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Polizei stürmt besetztes Haus

Nordstadt Polizei stürmt besetztes Haus

Eine Gruppe von Aktivisten hat am Freitagabend ein weitgehend leerstehendes Haus in der Nordstadt besetzt. Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, diese setzte Schlagstöcke, Pfefferspray und Hunde ein. Am Sonnabendvormittag stürmte die Polizei das Gebäude – doch die Besetzer waren schon weg.

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Etwa 50 Personen haben Teile eines Hauses in der Nordstadt besetzt.

Quelle: Elsner

Hannover. Nachdem sich Dutzende Aktivisten am Freitagabend während einer Hausbesetzung teils gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert hatten, stürmte die Polizei am Sonnabendmorgen das Gebäude. Offenbar gingen die Beamten davon aus, noch einige Besetzer dort vorzufinden – doch das Haus war leer. Bevor die letzten Aktivisten, die sich offenbar noch über Nacht in dem Haus aufgehalten hatten, getürmt waren, hatten sie das Gebäude von innen mit Barrikaden versehen. Nach Angaben der Polizei waren unter anderem Bretter von innen vor den Eingang genagelt worden.

Hausbesetzung offenbar gut geplant

Nach Angaben der Polizei gelangten die Besetzer, die offenbar der linken Szene angehören, am Freitagabend gegen 20.30 Uhr in eine Wohnung in das Gebäude an der Straße Im Moore. Anwohner alarmierten daraufhin die Polizei. Die Aktion war offenbar gut geplant: Die Aktivisten hatten eine  Musik- und Lichtanlage mitgebracht, über die Straße spannten sie ein Transparent, auf dem die Parole „Ernie und Bert gegen Wohnwert“ zu lesen war. Wohnwert ist der Name der Immobilienfirma, die das Haus vor rund einem Jahr übernommen hat.

Polizei setzt zunächst auf Deeskalation

Die Besetzung begann friedlich, so dass die Polizei zunächst auf Deeskalation setzte. „Da derzeit alles friedlich ist, versuchen wir nur zu verhindern, dass weitere Personen in das leere Haus kommen“, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion am Abend. Diese entspannte Stimmung hielt zunächst auch über mehrere Stunden an. Immer wieder kamen und gingen etwa 70 Sympathisanten der Aktivisten und vermittelten eine Art Volksfestcharakter in der Nordstadt, während sie biertrinkend auf der Straße standen. Lediglich zweimal  zeigten sich drei vermummte Personen gegen 21.40 Uhr und 22.35 Uhr an einem geöffneten Fenster der besetzten Wohnung und entzündeten jeweils ein bengalisches Feuer. Um 22.50 Uhr nahmen die Beamten einen Mann in Gewahrsam, der offenbar mehrfach Polizisten angegriffen und beschimpft hatte und dem darauf erteilten Platzverweis nicht folgen wollte. In der Zwischenzeit versuchte die Polizei, den Eigentümer des Hauses zu kontaktieren, um mit ihm das weitere Vorgehen zu besprechen.

Die Lage eskaliert nach Mitternacht

Um 1 Uhr eskalierte jedoch die Lage, als die Demonstranten immer wieder Polizisten beschimpften, mit Flaschen bewarfen und Pyrotechnik zündeten. Auch ein Einsatzfahrzeug wurde dabei beschädigt. Die Polizeidirektion zog daraufhin weitere Kräfte zusammen und löste um 2.20 Uhr die Versammlung auf. Als die Randalierer darauf nicht reagierten, ging die Polizei mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen sie vor. Drei Aktivisten wurden in Gewahrsam genommen. Insgesamt wurden 13 Strafverfahren hauptsächlich wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Da die letzten 15 bis 20 Krawallmacher der Aufforderung der Einsatzkräfte nicht folgten, lieferten sich beide Parteien im Bereich des Unicampus immer wieder kleine Scharmützel. Während die Polizisten versuchten, die Autonomen auseinanderzutreiben, bewarfen diese die Beamten immer wieder mit Müllsäcken, die sie aus den Mülltonnen der Uni holten. Zudem zerstachen sie offensichtlich die Reifen an drei in der Umgebung geparkten Autos. Am Sonnabendmorgen erstatteten die Eigentümer des Mehrfamilienhauses Strafantrag gegen die Hausbesetzer wegen Hausfriedensbruches, woraufhin die Polizei die Wohnung räumte.

Eine Gruppe von Aktivisten hat ein leerstehendes Haus in der Nordstadt besetzt. Unter dem Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray und Polizeihunden ging die Polizei gegen die Hausbesetzer vor.

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Nach Angaben der Besetzer wurde das Haus vor einem Jahr von der Firma Wohnwert gekauft und saniert. Die Wohnwert GmbH Hannover ist nach eigenen Angaben eine  Projektentwicklungsgesellschaft mit dem Schwerpunkt der Revitalisierung von Bestandsgebäuden. "Hierzu gehören die klassische Umwandlung von Wohnhäusern in Eigentumswohnungen und deren Abverkauf, wie aber auch die Optimierung von Wohn- und Geschäftshäusern für den Kapitalanleger", heisst es auf der Internetseite des Unternehmens. Dort werben die Besitzer unter anderem auch mit den "stilvolle Altbauwohnungen" in der Straße Im Moore.

Hausbesetzer kritisieren Immobilienfirma

Die Hausbesetzer sehen die Firma aber in einem anderen Licht: „Wohnwert hat den Menschen in dem Haus Im Moore 6 sofort deutlich gemacht, was Sache ist“, heißt es auf einem Flugblatt der Kampagne „Nordstadt bleibt“. „Die Bewohner sollten möglichst schnell verschwinden, damit die Wohnungen ,aufgewertet' werden können, um sie für den maximalen Gewinn zu verkaufen.“ Dafür seien die Bewohner unter Druck gesetzt worden, damit sie möglichst schnell aus ihren Wohnungen ausziehen. Nach Informationen von Nachbarn wohnt derzeit nur noch eine alte Mieterin mit ihren Kindern in dem Haus.

jki/mic

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