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Mühlenberg IGS Mühlenberg: Raumnot trotz Neubau
Hannover Aus den Stadtteilen Mühlenberg IGS Mühlenberg: Raumnot trotz Neubau
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10:52 22.01.2017
Michael Bax leitet die Leonore-Goldschmidt-Schule im Stadtteil Mühlenberg. Trotz des Neubaus fehlen Räume für Fördergruppen oder für die Inklusion. Der Wunsch des Direktors ist eine technische Lösung, um die freien Räume im Gebäude in Echtzeit anzeigen zu lassen. Quelle: Marcel Schwarzenberger

Herr Bax, Sie haben jetzt 1874 Schüler mit über 40 Nationalitäten an Ihrer Schule. Wird die Schülerzahl noch steigen?

Eigentlich nicht. Wir sind ja immer beim Abitur nach 13 Jahren geblieben. Das nennen wir entschleunigtes Lernen. Wir sind fast durchgehend achtzügig - mehr Schüler kommen nicht zu uns.

Vier Jahre lang wurde an der neuen Schule gebaut. Bei der Eröffnungsfeier sagten Sie, dass die Zahl der Räume noch nicht reiche …

Die Schule wurde nach dem Standardraumprogramm geplant. Das heißt unter anderem, dass ich pro Jahrgang nur einen Differenzierungsraum zusätzlich zu den Klassenräumen habe. Manchmal bräuchten wir mehr Lerngruppen, als es Klassen gibt. Das wäre pädagogisch sinnvoll, wir können es mangels Platz aber nicht machen. Oder nehmen Sie die Inklusion. Seit dreieinhalb Jahren beschulen wir Kinder mit besonderem Förderbedarf, die manchmal auch eigene Rückzugsräume brauchen. Wir haben aber auch diese Räume nicht.

Benannt ist die Leonore-Goldschmidt-Schule – IGS Hannover-Mühlenberg nach einer 1897 geborenen deutschen Pädagogin. Leonore Goldschmidt fand 1935 eine Lücke im nationalsozialistischen Schulsystem und gründete in Berlin eine jüdische Schule. Sie ging 1939 ins Exil nach Großbritannien, wo sie 1983 starb.
mas

Der Schulbau begann in etwa zur selben Zeit, als auch die Inklusion an Hannovers Schulen startete. Wurde das nicht berücksichtigt?

Man wusste, dass die Inklusion kommt, aber damals wurden die dafür nötigen Räume nicht eingeplant.

Ein weiterer Anbau dürfte kaum realistisch sein.

Das muss auch nicht sein. Es werden immer mal Klassenzimmer frei, wenn Schüler in Fachräumen oder beim Sport sind. Das wissen die betroffenen Lehrkräfte oder Betreuer aber nicht in dem Moment, in dem sie zusätzlichen Raum benötigen. Wir bräuchten ein intelligentes Raum-Management, das jedem Mitarbeiter in Echtzeit zeigt, wo gerade etwas frei ist. Das wäre eine Investition in eine Technologie, die auch bei anderen Schulen den ein oder anderen Umbau sparen könnte.

Als einzige IGS in Hannover haben Sie sich einen Namen gegeben, der nicht mit dem Stadtteil zusammenhängt. Ist das eine Abgrenzung zu Mühlenberg?

Den Stadtteil ignorieren wir nicht! Unser offizieller Name lautet vollständig Leonore-Goldschmidt-Schule - IGS Hannover-Mühlenberg. Der Stadtteil ist geprägt von Straßen, die nach antifaschistischen Widerstandskämpfern benannt wurden. Auch Leonore Goldschmidt leistete Widerstand; sie war menschlich, mutig und bewies Weitblick.

Als Vorzeigeschule arbeiten Sie in einem Stadtteil, dessen Image nicht immer das beste ist.

