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Nord Aufarbeitung von Steinwürfen in Hannover geht weiter
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Aufarbeitung von Steinwürfen in Hannover geht weiter
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13:55 02.06.2011
Von Kristian Teetz
Lara Nikolic (l.) und Lara Jakipow (r.) stellen den interkulturellen Kalender der Herschelschule vor. Quelle: Link
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Fast ein Jahr ist es her, dass eine jüdische Tanzgruppe bei einem Stadtteilfest in Sahlkamp mit Steinen beworfen wurde. Seitdem hat es mehrere Projekte im multikulturellen Stadtteil gegeben, um die gegenseitige Akzeptanz unter den verschiedenen Bevölkerungs- und Religionsgruppen zu verbessern. So hat am 18. und 19. März ein Workshop stattgefunden. Nach Angaben von Beobachtern haben sich aus dem Kreis von rund 80 Teilnehmern sechs Arbeitsgruppen gebildet. Das Grundthema, das hinter diesem Engagement steht, lautet: „Respekt und Würde“.

In einer dieser sechs Arbeitsgruppen etwa sollen Ideen entwickelt werden, wie die Zusammenarbeit mit den Eltern verbessert werden kann. Was in Kitas und Schulen an sozialer Kompetenz vermittelt werde, müsse in den Elternhäusern aufgenommen und weitergeführt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass all die guten Initiativen ins Leere laufen. Doch häufig seien die Kinder zu Hause auf sich allein gestellt. Die Mitarbeit der Eltern im gesamten Stadtteil lasse zu wünschen übrig, sagte ein Teilnehmer des Workshops. Diese müsse intensiviert werden.

Mit der Veranstaltung „Worte statt Steine – ein Jahr danach. Miteinander ins Gespräch kommen“ wollte der Integrationsbeirat Bothfeld-Vahrenheide nun die Frage klären, inwiefern Religionen das friedliche Zusammenleben im Sahlkamp stärken können.

„Religionen wollen die Menschen zum Frieden führen. Je mehr wir uns von der Religion entfernen, desto mehr Probleme gibt es“, war die Antwort von Hilal Al-Fahad auf diese Frage. Als Vertreter der Initative Islamische Familien Hannover war er einer von drei Podiumsgästen, die mit den mehr als 60 Teilnehmern der Veranstaltung ins Gespräch kamen.

Den friedlichen Charakter der Religion betonten auch die beiden anderen Referenten. „Der Glaube lebt von der Begegnung mit dem Fremden“, sagte Pastor Jens Petersen von der evangelisch-lutherischen Epiphaniasgemeinde im Sahlkamp. Die Christen sieht er in der Pflicht, auf andere Religionen zuzugehen. Alla Volodarska von der Liberalen Jüdischen Gemeinde hob die besondere Bedeutung der Toleranz hervor. Das Verständnis für andere Religionen könne am besten durch Begegnung vermittelt werden: „Für Kinder, die einmal unsere Synagoge besucht haben, lege ich die Hand ins Feuer: Die werfen keine Steine auf andere“, war sich Volodarska sicher.

Neben den Referenten kamen auch Bürger aus dem Sahlkamp zu Wort. Darüber hinaus stellte Lehrerin Lara Nikolic von der Herschelschule in Vahrenheide den zwei Meter großen Interreligiösen Kalender ihrer Schule vor, der ansonsten in der Eingangshalle des Gymnasiums steht. Der Kalender informiert die Schüler über die für den laufenden Monat aktuellen Feste der unterschiedlichen Weltreligionen. „Es ist manchmal schwer, Toleranz zu zeigen, wenn man gar nichts über den anderen weiß“, erläuterte Schülerin Lara Jakipow den Nutzen des Kalenders.

Wie jeder einzelne gegen Intoleranz einschreiten kann, erklärte Tatiana Ilchenko. Sie gehörte im Juni 2010 zu den jüdischen Tänzern, die mit Steinen beworfen wurden. Ilchenko hob als Vorbild Hajo Arnds vom Stadtteiltreff Sahlkamp hervor. Als die Steine auf die Tanzgruppe niederprasselten, habe er sich als einziger schützend vor die Tänzer gestellt. „Wenn sich mehr Menschen wie Hajo verhalten, wird so etwas nie wieder passieren“, lautete Ilchenkos Aufruf zu mehr Zivilcourage.

Am Ende wertete Moderator und Integrationsbeirats-Vorsitzender Harry Grunenberg die Veranstaltung als Erfolg. „Wir haben gesehen, dass es eine ganze Reihe von Parallelen zwischen den Religionen gibt. Das macht mich für die Zukunft sehr zuversichtlich“, sagte Grunenberg und kündigte an, dass der Integrationsbeirat künftig jedes Jahr eine Veranstaltung dieser Art organisieren wolle. Beschlossen wurde der zweistündige Gesprächsabend schließlich mit dem gemeinsamen Singen eines jiddischen Volksliedes, das eine Teilnehmerin spontan anstimmte.

Aber mit diesem Lied und dieser Veranstaltung ist die Aufarbeitung der Steinwürfe aus dem vergangenen Jahr noch lange nicht erledigt. Geschätzte drei bis vier Jahre werden weitere Projekte, Gesprächsrunden und Informationsveranstaltungen mit Schulen, Vereinen und den lokalen Institutionen versuchen, Respekt und Würde zu vermitteln.

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