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Nord 2000 Scilla für den Gartenfriedhof
Hannover Aus den Stadtteilen Nord 2000 Scilla für den Gartenfriedhof
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13:44 23.01.2014
Im kommenden Jahr soll der Gartenfriedhof erblühen: Vereinsmitglieder bei der Arbeit. Quelle: Valentin
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Mitte

Ausgerüstet mit Schaufeln, Knieschonern und kleinen Hacken machten sich auf dem Gartenfriedhof an der Marienstraße fünfzehn Hobbygärtner ans Werk. In ein größeres Rasenstück in der Mitte gruben sie nach und nach 2000 Zwiebelchen der „Scilla siberica alba“ ein, die vom kommenden Frühjahr an ihre strahlend weißen Blüten zeigen sollen. Zu der Pflanzaktion hatte die Initiative „Renaissance Gartenfriedhof“ aufgerufen, die damit einen weiteren Beitrag zur Verschönerung der historischen Friedhofsanlage leisten will.

„Auf die Idee, dass dem Gartenfriedhof die Farbe Weiß gut ansteht, kamen wir im vergangenen Winter“, sagt Dieter Zinßer, der Vorsitzende des Vereins. Die Scilla dürfte vielen Hannoveranern bekannt sein: Als „Sibirischer Blaustern“ wächst sie zuhauf auf dem Lindener Bergfriedhof und präsentiert dort jedes Frühjahr ihr „Blaues Wunder“. Eine Variante davon ist der „Weiße Blaustern“- und eben dieser soll sich immer im März oder April auf dem Gartenfriedhof ausbreiten.

Weiße Blüten zieren damit eine Gräberstätte, die im 18. Jahrhundert bei der Gartenkirche angelegt wurde und heute ein wichtiges Zeugnis der hannoverschen Stadtgeschichte ist. Der Bürgermeister Christian Philipp Iffland, der Hofmaler Johann Heinrich Ramberg, die Astronomin Caroline Herschel, Goethes Jugendliebe Charlotte Kestner, geborene Buff und viele andere namhafte Persönlichkeiten fanden auf dem Gartenfriedhof ihre letzte Ruhe. Lange ist es her, dass hier die letzte Beisetzung stattfand, und mittlerweile gilt die Anlage als städtischer Park. Doch in den vergangenen Jahren ließen sich dort immer wieder Trinkergruppen nieder. Auch das Hundeverbot wurde missachtet, und offenbar kam es früher bei der städtischen Grünpflege zu einigen Pannen.

2011 hat sich daraufhin die Initiative „Renaissance Gartenfriedhof“ gegründet, um dem Areal wieder zu mehr Würde zu verhelfen und die teilweise recht mitgenommenen Grabmale vor dem Verfall zu retten. Inzwischen hat sie schon an die 30 Paten gefunden, die sich jeweils um eines der Gräber kümmern. Der Verein selbst hat derzeit 50 Mitglieder, die ihre Aktivitäten nicht im Alleingang planen. „Bei allem, was wir tun, kooperieren wir eng mit der Stadt“, erläutert der Vorsitzende Dieter Zinßer.

Bereits 2007 ließ die Verwaltung ein „restauratorisches Gutachten“ anfertigen; mit Hilfe von Spendern wurden danach 77 der insgesamt 410 historischen Grabsteine saniert. Für den Erhalt des Friedhofs als Gartendenkmal liegt seit Anfang dieses Jahres ein weiteres Gutachten vor, für das die Stadt rund 20 000 Euro aufwandte. Die 2000 Zwiebeln der „Scilla siberica alba“ hingegen kosteten weniger als 170 Euro. In der Gemeinschaft und bei sonnigem Wetter ging die Pflanzaktion der Initiative „Renaissance Gartenfriedhof“ nun munter voran. Auch einige Fliederbüsche sollen vielleicht noch in diesem Herbst gesetzt werden.

Von Gerda Valentin

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