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Nord Ahorn verschlingt Grabgitter
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Ahorn verschlingt Grabgitter
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13:36 13.01.2011
Seit rund 70 Jahren wächst der Baum am Gitter und hat es fast vollständig verschlungen. Quelle: Philipp von Ditfurth

Man mag es bedrohlich finden oder auch beruhigend. Die Natur, so demonstriert sie uns immer wieder, sucht sich ihren Weg – Asphalt, Steinen, Beton und Stahl zum Trotz. Ein besonders beeindruckendes Beispiel für die Wandlungsfähigkeit und Durchsetzungskraft von Pflanzen können Hannoveraner auf dem Gartenfriedhof an der Marienstraße bewundern. Dort wächst seit vielen Jahrzehnten ein Ahorn rund zwei Meter parallel zum Boden durch ein Grabgitter hindurch, bevor sich der stattliche Baum – am Ende des Grabeinfassung angekommen – nach oben in Richtung Himmel und Sonne streckt.

„Mich hat dieser Baum von Jugend an fasziniert“, erzählt Uwe Fielitz aus Osnabrück. Der heute 70-Jährige hat als junger Mann eine Lehre als Werbetechniker in Hannover gemacht und war in den fünfziger Jahren auf die botanische Besonderheit aufmerksam geworden. „Als ich dann vor drei Jahren wieder mal den Gartenfriedhof besuchte, war ich erstaunt, welch imposanter Baum aus diesem Kuriosum entstanden war“, erzählt Fielitz begeistert.

Seine Begeisterung teilte der Osnabrücker, der Hannover immer wieder gern besucht, auch mit Gerhard Schröder. „Ich treffe ihn immer mal wieder beim Mittagessen mit seiner Familie in einem chinesischen Restaurant in der Königstraße“, berichtet der Rentner. Eines Tages erzählte Fielitz dem Ex-Kanzler dann von dem Baum und zeigte Fotos. „Ich finde, dass der Wuchs des Baumes sinnbildlich für seinen eigenen Aufstieg aus kleinen Verhältnissen steht“, sagt Fielitz, „Herr Schröder war sehr angetan und erfreut.“

Die Begeisterung über den ungewöhnlichen Baumwuchs teilt, wenn auch aus rein botanischer Sicht, Hanspeter Geiges, Sachgebietsleiter im Fachbereich Umwelt und Stadtgrün. „Es gibt nicht viel, was man sicher über diesen Baum sagen kann“, betont Geiges. „Sicher ist lediglich, dass es sich um einen Spitzahorn handelt und dass er bestimmt nicht freiwillig so gewachsen ist.“ Geiges glaubt, dass der Baum, als er noch jung und elastisch war, von jemandem um die Gitter des Grabes von Heinrich Bernhard Röhrs geschlungen wurde. „So ist vermutlich die Wuchsform entstanden.“

Dass der Baum sich das Gitter förmlich einverleibt hat, erklärt Geiges mit Überwucherungen, die ein Baum als Schutzmechanismus gegen Verletzungen bilde. „Diese Überwucherungen bezeichnet man als Druckstempel. Der Baum reagiert auf das gegen seinen Stamm drückende Gitter oder auch die scharfe Sandsteinkante mit einem zähflüssigen Brei, um den Druck zu mildern. Das ergibt die Überwucherungen“, erklärt der Grünexperte. Das Alter des Ahorns schätzt er auf rund 60 bis 70 Jahre.

Michael Soboll

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