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Jugendliche zeigen Szenen zum Leben in Afrika

Theaterprojekt Jugendliche zeigen Szenen zum Leben in Afrika

In zwei Kursen haben Schüler eigenständig Stücke zum Schicksal von Afrikanern entwickelt und in der Nordstadt präsentiert. Themen der Theaterszenen sind das Leben mit Aids und die Ausgrenzung der Armen in den Elendsvierteln.

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Schüler bringen in der Nordstadt Theaterszenen zum Leben in Afrika auf die Bühne. Ein Thema ist dabei Polizeibrutalität gegen Einheimische.

Quelle: Link

Nordstadt. „Im Süden Afrikas herrschen Zustände, die an das ‚Dritte Reich’ erinnern“, beschreibt Tafi Munemo mit drastischen Worten die ethnischen Säuberungen in Afrika bei einer Gesprächsrunde in der Nordstädter Bürgerschule. Tafi besucht den Kurs „Darstellendes Spiel“ der neunten Jahrgangsstufe der IGS Garbsen; geboren wurde er im Dorf Mashwingo in der Nähe von Simbabwes Hauptstadt Harare. Zusammen mit seinen Mitschülern hat er ein Theaterstück über Afrika erarbeitet und im Rahmen des Yizo-Yizo-Festivals zum 50-jährigen Geburtstag von Amnesty International auf die Bühne gebracht. Anschließend diskutierten die Schüler mit Aktivisten aus Hannover über Menschenrechtsverletzungen in Afrika.

„Themba traut sich trotz Aids” heißt das Spiel der Garbsener Schüler. Es handelt von einem talentierten Fußballjungstar namens Themba, der sich öffentlich zu seiner Aids-Infektion bekennt und dadurch gesellschaftlich ins Abseits gerät. Die Geschichte basiert auf dem Jugendbuch „Themba“ von Lutz van Dijk.

„Aids ist immer noch ein sehr aktuelles Thema in Afrika. Ich habe selber ganz viele Verwandte und Bekannte durch Aids verloren“, schildert Tafi. Erfahrungen habe seine Familie auch mit der Staatswillkür gemacht: Sein Großvater sei von Diktator Robert Mugabe enteignet worden. Der Neuntklässler war zuletzt 1999 in Simbabwe: „In meinem Dorf ist es einfach nicht mehr sicher.“ Sein Vater besuche das Land aber noch häufiger.

Wie rücksichtslos die Regierung mancher afrikanischer Länder mit den Ärmsten ihrer Einwohner umgeht, zeigten die Schüler des Kurses „Darstellendes Spiel“ des Kurt-Schwitters-Gymnasiums (KSG) in Misburg. Die Schüler aus der zehnten Jahrgangsstufe traten ebenfalls beim Theater-Festival auf. Sie spielten ein Stück über Zwangsräumungen in den Elendsvierteln Namibias mit dem Titel „Township surprise – die unschöne Realität vor den Toren Wind- hoeks“. Die Misburger Schüler zeigten dabei verschiedene Szenen aus dem Township „Katutura“, das in der Sprache der dort lebenden Herero so viel heißt wie: „Ort, an dem man nicht leben möchte“.

Beide Theater-Kurse hatten sich zuvor mehrere Monate lang auf das Festival vorbereitet und die Stücke an den Schulen bereits aufgeführt. Unter Anleitung ihrer Klassenlehrerinnen sowie der Theaterpädagogen Swantje Nölke und Jan Weisberg von der Gesellschaft für Theaterpädagogik haben die Schüler die Darbietungen selbst erarbeitet. Dabei lernten die Jugendlichen viel über das Theaterspielen, noch mehr aber über das „wahre Afrika“, das viele so vorher nicht kannten. „Man hat schon einmal mitbekommen, dass es in Afrika Zwangsräumungen gibt. Richtig mit dem Thema habe ich mich aber erst jetzt beschäftigt“, sagt etwa Nico Mühlenbeck vom KSG. Er ist in die Rolle eines jähzornigen Polizisten geschlüpft, der auf Widerstand gegen die Zwangsräumung mit Gewalt antwortet.

Initiiert wurde das Theaterprojekt von Martina Rüthnick von der Proterra Project Cooperation aus Bemerode und Wolf Huy vom Amnesty-Arbeitskreis Menschenrechtsbildung in Hannover. Sie stellten den Schülern ihr Wissen rund um Menschenrechtsverletzungen in Afrika zur Verfügung und zeigten ihnen, wie man auch in Deutschland dagegen aktiv werden kann: Gemeinsam mit den beiden Experten verfassten die Schüler eigene „Briefe gegen das Vergessen“ für die Menschenrechtsorganisation „Women of Zimbabwe Arise“.

Christian Link

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