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Vahrenheide

Erstes Ganztagsgymnasium in Hannover begeht 50-jähriges Bestehen

Von Bärbel Hilbig

Die Herschels feiern wieder: Die Herschelschule in Vahrenheide feiert als erste Ganztagschule der Stadt ihr 50-jähriges Bestehen. Viele Kinder aus Einwandererfamilien gehen auf das Gymnasium - um ihren schlechten Startvoraussetzungen entgegenzuwirken, bietet die Schule Deutschförderung an.
Viel Programm für das Jubiläum: Die Neuntklässler Vildan, Michelle, Kevin und Leonid (v. l.) haben Spaß mit ihrem Orchester.

Viel Programm für das Jubiläum: Die Neuntklässler Vildan, Michelle, Kevin und Leonid (v. l.) haben Spaß mit ihrem Orchester.

© Rainer Surrey

Einen großen Wunsch hegt Schulleiter Klaus-Dieter Bloch, auch wenn dies jetzt kurzfristig zum 50-jährigen Bestehen der Herschelschule noch nicht Wirklichkeit werden kann. „Wir wollen verbindliche Ganztagsschule werden, damit wir Konzentration und Entspannung sinnvoll über den Tag verteilen können.“ Immerhin führte die Herschelschule in Vahrenheide als stadtweit erstes Gymnasium den Ganztagsunterricht schon 1993 ein. Und an der neuen Mensa mit Freizeitbereich, die einen maroden Pavillon ersetzt, wird dank des Konjunkturprogramms des Bundes kräftig gebaut.

Bekannt ist das ausgeprägte musische Angebot der Schule mit Bläserklassen, Musikzweig und Theatergruppen. „Mittwochs am Arbeitsgruppen-Tag trötet es in allen Räumen“, sagt Bloch. Doch ganz in der Tradition der namensgebenden Geschwister Caroline und Wilhelm Herschel, die als Astronomen Weltruhm erlangten, setzt das Gymnasium auch stark auf Naturwissenschaften. Begabte Schüler schickt der Ehemaligenverein jedes Jahr in den Osterferien per Stipendium eine Woche in das Schülerlabor X-LAB in Göttingen. Regelmäßig nehmen Schüler an „Jugend forscht“ teil. Und die ersten interaktiven Smartboards statt Kreidetafel konnte das Gymnasium schon anschaffen, bevor die Stadt über das Konjunkturprogramm alle Schulen jetzt mit einem Grundstock ausrüstete. „Wir entscheiden dieses Jahr, ob wir auch Laptopklassen einführen“, sagt Schulleiter Bloch.

Viele der rund 800 Schüler der Herschelschule leben in Vahrenheide, Bothfeld, Sahlkamp und Vahrenwald. Der Anteil von Kindern aus Einwandererfamilien ist hoch. „Sie sind alle hier geboren. Aber sie haben oft schlechtere Startvoraussetzungen, weil Deutsch nicht ihre Muttersprache ist“, sagt Bloch. Für die Fünft- und Sechstklässler bietet die Schule deshalb Deutschförderung. „Auch die Ganztagsangebote sollen unsere Schüler sprachlich unterstützen“, sagt Bloch.

Die Lehrer haben außerdem ein besonderes Konzept für Vertretungsstunden entwickelt: Wenn ein Lehrer ausfällt, lässt sein Kollege die Schüler an ihren sprachliche Fähigkeiten arbeiten. Sie müssen eine bestimmte Anzahl Bücher lesen und dabei neue Begriffe wie Vokabeln lernen. „Die Schüler sind begeistert dabei, weil sie ihren eigenen Arbeitsplan verfolgen, und die Sprachkompetenz verbessert sich sichtlich“, erläutert Lehrerin Nina Reinecke.

„Uns ist besonders wichtig, dass Schüler, Eltern und Lehrer sich mit der Schule identifizieren“, sagt Bloch. Die Schulinspektion hat jetzt bestätigt, dass das offenbar gelingt: Die Prüfer bescheinigen dem Gymnasium, dass Eltern und Schüler sich stark in der Schule engagieren. Eltern bieten zum Beispiel täglich ehrenamtlich in einem Café selbst geschmierte Brötchen an. Die Inspektoren lobten auch das pädagogische Klima an dem Gymnasium als vorbildlich, das bereits seit Langem als „Schule ohne Rassismus“ aktiv ist. Aus Elternsicht wird es auch immer wichtiger, dass die Schule nachmittags eine Betreuung bis 16 Uhr anbietet, auch an Tagen ohne Ganztag.

Vom reichen Theaterleben der Schule profitierte als Schüler schon Kabarettist Matthias Brodowy. Seine erste Bühnenerfahrung sammelte Brodowy als Theaterleiche: In einen alten Teppich gerollt musste er trotz Stauballergie eine Stunde still verharren. Der ehemalige Schüler Heinrich Aller fing später sogar als Lehrer an seiner alten Schule an – und handelte sich einen Tadel des Rektors ein, weil der SPD-Politiker sich von seinen Schülern duzen ließ.
Brodowy zeigte seine Verbundenheit mit seiner alten Schule, als er bereits im Juni mit Schülern zum Jubiläum die Revue „Zeitflight“ aufführte. Auch Schulfest und Jubiläumsball sind bereits begangen. Im Oktober wird der ehemalige Herschelschüler und Attac-Mitbegründer Sven Giegold Schülern von seiner Arbeit als Abgeordneter der Grünen im Europaparlament berichten.

Als Höhepunkt ihres Jubiläumsjahres feiert die Herschelschule Freitag ab 16 Uhr einen großen Festakt. Es versteht sich von selbst, dass dann Theater, Chöre und Orchester ihren großen Einsatz haben werden.

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