Die Nordstädter Lutherkirche schenkt jedem Gottesdienstbesucher fünf Euro.
Im Gottesdienst, der in der Lutherkirche am 13. September um 18 Uhr beginnt, wird es keine Kollekte geben. Stattdessen bekommt jeder Gottesdienstbesucher fünf Euro geschenkt.
„Wir haben uns gedacht, so eine schräge Idee passt ganz gut zu uns“, sagt Petra Bonge. Die Pfarrsekretärin ist in jenem Team, dass die ungewöhnlichen „kreuzundquer“-Gottesdienste der Gemeinde organisiert. An jedem zweiten Sonntag eines Monats gibt es dabei Livemusik oder Theatereinlagen – doch Geld hat auch die Nordstädter Gemeinde bisher noch nicht verschenkt.
Die Stiftung, welche die Gemeinde unterstützt, hat 750 Euro für das gewagte Experiment zur Verfügung gestellt, weitere 250 Euro kommen vom Kirchenvorstand: „Wir sind auf 200 Besucher eingestellt“, sagt Petra Bonge. Wenn mehr kämen, müsse man eben spontan improvisieren. „Wir besorgen Geld, bis es für alle reicht, da kennen wir nix.“ Insgesamt habe die Kirche Platz für maximal 800 Besucher, sagt Bonge, und es klingt, als sei sie schon ein wenig froh darüber, dass die Lutherkirche nicht der Petersdom ist.
Theologisch ist die Aktion wohl begründet: Der Gottesdienst unter dem Motto „Geschenkte Gaben“ behandelt das Gleichnis „Von den anvertrauten Pfunden“ (Lk 19). Darin vertraut ein Fürst seinen Knechten Geld an und prüft später, wie sie während seiner Abwesenheit damit umgegangen sind.
Die fünf Euro sind so etwas wie eine spirituelle Abwrackprämie: Man hofft darauf, dass der Ertrag am Ende größer ist als die Investition. „Der kleine Schein wird den Besuchern wie Feuer in der Tasche brennen“, glaubt Pastor Peter Gundlack. Denn das Geld sei auch dazu da, den „inneren Schweinehund zum Erröten zu bringen“. Es soll die Beschenkten vor Gewissensfragen stellen: Haut man das Geld nun einfach auf den Kopf? Soll man es spenden? Einem Fremden Blumen schenken? Die Parkuhr seines Nächsten füttern? „Die Bibel wird dabei lebendig“, sagt Pastor Gundelack. Wie im Bibelgleichnis wird später geprüft, was aus dem anvertrauten Gut geworden ist: Am 13. Dezember zieht man in einem Gottesdienst Bilanz. „Wir tragen dann Geschichten darüber zusammen, was die Beschenkten aus dem Geld gemacht haben“, sagt Bonge.
Der Namensgeber der Kirche hätte wohl seine Freude an der Aktion: „Das gegenwärtige Geld lässt den gegenwärtigen Gott verachten“, klagte Luther. Was aber verschenkt wird, hat in den Augen der meisten Menschen keinen Wert. So gesehen gilt: Wenn Geld der Gott unserer Zeit ist, gibt es in der Nordstädter Kirche viele aufmüpfige Atheisten.
Kommentare
@Nemesis Stupsi – 09.09.09
Glückwunsch zu diesem Kommentar. Sie sprechen mir aus der Seele. Es ist wirklich beängstigend die Kommentare auf dieser Seite zu lesen. Sind das die Auswüchse dieser Spassgesellschaft, die sich in egoistischer Weise nur noch um sich selbst kümmert und ein Leben ohne Moral, Sachlichkeit und menschlichem Verstand lebt. Jeder sollte mal überlegen woher er kommt und wohin er geht... dazu muss man noch nicht einmal in die Kirche gehen. Jedem sein Glauben....aber dabei Mensch bleiben. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenLutherkirche Nemesis – 08.09.09
Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht , was sie tun.Der Hass einiger Kommentatoren hier auf die Kirche oder Gott ist eine Mischung aus reiner Dummheit, Hass auf sein eigenes gescheitertes Leben, diffuse Suche nach irgenwelche Sündenböcken.
