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Kirche feiert zehnten Geburtstag ihrer spanischen Orgel

Calenberger Neustadt Kirche feiert zehnten Geburtstag ihrer spanischen Orgel

Seit zehn Jahren ist die Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in der Calenberger Neustadt stolze Heimat einer spanischen Orgel.

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Pastorin Martina Trauschke lauscht Küster Lothar Mohn bei der Intonierung eines barocken spanischen Orgelstücks.

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Hannover. Seit zehn Jahren ist die Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in der Calenberger Neustadt stolze Heimat einer spanischen Orgel. Darum feiert die Kirchengemeinde den Jahrestag am Sonnabend, 11. Juni, mit einem Orgeljubiläum. Das Geburtstagskind ist auch für Musiklaien leicht von verwandten Instrumenten zu unterscheiden: Besonders markant sind nämlich die waagerechten Pfeifen, die „Spanischen Trompeten“. Sie ragen auf der Vorderseite der Orgel in den Raum hinein, während andere Orgeln ihre Töne nach oben abgeben.

Die markante Bauweise hat einen ganz pragmatischen Hintergrund, wie der Kantor der Neustädter Kirche, Lothar Mohn erklärt: In spanischen Kirchen stehen Orgeln nämlich in der Regel auf der Seitenempore. „Dort ist nicht viel Platz, das erklärt auch die geringe Tiefe der Orgel“, so Mohn. Als die Orgeln dann später um weitere Pfeifen erweitert werden sollten, blieb nur die Möglichkeit diese aus Platzmangel vorne anzubringen, so dass sie in den Raum hineinragen.

Stilecht steht die einzige spanische Orgel Hannovers auf der nördlichen Seitenempore direkt gegenüber dem Haupteingang. Dort gibt sie schon ein imposantes Bild ab, auch ohne einen Ton von sich zu geben. „Die Kirche ist ursprünglich ein Barockbau. Wir versuchen dieser Epoche in allen Aspekten gerecht zu werden“, sagt Pastorin Martina Trauschke.

Dazu trägt auch die Orgel aus dem Jahr 2001 bei. Denn was das Äußere betrifft, hat der belgische Orgelbauer Patrick Collon ein barockes Instrument aus dem spanischen Ort Lerma in Kastilien kopiert. Orgelrestaurator Paul-Uwe Dietzsch komplettierte die Nachbildung mit historischer Maltechnik und viel Blattgold. „Das Mutterinstrument sieht nahezu identisch aus“, bestätigt Mohn, der die Orgel auf einer Studienreise nach Kastilien besucht hat. Was das Innenleben des Instruments angeht, gibt es aber noch zwei andere Vorbilder, die in anderen kastilianischen Kirchen stehen. „Wir haben die reinrassigste spanische Orgel nördlich der Pyrenäen. So eine kompromisslose Kopie findet man sonst nirgends“, sagt Mohn daher stolz.

Besitzer der Orgel ist die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH). Denn die Kosten für das Instrument, die im sechsstelligen Bereich liegen, übersteigen die Mittel der Kirchengemeinde. Vor allem die beiden hannoverschen Musik-Professoren Ulrich Bremsteller und Werner Merten hatten sich für die Anschaffung des spanischen Instruments eingesetzt.

Dass sich diese Investition gelohnt hat, will der Professor für Orgelmusik an der HMTMH, Emmanuel Le Divellec, am kommenden Sonnabend im Rahmen des Spanischen Orgeljubiläums ab 12.30 Uhr beweisen. Dem ungeübten Zuhörer können die Töne jedoch zunächst spanisch vorkommen. „Beim Wechsel der Pfeifen-Register fangen die Menschen manchmal an zu lachen“, berichtet Trauschke. Das liege vor allem am „etwas näselnden“ Orlos-Register, das es bei deutschen Orgeln nicht gebe, erklärt Mohn und spielt zur Veranschaulichung ein Tiento des spanischen Barock-Komponisten Juan Cabanilles. „Die Stücke, die für diese Instrumente geschrieben wurden, kann man nur darauf spielen. Auf anderen Orgeln klingen sie langweilig“, so das Urteil des Kantors.

Fremde Orgelmusik könne man auf der spanischen Orgel dagegen neu entdecken. „Das ist ein ganz besonderes Musikerlebnis, weil man bekannte Stücke nochmal völlig anders hören kann“, findet Trauschke. Am Beispiel der Werke des deutsche Barock-Komponisten Johann Sebastian Bach zeigt dies die Konzertreihe „Bach um Fünf“ in der Hof- und Stadtkirche. Jeden ersten Sonntag im Monat spielen dabei ab 17 Uhr unterschiedliche Organisten aus den Werken des Komponisten. Als Nächstes wieder am 3. Juli mit dem Kammerchor Hannover und der Kantate „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“.

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