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Nord Mohrmann-Haus wird saniert
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Mohrmann-Haus wird saniert
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14:40 03.03.2011
Von Kristian Teetz
Das Mohrmann-Haus ist schon heute ein Blickfang in der Nordstadt, aber nach der geplanten Sanierung wird es noch schöner sein. Quelle: Valentin

Ein imposantes, älteres Gebäude aus Backstein erhebt sich am Herrenhäuser Kirchweg 11, unmittelbar an der Einmündung der Reinholdstraße. Zahlreiche Erker und Balkone hat es und zur Ecke hin einen rundlichen Turm. Nur mit Mühen überstand dieses Haus den Zweiten Weltkrieg und verlor dabei manches von seiner noch größeren Pracht. Doch demnächst wollen die Urenkel des Erbauers das architektonische Kleinod in ähnlicher Form rekonstruieren. Zwei neue Dachgeschosswohnungen sollen dabei entstehen, und der Turm soll sogar wie in alten Tagen wieder seine Zinnen bekommen.

Der hannoversche Architekt Karl Mohrmann ließ hier 1900 sein eigenes, repräsentatives Wohnhaus errichten, zusammen mit dem angrenzenden Gebäude in der Reinholdstraße 5. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus am Herrenhäuser Kirchweg so stark zerstört, dass es eigentlich abgerissen werden sollte. Angesichts der Wohnungsnot nach dem Krieg wurde es allerdings Ende der vierziger Jahre notsaniert. Der ursprünglich hoch aufragende Eckturm wurde dabei nur bis zur Dachebene wieder aufgebaut. Aus der Nachkriegszeit stammt auch der Giebel zum Herrenhäuser Kirchweg hin: Ehemals reich verziert, erhielt er nun lediglich eine schlichte Putzfassade.

„Dem Werk unseres Urgroßvaters fühlen wir uns verpflichtet und wollen dem Haus jetzt annähernd seine alte Gestalt zurückgeben“, sagt Lutz Weisser von der Erbengemeinschaft der Immobilie. Weil er selbst als Architekt in Berlin tätig ist, hat er mit den Um- und Ausbauten in Hannover seinen Fachkollegen Thomas Ceglarek beauftragt. Momentan befinden sich in dem Nordstädter Gebäude sechs Mietwohnungen. Im Dachgeschoss sollen nun zwei weitere Wohnungen entstehen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Eckturm. Von dem im Krieg zerstörten Bauelement blieb oben auf dem Dach – schlank und ebenfalls aus Ziegeln gemauert – der alte Treppenaufgang erhalten. „Bis in diese Höhe hinauf wollen wir den Turm wieder aufbauen“, erläutert Ceglarek. Zu der mit 130 Quadratmetern größeren der beiden Dachwohnungen gehören dann auch zwei Turmzimmer. Ganz oben aber gibt es eine Terrasse, von der man über die rekonstruierten Zinnen hinweg eine Aussicht auf die Herrenhäuser Gärten hat.

Die zweite, rund 70 Quadratmeter große Dachwohnung wird hinter dem derzeit noch mit grauem Putz versehenen Giebel liegen. Zwischen dessen vier unteren Fenstern werden die in Ansätzen vorhandenen Backsteinpfeiler weiter nach oben ausgebaut. Die ursprünglich dazwischen eingesetzten Schmuckrosetten werden aus Edelstahl angedeutet; eines der Originale fand sich im Keller und soll an geeigneter Stelle eingepasst werden.

Ceglarek ist Experte für historische Bauten, denn er war bereits Architekt für den Umbau der Marienburg bei Nordstemmen. Für seine Arbeit an dem Prachtbau in Hannovers Nordstadt kann er sich an Unterlagen aus dem Nachlass Mohrmanns im hiesigen Stadtarchiv orientieren. In seiner historischen Bedeutung gilt das Haus am Herrenhäuser Kirchweg als Kulturdenkmal. Wie Bauherr Lutz Weisser berichtet, hätten die Denkmalbehörden die Umbaupläne positiv aufgenommen. Für das groß angelegte Projekt wird in Kürze die Baugenehmigung erwartet. Wenn alles gut läuft, sollen Turm und Dachwohnungen 2012 fertig sein. Nach außen hin aber dürfte das Haus am Herrenhäuser Kirchweg einen neuen Blickfang bilden.

Der Baumeister Karl Mohrmann

Karl Mohrmann, der Erbauer des Hauses am Herrenhäuser Kirchweg 11, hatte schon zu seinen Lebzeiten ein großes Renommee. Der gebürtige Einbecker kam 1873 nach Hannover, um Architektur zu studieren. Sein Lehrmeister war der berühmte Conrad Wilhelm Hase, Begründer der „Hannoverschen Schule“ mit ihren neogotischen Bauten aus Backstein. An der Technischen Hochschule Hannover wurde Mohrmann später selbst Professor für Baukunst. Architektonisch war um 1900 vor allem der Historismus gefragt. Auch für sein eigenes Domizil griff Mohrmann in vielen Details zurück auf das Mittelalter, und so ähnelte der ansehnliche Bau durchaus einer Ritterburg. Wie einer zeitgenössischen Bauzeitschrift zu entnehmen ist, entwarf er zugleich mehrere Wohngebäude für das neue „Landhausviertel“ nahe der Frauenklinik.

Mohrmann war zudem Konsistorialbaumeister und stand daher viele Jahre in Diensten der evangelisch-lutherischen Landeskirche. Eines seiner größeren Kirchenbauwerke ist die Bethlehemkirche in Linden-Nord. Neben diversen anderen Sakralbauten schuf er auch die St.-Johannis-Kirche in Misburg und die Stabkirche von Hahnenklee im Harz. Karl Mohrmann starb 1927 im Alter von 69 Jahren und wurde auf dem Neuen St.-Nikolai-Friedhof an der Strangriede beigesetzt. In der Nähe seines Wohnhauses am Herrenhäuser Kirchweg trägt seit 1936 die Mohrmannstraße seinen Namen.

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