Ich verachte diese Leute nicht. Sie tun mir einfach nur leid. Vielleicht kann man dem einen oder anderen noch helfen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Aktion Lutherkirche Antichrist – 07.09.09
Ich habe noch eine alte Bibel zuhause. Es ist Altpapier, noch nicht einmal der Wert einer Abwrackprämie. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenLuthekirche versus Petersdom Human earth – 07.09.09
Vor dem Petersdom war und ist es mir zum Kotzen! Nie wieder!!! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden5 € An das Haus gefesselt – 07.09.09
Kann ich mir das auch überweisen lassen? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenChristentum Atheist – 07.09.09
Gott ist eine literarische Figur. Das Abendmahl ist reiner Kannibalismus. Man ißt das Fleisch und trinkt das Blut eines Menschen???Wer hat sich das ausgedacht? Fragt mal den Hardliner aus Rom! Die sogenannte einzige wahre Religion. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Gottesdienst 2.0 heavensend – 07.09.09
Dieser Kommentar wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen: www.haz.de/nutzungsbedingungen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenWas hat die Kirche? Ehemaliger Kirchgänger – 07.09.09
Gott geht auch ohne Kirche. Was bringt sie uns? Schlechte Gitarren gringelei, unzeitgemäße Themen und ständige anbettelei um mehr Spenden. Nach dem ich mein Leben lang Kirchensteuer gezahlt habe, muss auch noch meine Todesprädigt extra bezahlt werden...Nee Danke! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Kopfschütteln js.b – 07.09.09
Mir drängt sich die Diagnose "Auffallen um jeden Preis" förmlich auf, auch wenn man die Kommentare der Pastorin liest. Glaubt man wirklich, auf diese Art und Weise Leute in die Kirche holen bzw. zurückholen zu können?In der Schnäppchenmentatlität-Nation Deutschland wird diese Aktion vor allem zu platt-dümmlichen "Hol ick mir"-Denkweisen führen, wie unten bereits zu lesen. Irgendwelche Nächstenliebe-Ursprünge aus der Bibel sind hier nur vorgeschoben.
Da suche ich mir doch lieber eine Gemeinde, der es auf das "Wesentliche" ankommt und die beim Werben um die Menschen solche Marketing-Aktionen (als solche verstehe ich das) trotzdem nicht nötig hat. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
@ACVJ Stupsi – 07.09.09
.....und das ist auch gut so !!! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden5 Euro für Dich! Jesusfreak – 07.09.09
Letztendlich geht es im Gleichnis nicht primär um Geld, sondern darum, das jede/r gottgegebene Fähigkeiten hat, die - statt zu verkümmern - verantwortungsvoll im Sinne der Nächstenliebe eingesetzt werden sollten. Statt in Selbstmitleid und Lethargie zu verfallen sind also Selbstvertrauen und Handlungsbereitschaft gefragt. Fähigkeiten die man im heutigen Alltag leider allzuoft vermisst. Auf die Ergebnisse bin ich natürlich auch gespannt. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden@Ungläubiger Stupsi – 07.09.09
So etwas nennt man: Paranoid Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenPeinlich ACVJ – 07.09.09
Wie peinlich doch sämtliche Versuche der Kirchen sind, Menschen in ihre Gehirnwäsche zu locken.Wenn jemand an Gott glauben will, steht das jedem frei. Aber die korrupten Kirchen haben Jahrhunderte lang nichts als Leid und Unterdrückung gebracht und es ist gut, dass immer mehr Menschen von solchen Institutionen Abstand nehmen.
Ich würde auch nicht für 10.000 Euro eine Kirche betreten. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Fünf Euro Nemesis – 07.09.09
Unkonventionell, aber gut, diese Idee.Und wenn nur ein einziger, der nur wegen der fünf Euro gekommen ist, vielleicht zum ersten mal (seit langer Zeit) wieder mal in einer Kirche war, sich wieder Gedanken über Gott und sein Leben macht, dann war das jede Summe wert. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Lutherkirche Gerd – 07.09.09
Diese Idee ist nicht ganz neu und ist vor einigen Jahren schon einmal außerhalb Hannovers mit Erfolg verwirklicht worden. Damals haben die Initiatoren aber das Gute iin den Gottediensbesuchern vermutet, was ich hier vergeblich suche. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenickè werd hingehn! Willi – 07.09.09
Ickè werd auf jeden hingehen und mir die 5 Euronen abholen. Hab ja in guten Zeiten tausende an Kirchensteuer zahlen MÜSSEN! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenGute Idee! Ungläubiger – 07.09.09
Eine tolle Idee, würde mich freuen wenn man einige Geschichten dann hier in der HAZ lesen würde. Bin gespannt was die Leute machen!Interessant ist es, obwohl ich kein Gläubiger Mnesch bin, ich bin mein einziger Gott=) Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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