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Mühlenberg Nachbarschaftstag bringt alle zusammen
Hannover Aus den Stadtteilen Mühlenberg Nachbarschaftstag bringt alle zusammen
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20:46 01.06.2016
Fröhliche Frauenrunde: Nesvin undSüheyla Isikli (großes Bild, links)sowie Sevda und Azra Yalcinbagbesuchen mit ihren Bekannten denNachbarschaftstag. Dort stellt sich auchdie Initiative „Migranten für die Agenda 21“ mit Anton Raynesh (oben,von links), Nadiya Doroklovaund Emir Meyer vor. Quelle: Mario Moers
Mühlenberg

Wie gut kennen wir eigentlich unsere Nachbarn? Statistisch betrachtet begegnen wir ihnen am häufigsten, wenn wir ein Paket bei ihnen abholen, uns Werkzeug leihen oder einen Betreuer für die Blumen während des Urlaubs suchen. Dass Nachbarschaft aber auch anders geht, bewiesen am vergangenen Freitag zahlreiche Feiern und Aktionen am Europäischen Nachbarschaftstag. Auf dem Stauffenbergplatz versammelten sich rund 100 Nachbarn aus dem gesamten Stadtteil Mühlenberg. Bei einem gemeinsamen „Welt-Dinner“ probierte man orientalische Köstlichkeiten und lernte sich kennen oder besser kennen. An die Kochtöpfe stellten sich die Mitglieder des Integrationsbeirats höchstpersönlich.

Die große Pfanne verströmt Aromen von Tomaten, Öl und Knoblauch. „Der Imam fällt in Ohnmacht“ heißt das Gericht, das Rezzak Yayar mit einem Stück Fladenbrot an die Besucher verteilt. „Es heißt so, weil so viel Knoblauch darin ist“, erklärt Yayar lächelnd. Hinter ihm bereiten weitere Köche noch mehr gebratenes Gemüse zu. Die Pfanne soll voll bleiben, schließlich ist das gemeinsame Essen der Kitt, der die Nachbarn zunächst einmal einander näherbringen soll. „Indem wir die Menschen hier zusammenbringen, helfen wir Vorurteile abzubauen“, sagt Yayar. Der Programmierer aus Bornum ist Mitglied des Integrationsbeirats, der das Dinner vor dem ausgelagerten Stadtteilzentrum zum zweiten Mal ausrichtet.

In Hannover wird der im Jahr 1999 in Paris erfundene Europäische Nachbarschaftstag seit 2011 begangen. Entstanden als Begegnungsfest für von der Isolation bedrohte Großstädter, übernahm der europäische Dachverband der sozialen Wohnungswirtschaft (CECODHAS) die internationale Verbreitung. Der Mühlenberg gehörte als Sanierungsgebiet zu den ersten Stadtteilen, in denen die Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover (GBH) die Veranstaltung in Kooperation mit dem Quartiersmanagement und sozialen Einrichtungen wie dem Stadtteilzentrum organisiert hat. „Für uns ist das ein toller Anlass, um Menschen aus verschiedenen Generationen und Kulturen einander näherzubringen“, kommentiert Bezirksbürgermeister Andreas Markurth das Konzept. Parallel zum „Welt-Dinner“ fand auf der Wiese des Mühlenberger SV ein Kinder- und Jugendfest statt, im Ossietzkyring wurde gepicknickt, und das ökumenische Kirchenzentrum veranstaltete einen Begegnungsnachmittag.

Am Rande des „Welt-Dinners“ nutzten Einrichtungen und Projekte aus dem Stadtteil die Chance, um sich den Nachbarn zu präsentieren. „Ohne so eine Veranstaltung gelingt es nur schwer, so viele Menschen zu mobilisieren. Das nutzen wir als Integrationsbeirat“, erklärt Markurth den doppelten Nutzen. Bei den jüngeren Besuchern kamen etwa die alkoholfreien Cocktails des Jugendzentrums bestens an. Die Initiative „Migranten für die Agenda 21“ stellte Projekte für eine nachhaltige und umweltbewusste Lebensgestaltung vor - etwa die Aktion „Mühlenberg in Bewegung“. In Kooperation mit den Familienzentren Canarisweg und Ossietzkyring werden dabei besonders Frauen und Kinder mit Gymnastikkursen angesprochen. Die ehrenamtlichen Organisatoren des Projekts haben in der Regel selbst einen Migrationshintergrund. Das erleichtert den Zugang und lässt neue Netzwerke entstehen. Die Idee, Konzepte wie Nachhaltigkeit, Regionalismus, Energiesparen oder Vegetarismus auch in sozial benachteiligte Quartiere zu bringen, hat ein hohes Innovationspotenzial.

Niedrigschwellige Veranstaltungen wie der Nachbarschaftstag sind für die Akteure der sozialen Stadtteilarbeit eine gute Gelegenheit, neue Interessenten und Teilnehmer zu gewinnen. Nicht bloß in Mühlenberg erfreut sich der Europäische Begegnungstag deshalb zunehmender Beliebtheit. Was in den Sanierungsgebieten begann, hat längst die Stadt erobert.

Von Mario Moers

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