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Nord Schulstart in schwierigen Zeiten
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Schulstart in schwierigen Zeiten
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12:19 25.11.2013
Die Schulklasse macht Anfang der fünfziger Jahre auf einer Fahrt in die Rhön Zwischenstopp in Kassel-Wilhelmshöhe – ganz links ist der Klassenlehrer Bruno Heinemann zu sehen. Quelle: Archiv
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Nordstadt

Der Schulanfang war alles andere als feierlich. Noch herrschte Krieg, zu essen gab es kaum das Allernötigste, und längst nicht alle hatten zu diesem Anlass eine mager befüllte Schultüte. Eine ganze Schar kleiner Mädchen kam im Frühjahr 1945 im Gebäude der Mädchenberufsschule an der Lutherkirche unter. Ab der zweiten Klasse fanden sie ihre Bleibe in dem großen Schulhaus an der Ecke Haltenhoffstraße / Auf dem Loh. 30 Damen im gesetzteren Alter - alle aus der ehemaligen 8 b - feierten nun das 60-jährige Jubiläum ihrer Schulentlassung im Jahre 1953.

Mitten zwischen den Herden und Töpfen der „Pudding-Akademie“ hatten sie einst das Abc gelernt. „Der Tornister war der, den man vorher schon im Bunker mithatte, und die Fenster waren mit Brettern vernagelt“, erinnert sich Hedi Gummelt, geborene Kreitschy, an das erste Schuljahr. 1946 räumte das britische Militär das Schulgebäude an der Haltenhoffstraße. Aus der ehemaligen Bürgerschule wurde damals die Knabenvolksschule und die Mädchenschule Nordstadt. Mehr als die Hälfte aller Schulen im Stadtgebiet war zerstört. Schichtunterricht und 50 Kinder in einer Klasse gehörten damit zur Tagesordnung.

In den Pausen galt es aufzupassen: Mitten auf dem Schulhof stand ein Baum, und der war die unsichtbare Grenze zwischen der „Jungensschule“ an der Haltenhoffstraße und dem Trakt für die Mädchen auf dem Loh. „Als wir älter waren, flogen schon mal heimlich Zettel hin und her“, verrät Marie-Luise Köhler, früher Klusmann. Der Unterricht hingegen verlief streng separat.

Die Schülerinnen freuten sich, wenn sie einen der jüngeren Lehrer bekamen, die ihre Ausbildung gerade hinter sich hatten. Frischen Wind brachte zum Beispiel Hans-Hermann Lauckert in den Unterricht. Als neue Methode führte er den Schulfunk ein, und danach durften die Mädchen über die Sendungen diskutieren. Auch Englisch wurde in der Mädchenschule angeboten. Vokabeln und das „Th“ brachte das Fräulein Jutta Hilgner etlichen Schülerinnen bei. „An dem Kursus durfte nur teilnehmen, wer in Deutsch eine Zwei hatte“, erklärt Hannelore Ritzer, geborene Peters.

Klassenlehrer aber war Bruno Heinemann, ein Kriegsversehrter, der einen Gehstock brauchte und im Winter einen geänderten Militärmantel trug. Großen Wert legte er auf ordentliches Benehmen, und auch sonst achtete er auf Disziplin. In Mathe ließ er stundenlang den Dreisatz üben, bis der bei allen saß. Wenig beliebt waren auch die Niederschriften, eine Hausarbeit, für die sich seine Schülerinnen jeden Tag mit einem anderen Thema befassen mussten.

Doch Heinemann sorgte auch dafür, dass die Klasse an einem Wettbewerb der Bahn teilnahm. Brettspiele aus Holz und ähnliche Dinge fertigten die Mädchen dafür an und schulten sich dabei im Werken. Mehrfach gewannen sie mit ihren Arbeiten eine einwöchige Klassenreise, die sie unter anderem in die Rhön und ins Sauerland führte. Damals bedeuteten solche Ziele noch die weite Ferne. „Vor dem Bahnhof, direkt beim Ernst August, mussten wir vor der Abfahrt immer noch ein Liedchen schmettern“, erzählt Hildegard Gieseke, geborene Delloch, die das Klassentreffen organisierte.

Als die 8 b im März 1953 aus der Schule entlassen wurde, gab es dazu keine Feier. Die Mädchen suchten sich ihren Weg im Beruf, wurden Verkäuferin, Friseurin, Büroangestellte und später Ehefrau und Mutter. In einem Hotel in der Innenstadt haben sie das Wiedersehen zum 60-jährigen Schuljubiläum genossen. Die Reste des Büffets ließen sich manche einpacken. „Wir sind noch eine Generation, die weiß, was Hunger ist“, sagen sie.

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