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Afro-Rhythmen beim Picknick

Hoffest in Mühlenberg Afro-Rhythmen beim Picknick

Die Nachbarschaftsarbeit Canarisweg organisierte ein Hoffest für die Bewohner – und hofft auf Unterstützung durch das Programm „Soziale Stadt“.

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Dicht umlagert: Malick Diop trommelt, während die Bewohner auf der Wiese vor der Wohnanlage Canarisweg picknicken.

Quelle: Schwarzenberger

Hannover. Malick Diop stammt zwar aus Senegal, aber der Trommler mischt Hannovers Musikszene seit vielen Jahren mit afrikanischen Rhythmen auf. Bei Konzerten und in Schulen wie der Ricklinger Peter-Ustinov-Schule. An diesem Tag haben ihn viele Ustinov-Schüler als Fangemeinde auch zum Canarisweg begleitet. Diop gestaltet dort beim sommerlichen Hoffest der Nachbarschaftsarbeit (NBA) so etwas wie einen Trommel- und Rhythmus-Workshop. Mädchen und Jungen umlagern seinen Set aus Schlagzeug und traditionellen Trommeln in dichten Trauben. Familien picknicken auf dem kleinen Hügel neben der hoch aufragenden Wohnanlage Canarisweg. Es ist ein Tag, an dem Ausgelassenheit die täglichen Sorgen der Bewohner ein Stück beiseiterückt. Wünsche für die Zukunft eines der umstrittensten Wohnviertel im Westen gibt es trotzdem.

Johanna Bartsch wartet im zehnten Stock des Hochhauses. Gemeinsam mit freiwilligen Helfern vom Not-Funk-Dienst - einer einst von Polizisten gegründeten Notrufeinrichtung -, die landesweit öffentliche Veranstaltungen mit Personal und Technik begleitet. Die Männer haben sich mit Sprechfunkgeräten im Keller und unter dem Dach postiert. Dutzende Kinder nehmen am schon traditionellen Treppenhauslauf teil. Manche schaffen die steile Strecke in weniger als einer Minute; alle Kinder werden von Bartsch mit guten Worten, Äpfeln und etwas zu Trinken erwartet. „Das ist ja schon Leistungssport“, sagt sie und zwinkert den frisch angekommenen Jungen zu. Die Mühlenbergerin hilft dem NBA seit Jahren beim Hoffest aus. Sie gehört zum Mühlenberger Sportverein und findet den sportlichen Einsatz der jüngsten Canarisweg-Bewohner klasse. Vom Hof dröhnt der Trommelwirbel von Diop herauf. Der Weg dorthin führt durch einen ramponiert wirkenden Lift mit schlecht beleuchteten Tasten, durch mit Graffiti besprühte Flure und dunkle Gänge.

Draußen, in der Sonne, aalen sich Anwohner in Jeans, mit Kopftuch oder in afrikanischen Gewändern. Der Canarisweg hat rund 1700 Bewohner; viele von ihnen stammen aus Einwandererfamilien und beziehen Sozialleistungen. Etliche Mieter bleiben nur kurze Zeit, bevor sie die Anlage wieder verlassen und andere nachrücken. Gut zwei Drittel der Kinder, schätzt Petra Bleichwehl von der Nachbarschaftsarbeit, haben keinen Kita- oder Hortplatz. Die NBA hilft aus, so weit sie kann. Es gibt in der Wohnanlage neben einem Internetcafé, einem Kiosk und einem Fitnessstudio auch eine kleine Betreuungseinrichtung für Kinder. Die städtische Kita im Haus Nr. 21 zieht bald aus; für sie wird ein Neubau an der Beckstraße entstehen. „Es wäre schön, wenn diese Kita auch danach weiter genutzt würde“, sagt Bleichwehl. Mühlenberg brauche dringend mehr Plätze. Bleichwehl hofft, dass so etwas im frisch angelaufenen Programm „Soziale Stadt Mühlenberg“ zu schaffen ist. Das Programm ist auch darauf angelegt, Wohnungseigentümer zur Modernisierung ihrer Objekte zu bewegen - auch am Canarisweg.

Dort teilen sich die Immobilienfirmen Vonovia (früher Gagfah) und Deutsche Wohnen die Wohneinheiten. Beide haben noch keine Sanierungspläne vorgelegt. „Das wäre aber schön“, sagt Bleichwehl. Sie betreut die Gemeinschaftseinrichtungen der NBA mit Ein-Euro-Jobbern. Noch besser wären feste Stellen, sagt sie. Dann muss Bleichwehl wieder los; das Fest organisiert sie mit ihren Mitarbeitern und einigen Ehrenamtlichen. Auch einige Frauen, die sich mit dem städtischen Rucksack-Projekt zu Integrationslotsinnen ausbilden ließen, beteiligen sich. Die übrigen Bewohner genießen den Sommertag. Gemeinsam, unabhängig von Herkunft und Hautfarbe. So haben es die Organisatoren gewollt. Und alle sind von Diops Klängen umgeben.

Marcel Schwarzenberger

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Mühlenberg in Zahlen

Stadtbezirk : Ricklingen, 9. Stadtbezirk von Hannover

Einwohner: im Stadtbezirk ca. 43.422

Einwohner je Stadtteil: Bornum (1.363), Mühlenberg (6.582), Oberricklingen (10.327), Ricklingen (12.685) und Wettbergen (12.465)

Bevölkerungsdichte : 2.948 Einwohner/km² im Bezirk

Postleitzahlen : 30453, 30457, 30459

Bezirksbürgermeister : Andreas Markurth (SPD)

Stadtbezirksrat :  SPD: 9, CDU: 5, Grüne: 4, Linke: 1, FDP: 1, Parteilos: 1

Markantes aus der Geschichte: Die Mühle, die dem Stadtteil seinen Namen gab, steht auf der Südseite des Hügels, gehört allerdings schon zu Wettbergen. 1945 errichteten die Nazis auf dem Mühlenberg ein KZ-Außenlager, das in der Nachkriegszeit zum Obdachlosenlager umfunktioniert wurde.

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