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Nord Rollstuhlbasketball-AG an IGS ist sehr beliebt
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Rollstuhlbasketball-AG an IGS ist sehr beliebt
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00:18 03.03.2018
Sparkasse Hannover fördert Rollstuhl-Basketball an der IGS Büssingweg, Vahrenwald Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson
Vahrenwald

Es quietscht. Es knarrt. Es hallt durch die Turnhalle, wenn der Basketball auf dem Boden aufprellt. Das Quietschen und Knarren wird nicht etwa durch die ausgelatschten Turnschuhe der Schüler der IGS Büssingweg verursacht, sondern durch 12 Rollstühle. Seit diesem Halbjahr bietet die Integrierte Gesamtschule in Vahrenwald eine Rollstuhlbasketball AG an. Die Teilnahme ist freiwillig. Der Andrang groß. 

Die AG läuft in Zusammenarbeit mit einem Projekt des Rollstuhlbasketball-Vereins Hannover United. Unter dem Motto „Sitzenbleiben erwünscht“ arbeiten sie mit Schülern an insgesamt acht Schulen in Hannover. An den meisten Schulen kurzweilig im Rahmen einer Rollstuhlbasketball-Projekteinheit im Sportunterricht. An zwei Schulen können die Schüler mittlerweile eine wöchentliche AG besuchen. Neben der IGS Büssingweg bietet auch die IGS List eine Rollstuhlbasketball AG an. Der Verein stellt der Schule die speziellen Sportrollstühle gegen eine Leihgebühr. Gut, dass die Idee viele finanzkräftige Unterstützer findet. Aktuell war René Büscher von der Sparkasse in der Turnhalle zu Besuch. Er hatte einen Check über 1000 Euro mitgebracht. Die Spende unterstützt die Schule bei der Anmietung der Rollstühle. 

Jeden Montag um 13.30 Uhr trainieren zwei Spielerinnen von Hannover United die enthusiastischen Schüler im Büssingweg. Trainerin der AG und Nationalspielerin Linda Dahle muss zu der Trillerpfeife greifen, die ihr auf ihrem Schoß baumelt. Sie lacht: „Die haben einfach so viel Power und hören nicht zu.“ Nach dem Pfiff rollen die Schüler in einen Kreis. Dahle und ihre Co-Trainerin Vanessa Erskine erklärt einige Regeln. Jetzt hören alle zu. Fast alle Regeln sind so wie beim gewöhnlichen Basketball – sie nennen es Fußgänger-Basketball. Die Höhe der Körbe und die Spieldauer sind gleich. Nur eine Regel ist anders: Zweimal darf man an die Räder des Rollstuhls greifen, bis man den Ball wieder dribbeln muss. 

Mit Erskine haben die Schüler sogar einen echten Star als Trainerin. 2016 gewann die US-Amerikanerin mit ihrem Team die Paralymics in Rio de Janeiro

Sport und Mathelehrerin Nathalie Bäßmann ist auf die Idee gekommen, die AG einzuführen. Im vergangenen Halbjahr hat sie in ihrer neunten Klasse eine Unterrichtseinheit Rollstuhlbasketball durchgeführt. Danach stand für die Lehrerin fest: Es muss weitergehen. „Ganz am Anfang stand vielen Schülern ins Gesicht geschrieben: Oh Gott ein Rollstuhl, oh Gott jemand mit einem Handicap. Können wir den überhaupt ansprechen?“ Doch die Hemmungen fielen schnell. „Nach kurzer Zeit hatten die Schüler schon keine Berührungsängste mehr und haben gemerkt: Ja, die im Rollstuhl sind auch nur normale Menschen.“, sagt Bäßmann. Nähe und Sensibilität im Alltag zu vermitteln, ist das Ziel der Lehrerin.

Ihr Schüler Kaleb Okai flitzt mit seinem ausgeliehenen Rollstuhl über die bunten Linien auf dem Hallenboden an den Spielfeldrand. Spielpause. Ein wenig ausgepowert erzählt der 14-Jährige: „Durch die AG ist mir klar geworden, dass auch Menschen mit Behinderung Sport machen können. Ich dachte das ist nicht möglich. Aber Rollstuhlbasketball ist lustig und macht Spaß.“ Bisher geht er viermal die Woche zum Fußball-Training. Aber würde er eines Tages nicht mehr laufen können, würde er sofort mit Rollstuhlbasketball anfangen. Außerdem sei so ein Rollstuhl auch ziemlich gemütlich, sagt er grinsend. Das findet auch der 15-Jährige Turan Kertmen. Er hat durch die AG viel Verständnis für Rollstuhlfahrer gewonnen: „Mein Onkel sitzt auch im Rollstuhl und spielt Rollstuhl-Federball. Deswegen bin ich auch in die AG gekommen. Jetzt möchte ich gerne mal mit ihm zusammen spielen.“ Die Rollstuhlbasketball-AG macht dem Schüler so viel Spaß, dass er gerne in einem Verein anfangen möchte zu spielen. Beim Rollstuhlbasketball spielen Männer und Frauen, Behinderte und Nichtbehinderte gemischt. Ein spezielles Punktesystem gleicht etwaige Benachteiligungen aus. 

Würde die Schulglocke nicht das Ende verkünden, würden die Schüler unbeirrten den ganzen Nachmittag weiterspielen. Nach einer Stunde verstummt das spezielle Quietschen und Knarren in der Turnhalle im Büssingweg. Doch nur bis nächsten Montag, wenn die Schüler wieder eilig die Rollstühle hervorholen und wieder durch die Halle der IGS rasen.

Von Sophie Richter

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