Vahrenheide. Die drei älteren Damen blicken mit sichtlichem Respekt auf die blaue Röhre, die in steilem Winkel zum Hallenboden führt. Noch handelt es sich nur um ein Miniatur-Modell, und es gleiten lediglich einige Lego-Figuren hinab. Doch schon bald sollen die drei Damen und andere Senioren aus Vahrenheide die Rutschpartie von einem mehrere Meter hohen Podest wagen. In einer der beiden Sporthallen der Fridtjof-Nansen-Schule entsteht ein Bewegungsparcours für ältere Stadtteilbewohner. Und bereits ein Blick auf das Modell zeigt, dass das Projekt die Senioren vor so manche körperliche Herausforderung stellen wird.
Hermann Städtler, der Leiter der Grundschule an der Leipziger Straße, und die Schulsozialarbeiterin Patricia Rudomski haben das Projekt mit dem Namen „Menschen bewegen in Vahrenheide (MeBiV)“ initiiert. Sie wollen die Fridtjof-Nansen-Schule stärker in den Stadtteil einbinden und Seniorensportgruppen aus Vereinen oder Initiativen am späten Nachmittag und am Abend freien Zugang zu dem Parcours gewähren. Dazu soll die Halle teilweise umgebaut und mit speziellen Geräten bestückt werden. In einer Ecke ist eine fest installierte Zwischenebene geplant, die durch eine Kletterwand erklommen und durch die Rutsche wieder verlassen wird. Oben warten Tischtennisplatten und ein Kickertisch. Der Rest der Halle soll mit einem Balanceparcours und einer Schaukel für drei Personen ausgestattet werden. Damit dort auch weiterhin Schulsport stattfinden kann, sind alle Einrichtungen außer dem Podest als mobile Elemente vorgesehen.
Die für den Seniorensport eher ungewöhnlichen Angebote wie Kletterwand oder Riesenrutsche sollen die Teilnehmer vor neue Herausforderungen stellen, damit sie sich an ihre körperlichen Grenzen herantasten können, erklärt Schulleiter Städtler: „Ältere Menschen werden in unserer Gesellschaft systematisch in der Passivität gehalten.“ Viel zu oft werde versucht, ihnen jedes Hindernisse aus dem Weg zu räumen. „Doch wer Menschen unterfordert, der braucht sich nicht zu wundern, wenn ihre Leistungsfähigkeit abnimmt“, meint der Pädagoge.
Der SV Borussia habe bereits Interesse an einer Nutzung der Halle durch seine Seniorengruppen angekündigt, berichtet Städtler. Weitere Vereine und Gruppen sollen bald mit ins Boot geholt werden. Zustimmung zu ihrem Projektgedanken erhalten Städtler und Rudomski aber vor allem von Inge Holzhausen, Ruth Jahn und Burgit Mund. Die drei älteren Damen setzen sich aus privater Initiative für den Seniorensport in Vahrenheide ein. Sie waren bereits an der Planung des Freiluft-Fitnessparcours am Emmy-Lanzke-Weg beteiligt, nun begleiten sie die Vorbereitungen des Projekts MeBiV. „Unser Ausgangsgedanke war es, eine Muckibude für Senioren nach Vahrenheide zu holen“, berichtet Inge Holzhausen. Dass nun sogar eine Art Abenteuerlandschaft für Senioren entstehe, sei sogar noch besser.
Die Gesamtkosten für den geplanten Hallenumbau und die Anschaffung der Geräte betragen rund 95 000 Euro. Der erste Zuschuss in Höhe von 5000 Euro stammt von der Sanierungskommission Vahrenheide-Ost. Derzeit hoffen die Initiatoren auf eine Anschubfinanzierung von bis zu 30 000 Euro aus den Töpfen der Region Hannover. Dort haben sie sich beim Ideenwettbewerb „Miteinander – Gemeinsam für Integration“ beworben, bei dem Projekte gefördert werden, die sich für ein besseres Miteinander von Menschen verschiedener Herkunft, Kulturen oder Generationen einsetzen. Die Entscheidung soll im Oktober fallen. Mit diesen Mitteln könnte zunächst das Podest gebaut werden, damit das Projekt anlaufen kann. Um den Rest der Kosten zu decken, sollen Sponsoren gesucht und Spenden eingeworben werden.
Michael Soboll
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