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Vahrenwald / List

Der Marsch durch die Institutionen


Volles Programm: Oberbürgermeister Stphan Weil besucht den Stadtbezirk Vahrenwald-List.
Friedliches Nebeneinander

Friedliches Nebeneinander: Oberbürgermeister Stephan Weil, Annett Abdal-Rahman, Mohamad Kobbani und Imam Machmud Jlek von der Hofmoschee.

© Dillenberg

„Ich will wissen, wovon ich rede, wenn ich den Mund aufmache,“ sagt Oberbürgermeister Stephan Weil. Aus diesem Grund besucht er in diesem Jahr alle Stadtbezirke. Am vergangenen Freitag hat sich Weil knapp ein Dutzend sozialer und wirtschaftlicher Einrichtungen sowie eine Schule im Stadtbezirk Vahrenwald-List angeschaut.

Den Auftakt bildete der Besuch der neu eröffneten Integrierten Gesamtschule (IGS) im Büssingweg. 130 Schüler werden in fünf fünften Klassen im Gebäude der Karl-Jatho-Hauptschule unterrichtet. Eingegliedert in die neue Schulform ist neben der Hauptschule auch die anliegende Geschwister-Scholl-Realschule. „Es fehlt uns allerdings noch die gymnasiale Oberstufe“, sagte Schulleiter Eberhard Dolezal dem Stadtoberhaupt bei der Besichtigung des Schulgeländes. Bis dahin kooperiert die IGS mit anderen Integrierten Gesamtschulen, die bereits über eine Sekundarstufe II verfügen.

Dolezal bemängelte außerdem, dass die Karl-Jatho-Schule und somit auch die IGS von der Geschwister-Scholl-Realschule durch einen öffentlichen Weg voneinander getrennt sind. „Ein einheitliches Schulgelände wäre ideal, auch um den Zutritt unbefugter Personen zu verhindern“, fordert der Schulleiter. Alkohol und Drogen könnten sonst zu leicht in den Besitz der Schüler gelangen, befürchtet er. In der kommenden Sitzung des Bezirksrates Vahrenwald-List werde er das Problem thematisieren, versprach der SPD-Fraktionschef Bruno Gill, der den Oberbürgermeister begleitete.

Bei den Schülern kommt die neue Schulform offenbar gut an: So berichteten die Kinder begeistert über viel weniger Hausaufgaben, die während der sogenannten Arbeitsstunden gleich vor Ort erledigt werden können. Einzige Kritik der Jungen und Mädchen: Es stehen noch keine Spielgeräte auf dem Schulhof. Das soll sich aber im kommenden Frühjahr ändern.

Eine kleine Stärkung gönnte sich Weil in der Begegnungsstätte Heinrich-Köhler-Hof. Die Nachbarschaftshilfe des Spar- und Bauvereins „Nachbarn für Nachbarn“ hatte zum Frühstück eingeladen. „Wir versuchen, älteren und alleinstehenden Mietern helfend zur Seite zu stehen und sie aus ihrer Isolation zu lösen“, stellte Projektleiter Hans Werner Blickwede die Initiative vor. In diesem Jahr haben die Ehrenamtlichen für ihre Arbeit den Bürgerpreis erhalten. Weil würdigte den Verein mit einem kurzen Rückblick auf die Zeit, als er noch anwaltlich tätig war. „Meine ersten Mandate waren vom Spar- und Bauverein, der immer fair mit seinen Mietern umgegangen ist. Meine Erinnerungen sind daher nur gute“. Im Gespräch mit den Senioren bestätigte sich seine Einschätzung. Die 75-jährige Anni Klotz beispielsweise fühlt sich gut aufgehoben. „Beim monatlichen Frühstück bin ich immer mit dabei“, sagt sie.

Ein umfassendes Gespräch zum Thema „Muslime in Hannover“ führte Weil anschließend mit Repräsentanten der Hofmoschee in der Grabbestraße. Der Bürgermeister betonte die Notwendigkeit einer frühzeitigen Integration muslimischer Kinder in das Bildungssystem. Prediger und Eltern bat er dabei um Unterstützung. Gerade sprachliche Barrieren müssten abgebaut werden, denn „es geht um die Zukunft der Stadt“, appellierte er. Ohne eine erfolgreiche Integration gebe es keine Chancengleichheit für die Kinder. „Ein friedliches Nebeneinander klappt zwar schon ganz gut, aber das Miteinander soll besser werden“. Die Muslime aus der Hofmoschee sehen das genauso, wie ihr Sprecher Mohamad Kobbani versicherte.

Nächste Station: „Das Rote Sofa“. Bei der Bürgerfragestunde auf der Lister Meile wurde über Kita-Plätzen und Kinderarmut, aber auch über die Verkehrs- und Parkplatzproblematik in der List diskutiert. „Im Vergleich zu anderen Großstädten ist der Verkehr bei uns entspannt“, meinte Weil. Nur 42 Prozent der Verkehrsteilnehmer führen in Hannover mit dem Auto, viele nutzten die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Zahl der Radfahrer werde sich zudem in den nächsten Jahren verdoppeln, prognostizierte er. Der OB räumte ein, dass es in der List erhebliche Parkplatznöte gebe. Er schlug den Anwohnern vor, die Stadtteil-Garagen zu nutzen, die nicht ausgelastet seien.

Im geselligen Kreis der „Lister Lieblinge“ konnte Weil seine Idealvorstellung von Solidarität und Gemeinschaftssinn am praktischen Modell erleben. Nach eigenem Verständnis zeichnet sich der Verband der unabhängigen Einzelhandelsgeschäfte rund um die Lister Meile durch eine Zusammenarbeit frei von Konkurrenzdenken aus. „Wenn ich etwas nicht habe, schicke ich die Kunden zu einem anderen unserer Verbandsmitglieder“, sagte Janin Pröpper. Sie ist die Ideengeberin der aus 27 Geschäften bestehenden Interessenvertretung. Die „Lister Lieblinge“ haben sich regionale Stärkung, Qualitätsarbeit sowie persönliche Kundenbetreuung auf ihre Fahnen geschrieben. „Indem wir diejenigen zusammenzubringen, die etwas Besonderes machen, wollen wir ein Kontrast zu den Einzelhandelsketten bieten“, erklärte Pröpper weiter. Weil zeigte sich beeindruckt. „Ich kenne keinen Verband, der so einen Qualitätsanspruch hat wie die Lieblinge“, meinte er anerkennend.

„2005 war ich das letzte Mal hier. Was hat sich seitdem getan?“, erkundigte sich Weil schließlich bei seiner Visite der Einrichtung „Die Wellenbrecher“. Das Kinderbetreuungsprojekt der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Gorch-Fock-Straße bietet Freizeitbetreuung für Kinder ab sechs Jahren. „Wir haben unseren Mittagstisch ausgebaut, derzeit essen 40 Kinder hier“, berichtete Nathalie Ennen, kommissarische Leiterin der Institution. Nachmittags findet im Mieterzentrum die Hausaufgabenbetreuung statt. Im ersten Stock können die Kinder auf etwa 80 Quadratmetern anschließend basteln, am Computer surfen oder Playstation spielen. Unterstützt wird die Initiative von Praktikanten, Zivildienstleistenden und Freiwilligen. „Ein Raum mehr wäre toll“, wünscht sich Ennen.

Viktoria Hübner

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