Vor drei Jahren hatte es Sabine Eckelmann satt, in der Bücherei der Goetheschule kaum einmal das Gesicht eines Schülers zu sehen und die Wälzer immer nur abstauben zu müssen. Der Buchbestand des Herrenhäuser Gymnasiums war klein und veraltet, der Raum wenig einladend. Deshalb schlug die Leiterin des Fachs Deutsch mit der Faust auf den Tisch und verkündete: „Wir brauchen eine neue Schülerbücherei.“ Das war der Startschuss zu einem langwierigen Prozess: Konzepte wurden entwickelt, Fördergelder beantragt und Umbauten durchgeführt. Seit dieser Woche nun hat das „Schreib- und Lesezentrum“ seine Türen geöffnet – und den Schülern einiges zu bieten. Rund 3000 Bücher und Zeitschriften laden zum Stöbern und Schmökern ein, ein elektronischer Katalog erleichtert dabei die Recherche. Zudem können die Schüler an sieben Computern arbeiten und unter Aufsicht im Internet surfen.
Mit den neuen Materialien kamen auch neue Ideen: Damit die neue Bücherei nicht dasselbe Schicksal ereilt wie ihre Vorgängerin, ließen sich Eckelmann und ihre Fachkollegen etwas einfallen. Im „Schreib- und Lesezentrum“ solle nicht nur konsumiert, sondern vor allem auch an eigenen Texten gearbeitet werden, erklärt Deutschlehrer Jochen Hengst, der sich viel vorgenommen hat. Um bei den Schülern die Lust am Schreiben zu fördern, werde demnächst ein Schreibwettbewerb ausgerufen; für das nächste Jahr sei sogar eine Kooperation mit Studenten der Leibniz Universität geplant. Wie dieses Projekt genau aussehen soll, will Hengst noch nicht verraten. „Aber hier könnte literarischer Nachwuchs entstehen“, meint er. Schon jetzt gebe es eine Schülerredaktion, die an einem Jahrbuch der Goetheschule arbeite.
Während die Deutschlehrer schon Pläne für die Zukunft schmieden, freut sich Schulleiter Wilhelm Bredthauer erst einmal darüber, dass die Schulbücherei endlich fertiggestellt wurde. „Das Projekt lag lange auf Eis, da sich die Landesschulbehörde mit dem Fördergeld viel Zeit gelassen hat“, berichtet der Direktor. Letztlich stammt der Etat von 9000 Euro zu je einem Drittel vom Bezirksrat Herrenhausen-Stöcken, dem Förderverein der Goetheschule und der Schulbehörde.
Bezirksbürgermeisterin Margrit Heidi Stolzenwald zeigte sich bei ihrem Besuch der Bücherei sehr zufrieden: „Fördergeldanträge aus dem Bereich der Kinder- und Jugendarbeit werden von uns in der Regel bevorzugt behandelt. Und ich sehe, das Geld ist gut angelegt.“ Um den Buchbestand des „Schreib- und Lesezentrums“ auch in Zukunft aktuell zu halten, hat die Goetheschule dafür einen eigenen Etat eingerichtet. Darüber freut sich besonders Sabine Eckelmann, denn mit dem Staubwischen in der Schülerbücherei soll jetzt ein für allemal Schluss sein.
Michael Soboll
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