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Das Wunder von Herrenhausen

Kleines Fest im Großen Garten Das Wunder von Herrenhausen

Das Kleine Fest im Großen Garten in Herrenhausen trotzt dem Wetter. Jede Vorstellung wird begeistert aufgenommen, und bisher wurde auch keine Veranstaltung abgesagt.

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Bläst dem Wetter den Marsch: Nicht nur die bunten Feenwesen sind in Sachen Witterung beim Kleinen Fest hart im Nehmen – sondern auch das Publikum.

Quelle: Tobias Kleinschmidt

Hannover. Harald Böhlmann hat ein gutes Gedächtnis. Im Schnelldurchlauf lässt der Macher des Kleinen Festes die vergangenen 26 Jahre Revue passieren – und kommt zu dem Ergebnis: „So geballt schlecht wie in diesem Jahr war es noch nie.“ Damit meint er natürlich nicht die Darbietungen der 110 Künstler aus 15 Nationen, sondern das Wetter. Seit dem 13. Juli läuft das beliebte Kleinkunstfestival im Großen Garten, und an nur einem der bisher elf offiziellen Veranstaltungstage musste sich das Organisationsteam keine Sorgen um die Witterung machen. Ansonsten gab es angesichts der Prognosen der Meteorologen jedes Mal ein Hoffen und Bangen. Auch für Mittwoch waren Gewitter angekündigt. Dass gleichwohl bis dato keiner der Festabende abgebrochen werden musste, ist für Böhlmann „ein kleines Wunder“. Und er hofft, dass das bis zum letzten Spieltag am Sonntag so bleibt.

Dass Veranstalter, Künstler und Publikum vom Regen verschont geblieben wären, lässt sich keineswegs behaupten. Schon die Premiere stand auf der Kippe, weil es immer wieder nassen Nachschub von oben gab. Doch regelrechte Wolkenbrüche waren auch an den folgenden feuchten Abenden nicht darunter. „Wenn es rund um Hannover kräftig schüttete, hatten wir feinen Nieselregen“, sagt Böhlmann – und sieht darin einmal mehr seine meteorologische Theorie vom „Mikroklima in Herrenhausen“ bestätigt.

Ganz praktisch gingen alle Beteiligten mit den Unbilden des Wetters um. Mit viel gutem Willen, Wischmopps und Eimern gelang es ihnen, die Bühnen spielbereit zu halten. Nur an zwei Tagen musste die eine oder andere Truppe einen ihrer Auftritte absagen – bei den Tänzerinnen von La Guardia Flamenca bestand ebenso akute Ausrutschgefahr wie bei den Australiern Price & McCoy mit ihren waghalsigen Sprüngen.

Unterm Strich zieht Böhlmann, der Statistiken liebt, folgende Bilanz: Weil jedes der 33 Ensembles über den Abend verteilt bis zu viermal auf die Bühne kommt, kann das Publikum an jedem Veranstaltungstag 98 Auftritte (ohne Walk Acts) erleben. Von diesen fielen an den beiden besonders problematischen Tagen einmal sechs und einmal acht Auftritte der Witterung zum Opfer. „Das sind nicht mal zehn Prozent.“ Die Zuschauer konnte das ohnedies nicht erschüttern. Vom Wetter lassen sich echte Fest-Fans keinen Strich durch die Rechnung machen. „Das ist phänomenal“, findet Böhlmann. „Manche haben sogar auf dem regennassen Rasen unter Schirmen gepicknickt.“

Auch die Künstler bewiesen in der zum Teil herbstlichen Kälte Durchhaltevermögen. Trotz Windböen der Stärke 7 bis 8 turnten die Akrobaten vom Bencha Theater am vergangenen Freitag in acht Metern Höhe mutig an ihren Tüchern und Ringen. An jenem Abend zeigte das Thermometer 13 Grad. „Da habe ich mir zum ersten Mal in 26 Jahren einen dicken Pullover über meine Weste gezogen“, sagt Böhlmann. Das will etwas heißen. Schließlich gehört die bunte, von einer Künstlerin verzierte Weste während des Kleinen Festes ebenso zu seinem unverwechselbaren Erscheinungsbild wie der schwarze Zylinder.

40 Jahre gehörte auch der Vollbart zu Böhlmann. Den hat er jedoch im vergangenen Jahr geopfert – wegen einer Wetter-Wette. Weil 2010 so oft die Sonne schien, war er ein Wagnis eingegangen: Sollte keine der Veranstaltungen wegen Regens abgesagt werden müssen, sei der Bart ab. Zwar klappte das nicht, doch die Künstler wollten Böhlmann trotzdem bartlos sehen. Gewettet hat er dieses Jahr noch nicht. Dabei stehen die Chancen trotz der Wettermisere gut, dass „zum ersten Mal in diesem Jahrtausend“ alle Veranstaltungstage durchgezogen werden können – was wirklich ein kleines Wunder wäre.

Das Kleine Fest läuft bis zum 31. Juli. Für jede der Veranstaltungen gibt es noch 200 Karten an der Abendkasse. Beginn ist um 18.30 Uhr, Einlass eine Stunde zuvor. Das Wettertelefon ist unter (05 11) 16 84 41 11 erreichbar.

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