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Mit harter Arbeit zum eigenen Obst

Nordstadt Mit harter Arbeit zum eigenen Obst

Die Initiative „Transition Town“ startet ein neues Gartenprojekt an der Grenze der Stadtteile Vahrenwald und Hainholz. In einer Art Mustergarten soll gezeigt werden, wie sich der Mensch selbst versorgen kann.

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Vorbereitung für den Obsthain: Michael Demus und Marion Hertwig-Wiesner arbeiten sich durch dichte Brombeerhecken.

Quelle: Schwarzenberger

Nordstadt. Wo Hainholz und Vahrenwald aneinander grenzen, planen engagierte Bürger aus den nördlichen Stadtteilen, ihr eigenes Obst und Gemüse anzubauen. Sie wollen in einer Art Mustergarten zeigen, wie der Mensch sich selbst versorgen kann. Am vergangenen Sonntag legten Helfer auf einem lange brachliegenden Grundstück am Ufer des Mittellandkanals erste Hand an. Sie gehören zur Initiative „Transition Town Hannover“ (TTH), die vor zwei Jahren in Limmer entstand. Mehr Unabhängigkeit von Öl und anderen fossilen Brennstoffen schaffen - darum geht es Transition-Town-Gruppen wie jener in Hannover. Eine Rückbesinnung auf alte Selbstversorgungstechniken gehört dazu.

Für den Nordstädter Michael Demus hat das am Sonntag begonnene Gartenprojekt eine ganz praktische Note: „Wenn es zur Ölkrise kommt, dann stammen unsere Äpfel nicht aus Neuseeland, sondern aus unserem Obsthain“, sagte er. Die benachbarte Gartenkolonie Friedenau hat der Initiative die gut 1300 Quadratmeter umfassende Fläche überlassen; ein unbefristeter Vertrag wird noch geschlossen. Eine Streuobstwiese entsteht hier in den nächsten Jahren. Zunächst ist harte Arbeit gefragt.

Demus, der Grünen-Politiker aus dem Stadtbezirksrat Nord, und die Landschaftsgärtnerin Marion Hertwig-Wiesner kämpften sich am ersten Projekttag durch üppig wucherndes Brombeer-dickicht. Säckeweise Grünschnitt und Müll sammelten sie und andere Helfer. Ein Loch in der Mitte des seit Jahren verlassenen Gartengrundstücks entpuppte sich als alter Teich. „Den behalten wir“, kündigte Hertwig-Wiesner an. Ein überdachter Unterschlupf könnte daneben entstehen; später auch Schuppen für Werkzeug und Material. Die Fachfrau, die sich auch schon beim ersten Gartenprojekt der TTH auf dem Conti-Gelände in Limmer engagierte, sieht schon in die Zukunft: Eine Permakultur soll auf dem Grundstück entstehen. Das Konzept meint eine naturnahe Landwirtschaft, die Ressourcen schont, von Artenvielfalt lebt und ohne Chemiekeule auskommt.

Von Bio-Obstbaumschulen will TTH alte und seltene Obstsorten bekommen. „Apfelbäume, Felsenbirnen oder Kornelkirschen können hier wachsen“, sagte Hertwig-Wiesner. „Auch Quitten wären schön“, warf Demus ein. Lieferanten müssen noch gefunden werden. Vielleicht im Mai, spätestens aber bis zum Herbst dieses Jahres sollen erste Bäume gesetzt werden. Dann dauert es ein paar Jahre bis zur ersten Obstreife. „Aber es soll immer etwas zum Ernten geben“, betonte Hertwig-Wiesner. Johannisbeeren oder Himbeeren zum Beispiel. Helfer können eigene Ideen mitbringen. „Da sind auch Zucchini oder Heukartoffeln möglich.“

Demus und seine Mitstreiter sind Mitglieder einer erst Anfang dieses Jahres gegründeten Nordgruppe der TTH-Initiative. Die Hainhölzerin Melanie Pollap pflegte schon in Limmer ein eigenes Beet; nun ist sie am Mittellandkanal dabei. „Es geht uns um einen gesellschaftlichen Wandel“, sagte sie. Regionale Produkte, ein ständiger Austausch von Fertigkeiten und gegenseitige Unterstützung - so ließe sich das Vorgehen von TTH und ihren Sympathisanten umschreiben. Es wird gemeinsam gearbeitet, aber auch geerntet. Mitglied im Verein TTH ist dabei kaum einer. „Bei uns macht jeder freiwillig mit“, sagte Demus. Die Nordgruppe will neben dem Gartenprojekt auch eine kleine Bibliothek zum Thema „Transition Town“ aufbauen. Auch eine Zentrale - ein altes Haus vielleicht, das selbst ausgebaut wird - soll noch her.

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