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Nord Forschen in neuen Häusern
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Forschen in neuen Häusern
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02:17 23.08.2014
Von Bärbel Hilbig
Forschen in neuen Räumen: Die Leibniz Uni baut neue Labore. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

Nordstadt. Auf engem Raum betreibt die Leibniz Universität aktuell gleich eine ganze Reihe von Baustellen in der Nordstadt. Ein spektakuläres Neubauprojekt steht kurz vor dem Abschluss: Das Biomolekulare Wirkstoffzentrum (BMWZ) am Schneiderberg soll am 11. September offiziell an die Forscher übergeben werden, die dort Naturstoffe aus Pflanzen und anderen Organismen gegen Krankheiten nutzbar machen wollen.

Angesichts des Zeitplans scheinen jetzt besonders viele Arbeiter verschiedener Gewerke, Planer und Einrichter um das moderne Forschungsgebäude herumzuwuseln. Die äußere Gestaltung des Baus, dessen Mauern mit winzigen Fliesen besetzt sind, ist bereits klar erkennbar. Gegeneinander versetzte große Fenster lockern die Fassade auf und gewähren Passanten einen flüchtigen Einblick in die Labore. Das Gebäude liegt nach hinten versetzt, sodass an der Straße Platz für eine Birkenallee blieb. Weiß blühende Hortensien wie am benachbarten Laboratorium für Nano- und Quantenengineering runden das Bild ab.

Im Inneren des Neubaus werden 90 Chemiker, Biologen und Biochemiker in 13 Arbeitsgruppen fächerübergreifend neue Medikamente auf der Basis von Naturstoffen wie Argyrin entwickeln, die eines Tages gegen Krebs und Infektionskrankheiten helfen könnten. Im BMWZ arbeiten Wissenschaftler von Leibniz Uni, Medizinischer und Tierärztlicher Hochschule sowie dem Helmholtzzentrum für Infektionsforschung zusammen. Land und Bund teilen sich die Bau- und Ausstattungskosten von rund 21,5 Millionen Euro für die innovative Forschungseinrichtung.

Die noch zarte Birkenallee vor dem BMWZ könnte später nach Norden verlängert werden, um an die Grünanlage vor dem Physikgebäude und dem Laboratorium für Informationstechnologie am Schneiderberg anzuschließen. Als Ralph Haas, Leiter des Sachgebiets Bau der Leibniz Uni, dies kürzlich im Bezirksrat Nord vorstellte, erkundigte sich Robert Nicholls (SPD) nach der Zukunft des dazwischen liegenden Uni-Parkplatzes. „Die Fläche wird abends stark von Bewohnern des Viertels genutzt. Falls sie bebaut wird, würde das zu einer dramatischen Situation führen“, befürchtet Nicholls.

Ausgeschlossen ist ein weiterer Neubau an der Stelle für die Zukunft nicht, aktuell gebe es dazu aber keine Pläne, sagt Haas. „Wir bewirtschaften den Parkplatz bewusst nicht. Das ist eine Art Geschenk an die Nachbarn in der Nordstadt“, sagt der Sachgebietsleiter Bau.

Fallturm: Bisher kündigt nur eine ausgedehnte Baugrube das neue Projekt an. Mit dem „Hannover Institut für Technologie“ (HiTec) entsteht an der Callinstraße bis Ende 2016 eine ebenfalls außergewöhnliche Forschungseinrichtung. Kernstück wird ein 40 Meter hoher Turm für Experimente in Schwerelosigkeit, von dessen Gesamtlänge zehn Meter in der Erde versenkt sein werden. Im Kellerbereich wird der Fallturm mit dem geplanten davorliegenden Neubau verbunden sein. Im Inneren soll eine Art Fahrstuhl ein Versuchsobjekt in die Höhe schießen und dann den freien Fall einleiten.

Insgesamt werden rund 100 bis 120 Physiker, Geodäten (Erdvermesser) und andere Ingenieure im HiTec interdisziplinär Grundlagenforschung, angewandte Forschung und Technologieentwicklung verbinden. Das Hauptziel ist die Entwicklung hochpräziser Messtechnologien zum Beispiel für Navigation oder für Erdbeobachtungssatelliten, um geologische Phänomene wie die Entwicklung der polaren Eismassen oder das Entstehen von Erdbeben genauer abschätzen zu können. Bund und Land finanzieren das HiTec mit 33,5 Millionen Euro.

Chemie: Auch die Sanierung der Chemiegebäude am Schneiderberg geht weiter. Die Überarbeitung der Gebäude für Anorganische Chemie inklusive Hörsaal ist bis auf Restarbeiten zwar abgeschlossen. Container und Bauzaun, die auf Höhe der Fußgängerbrücke zur Mensa den Zugang zum Welfengarten einengen, bleiben jedoch stehen. Denn jetzt kommt die Physikalische Chemie an die Reihe, die im Innenhof des gesamten Gebäudeareals liegt. Die Sanierung dieses Bereichs läuft seit Juli und soll voraussichtlich bis Mitte 2015 dauern.

Geodäten: Am repräsentativen historischen Backsteingebäude an der Nienburger Straße/Ecke Schneiderberg ist die Umhüllung bereits seit einiger Zeit verschwunden. Die kunstvoll gegliederte Fassade aus der Zeit des Backstein­expressionismus ist an vielen Stellen saniert worden. Die Uni hatte die senkrechten Ornamentbänder sichern müssen, damit keine Steine herausfallen können. „Auch früher hat man leider schon am Bau gepfuscht. Einige Teile hatten keine solide Verbindung mit dem hinteren Mauerwerk“, sagt Uni-Bausachgebietsleiter Haas. Manche Fugen hielten auch nicht mehr dicht, sodass Schlagregen eindringen konnte. Trotz der Fortschritte ist die Sanierung jedoch nicht abgeschlossen. Aktuell wird die Fassade im Kellerbereich gegen Feuchtigkeit gesperrt. Die Arbeiten werden aus dem Budget der laufende Bauunterhaltung finanziert und ziehen sich auch deshalb hin.

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