Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nord Kunst gegen Lifestyle
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Kunst gegen Lifestyle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:20 25.02.2009
Kunstparadies in den Katakomben: Marius Albrecht und Christian Riebe (v.l.) haben ein kleines Museum eingerichtet. Quelle: Karin Vera Schmidt

Ein fleckiges Stofflämpchen, wellige Fotos, rostiges Werkzeug in einer Vitrine, leere Petroleumkanister und irgendwo in der Vase eine alte Plastikglockenblume - kurz bevor die kleinen Läden in der Passerelle zwischen Raschplatz und Lister Meile endgültig eingerissen werden, haben Christian Riebe und Marius Albrecht diese Ladenzeile noch einmal zum Leben erweckt. „Local Fist“ nennen die beiden Bildenden Künstler ihre Installation, die sich über mehrere seit langem leer stehende Läden erstreckt. Bis Ende März hat die Hannover Region Grundstücksgesellschaft – Inhaberin der Passerelle – den Kunstschaffenden die Räume überlassen. Schon zweimal haben Riebe und Albrecht freitags und sonnabends von 18 bis 21 Uhr die von ihnen ausgestatteten Läden geöffnet und um 19 Uhr ein kleines Rockkonzert gegeben.

„Was ist denn hier eigentlich los?“ fragt ein Jugendlicher, der zufällig vorbeischlappt und sich wundert. „Hier gibt es Literatur, ein Kinderparadies, einen Laden, Musik und ein Anthropologiemuseum“, antwortet Riebe freundlich. „Ach ja“, sagt der junge Mann und geht lieber weiter. Christian Riebe und Marius Albrecht hatten im Jahr 2005 schon einmal im öffentlichen Raum für erheblichen Wirbel gesorgt, als sie an den ehemaligen litauischen Pavillon auf dem Expo-Gelände „Hannover muss vollständig zerstört werden“ schrieben. Jetzt haben sie sechs Wochen lang Fundsachen, Erinnerungen, Restbestände und gemalte Bilder in diese scheinbar komplett verlassene Unterwelt geschleppt und in verschiedenen Szenerien zusammengebaut. Mindestens zwei weitere Wochenenden lang wollen sie diese Arbeit zeigen.

Ein Gang in die Katakomben unter der Hamburger Allee lohnt sich, auch wenn Urin unter den Glastüren hindurch in die Kunstinstallation sickert und es dementsprechend stinkt. In den verlassenen Läden paaren sich Provokation und Wohlstandskritik mit gegenständlich gewordener Nostalgie, ohne dass eine Spur von Kitsch zu spüren wäre. Christian Riebe hat in einem der Läden die maroden Reste aus der Gartenkolonie an dem ehemaligen Contigelände in Limmer in Vitrinen drapiert. Dazu hat er Auszüge aus seiner Novelle „Aussiedler“ gelegt.

Marius Albrecht hat einen Raum mit Malerei ausgestattet. Eigentlich sind nur die gestalteten Rahmen zu sehen. Ein Bild darin sucht man vergeblich. „Bildträgerersatz mit Loch in der Mitte, das war es“, sagt er kurz. Ähnlich schroff haben die Künstler das Kinderparadies nebenan gestaltet, ein Topf, ein paar Puppen, ansonsten Leere und grelles Licht. Noch eine Tür weiter kreisen zwei Fliegen über einem Gehirn – das Anthropologiemuseum. Und dann gibt es noch einen Laden mit Restbeständen anarchistischer Literatur, Bundeswehrlazarett-Tassen aus den sechziger Jahren und anderen Zivilisationsüberbleibseln. „Kunst gegen Lifestyle“ nennt Riebe das. „Die schwierigen Orte sind die interessanten“, sagt er. Kunst an weißen Wänden für Besserverdiener gebe es schon genug.

Am Freitag, und Sonnabend, 27. und 28. Februar und 6. und 7. März sind die Künstler von 18 bis 21 Uhr wieder vor Ort. Jeweils um 19 Uhr gibt es ein halbstündiges Konzert.

von Karin Vera Schmidt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Nord Calenberger Neustadt - Lavesallee soll Überweg erhalten

Rot-Grün im Bezirksrat Mitte will die U-Bahnstation Waterloo mehr an die Calenberger Neustadt anbinden. Auf der Lavesallee in Höhe von Waterloo- und Archivstraße soll ein Fußgängerüberweg mit Ampel eingerichtet werden.

Michael Zgoll 25.02.2009

Ein Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs aha hat gestern auf dem Wertstoffhof in Bemerode eine funktionstüchtige Manöverpatrone gefunden. Offenbar hatte jemand das Geschoss auf dem Gelände am Döhrbruch illegal entsorgt.

19.02.2009

Das geplante Stadtteilzentrum „Hainhölzer Markt“ zwischen Voltmerstraße und Schulenburger Landstraße hat die nächste Hürde genommen. Die Kommission „Sanierung Soziale Stadt Hainholz“ hat in ihrer jüngsten Sitzung nahezu einmütig einer entsprechenden Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt.

Michael Zgoll 19.02.2009