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Nord Kunstwerke im Problemviertel
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Kunstwerke im Problemviertel
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10:59 24.06.2011
Von Daniel Behrendt
Viele Hände für ein Werk: Siegfried Neuenhausen (rechts vorne) und einige seiner Helfer beim Aufbau des Skulpturenpaars. Quelle: Rainer Surrey
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Hainholz

Noch wird mächtig gebaggert, gebaut und gebohrt, doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass der noch namenlose Platz an der Kreuzung von Schulenburger Landstraße und Fenskestraße ein Schmuckstück wird. Ziemlich genau in der Mitte des Areals haben der Bildhauer Siegfried Neuenhausen und seine Helfer ihr Zelt aufgeschlagen. Unter den Händen der kreativen Truppe wachsen Ring um Ring zwei kegelförmige Keramikskulpturen in die Höhe.

Vor rund einem Jahr fertigten zehn Frauen – die meisten von ihnen beziehen HartzIV – in einer eigens eingerichteten Keramikwerkstatt die kreisförmigen Segmente der rund vier Meter hohen Figurinen an. Es dauerte Monate, bis die zentnerschweren Einzelteile getrocknet waren und schließlich glasiert und gebrannt werden konnten. Nun endlich hat der Aufbau von „Dame und König“, so der noch nicht ganz amtliche Titel des Kunstwerks, begonnen: Das weibliche Exemplar ist bereits bis zu den schön geschwungenen Hüften angewachsen, der König indes hat bislang gerade einmal Kniehöhe erreicht. Was nicht weiter tragisch ist, denn die Einweihung des Platzes ist erst für den 3. September vorgesehen.

Dann wird das royale Figurenpaar auf einem rund fünf mal sieben Meter messenden Feld aus schwarzem Stein thronen, in seiner Mitte eingelassen eine Tafel, die die Namen aller am Projekt beteiligten auflistet. Dass es sich dabei durchweg um Hainhölzer handelt, versteht sich für Neuenhausen quasi von selbst. Seit etlichen Jahren schon betreibt der emeritierte Kunstprofessor der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste Stadtteilarbeit mit den Mitteln und Möglichkeiten der Kunst. Stets will der umtriebige Beinahe-80-Jährige in seinen groß angelegten Projekten die Generationen und Kulturen zusammenführen und Zeichen für ein besseres Miteinander setzten. An der ebenfalls aus Keramik gefertigten Hainholz-Stele etwa, die nur wenige Gehminuten entfernt in der Fenskestraße steht, beteiligten sich Menschen nahezu aller im Stadtteil vertretenen Ethnien. Neuenhausens Ziel ist eine Kunst, die sich nicht bloß im Ästherischen verrennt, sondern Bürgern ohne Lobby die Möglichkeit gibt, ihrem Umfeld gleichsam einen Stempel aufzudrücken. Als „beglückend“ empfindet es der Mann mit dem silbergrauen Pferdeschwanz, wenn es ihm mal wieder gelungen ist, seine eigentlich kunstfernen Mitstreiter zum schöpferischen Tun zu bewegen – „und diesmal war die Begeisterung besonders groß“ beteuert der Künstler.

Zum Ensemble rundet sich Neuenhausens jüngstes Werk ab durch zwei weitere Arbeiten, die den Platz schmücken soll. An einer Längsseite werden zwei je drei Meter lange Bänke aufgestellt – geschmückt mit keramischen Reliefs, die Schuhe in allen erdenklichen Variationen zeigen. Die andere Flanke wiederum sollen sieben in den Boden eingelassene Schriftbänder mit Auszügen aus dem Grundgesetz zieren. Es geht um Würde, um gleiches Recht für alle, um die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Womit der Kern von Neuenhausens Kunst exakt benannt wäre.

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