschädigter stand man schon in der zweiten Reihe“, erinnert sich Lenz. Als er die Wohnung endlich bekam, sei es für ihn wie der Einzug ins Paradies gewesen, erzählt er. Da störte es nicht, dass die Stromleitungen in den noch feuchten Räumen falsch verlegt worden waren und nicht funktionierten. „Wir haben eben im Kerzenschein gebadet“, berichtet er.

Eine Besonderheit ist vielen Besuchern der Filmvorführung bis heute gut in Erinnerung geblieben. Die Heizungen waren an der Decke verlegt, um keinen Platz zu verschenken - eine damals völlig moderne Lösung. Mit einem Schalter an der Wand ließ sich die Wohnung wärmen, wenn er denn funktionierte. Bis heute scheiden sich die Geister, wie sinnvoll die Neuerung aus Amerika war. „Man hatte immer kalte Füße“, erinnert sich eine Zeitzeugin. Erika Babst wurde im letzten Kriegsjahr in Mittelfeld geboren. „Mein Sohn ist 43, der weiß schon gar nicht mehr, wie es hier einmal war“, sagt sie.

Der etwa einstündige Film hält in Zeitzeugen-Interviews und Impressionen aus dem Viertel die Entstehung des jungen Stadtteils fest. Einige Szenen wurden während eines Rundgangs aufgenommen, bei dem Schauspieler als amerikanische Präsidenten verkleidet durch das Quartier führten. Beschwingt-leichte Begleitmusik unterstreicht die Aufbruchstimmung der späten Fünfziger- und Sechzigerjahre. „Es war ein Fortschritt, dass man wieder eine eigene Wohnung hatte. Von da ging es langsam und beschwerlich bergauf“, erzählt Zeitzeugin Maria Hake in dem Film, die dessen Premiere aber nicht mehr miterleben konnte. Lebhaft erinnerte die alte Dame sich an ihre späteren Jahre als Mittelfelder Messe-Mutti. Aber auch an die Tilgungsraten von 92 Mark, die für manchen Besitzer der kleinen Häuschen eine hohe finanzielle Belastung waren. Einige der Eigenheimbesitzer hätten ihren Kredit bis in das neue Jahrtausend hinein abgezahlt, weiß eine Anwohnerin aus dem Karl-Schurz-Weg.

Wer damals eine Wohnung aber im Amerika-Viertel ergattern konnte, der zog oft ein Leben lang nicht mehr fort. So erging es auch Helga Röddecker, der Vorsitzenden der Kulturinitiative, die den Film gemeinsam mit Hanne entwickelt hat. Damals half Maria Hake ihrer Familie beim Kochen. Von dem Balkon ihrer Wohnung in der Washingtonstraße aus konnte Röddecker in den Garten der alten Dame schauen. „Und Frau Hake sah morgens, wenn ich in meiner Wohnung aufstand“, erzählt sie. Auch diese Erinnerung ist ein kleines Stückchen hannoverscher Sozialgeschichte.

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