Die Umbenennung hatte auch damit zu tun, ja. Manche unserer Lehrkräfte werden von Freunden manchmal erstaunt gefragt, warum sie ausgerechnet nach Mühlenberg gehen. Aber wir nehmen das Image nicht als etwas wahr, wo wir gezielt gegensteuern müssten. Mit dem Neubau begann für uns etwas Neues; vor allem deshalb wollten wir einen anderen Namen.

Verein bewirtschaftet Schulbistro

In der Integrierten Gesamtschule werden derzeit 726 Schüler mit Migrationshintergrund unterrichtet. Sie ist für die fünften bis zehnten Jahrgänge eine gebundene Ganztagsschule. Außer einer neuen Mensa mit 400 Plätzen gibt es ein Bistro, das ein eigens gegründeter Verein bewirtschaftet. Viele Schüler, die ohne Morgenmahlzeit zur Schule kommen, profitieren von einem kostenlosen Frühstück. Es wird aus Spenden finanziert und an drei Tagen pro Woche ausgegeben. Die Schule will dieses Angebot möglichst an jedem Schultag bereithalten.
mas

20 Prozent Ihrer Schüler kommen aus Mühlenberg. Was sagt diese Zahl aus?

Das ist seit vielen Jahren ein stabil bleibender Anteil. Es gibt die freie Wahl der weiterführenden Schule. Und ich habe nie mitbekommen, dass etwa Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder bei uns sind. Mühlenberger gehen zur IGS Linden oder zur Peter-Ustinov-Schule. Aus Linden, Ricklingen, Ahlem, Badenstedt und dem Umland kommen viele Schüler zu uns. Wegen der guten Anbindung an den Nahverkehr, aber auch wegen unserer besonderen Angebote.

Zum Beispiel?

Das Theaterpädagogische Zentrum, der Schulzoo und das EnergieLAB, wo auch Grundschüler aus allen Teilen der Stadt etwas über Energie lernen, schärfen unser Profil. Wir stellen zudem fest, dass immer mehr Fünftklässler eine Sprachförderung brauchen. Die Lese- und Rechtschreibkompetenz sinkt seit Jahren. Wir tun etwas dagegen. Wir haben Sprachlernklassen und Fachberater für interkulturelle Bildung. Übrigens hat weniger als die Hälfte unserer Schüler einen Migrationshintergrund.

Neu ist, dass die Schule eingezäunt ist, neu ist auch die räumliche Trennung zwischen IGS und dem Stadtteilzentrum. Wie steht es mit der Vernetzung zur Nachbarschaft?

Wir wollten die Trennung von Schulbereich und öffentlichen Bereichen. Früher mussten Besucher der „Weißen Rose“ und der Stadtteilbibliothek durch unsere Schule, das war nicht gut. Wir möchten größtmögliche Ruhe für unsere Schüler.

Sie bleiben für sich?

Nein, wir haben ja einige Kooperationen. Mit den Nutzern des Stadtteilzentrums, aber auch mit Vereinen wie dem Mühlenberger Sportverein oder mit dem nahe gelegenen Jugendtreff Atlantis der Arbeiterwohlfahrt. Täglich ab 16 Uhr und auch am Wochenende wird es in den Sporthallen rappelvoll - durch externe Nutzer. Auch für die Nutzung der Aula gibt es viele Interessenten aus dem Stadtteil. Das unterstützen wir. Über die Schulverwaltung kann man den Saal mieten, auch für Hochzeiten oder Vereinsveranstaltungen.

Es geht Ihrem Kollegium und den Schülern also gut in Mühlenberg?

Ja, die intensive Bauzeit ist vorbei. Da wurde uns allen doch viel zugemutet und einiges blieb liegen. Wir haben jetzt die Ruhe, um manches neu zu gestalten. Das soll sich auch nach Mühlenberg auswirken. Zum Beispiel gibt es die Idee eines neuen Elterncafés. Daran arbeiten wir.

Das Interview führte Marcel Schwarzenberger

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