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Nord Musiktheater führt durch den Stadtteil
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09:00 31.01.2013
Eine Station des Projekts war die St.-Marien-Kirche in Hainholz. Quelle: Schwarzenberger
Hainholz

Einige Sekunden lang herrscht Dunkelheit. Dann erscheint ein Gesicht mit Rauschebart und Strickmütze an der Wand. Es ist Max Dans, Gastgeber der ersten Station des Musiktheaterprojekts „Soundtrack meines Kiezes“ - der Künstler Dans, der einst den Weltkriegsbunker an der Bunnenbergstraße kaufte und in jahrelanger Arbeit zum Kulturbunker umbaute. Lesungen, Konzerte und Ausstellungen gibt es seit den neunziger Jahren dort. Für die 20 Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Büssingweg dient das Gebäude, das mit seinen Balkonen und Installationen aussieht, wie aus der Zeit gefallen, als einer von drei Standorten für ihr Theaterspiel.

Auf die Bühne selbst mochte der Künstler nicht gehen. Mit ihren Mentoren Gundel Gebauer - Theaterpädagogin des Vereins Creo - und dem hannoverschen Komponisten Christof Littmann kamen die Schüler aber auf eine schöne Idee: Sie filmten Max Dans und seine Antworten einfach ab und schnitten Sprechpausen in die Aufnahme. Jetzt stehen junge Darsteller auf der Bühne und führen eine Art Interview mit dem Hausherrn. Dans spricht über seine Geburt in einem Bunker in Bottrop, wenige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Und davon, wie er sich im Hainhölzer Trutzbau eingerichtet hat. Ein Leben im Bunker gewissermaßen. Dans hat sich aber durch seine Kunst eine weite Tür zur Welt geschaffen. Mit Anspielungen auf die Welt lassen die Schüler auch den Besuch im Kulturbunker ausklingen: Mit sparsamen Requisiten, aber viel Gestik und Mimik nehmen die Jugendlichen ihr Publikum mit auf eine Reise nach Spanien, in die Türkei und in andere Länder.

Der Ortswechsel erfolgt bei zwei Grad minus. Mehr als 60 Besucher machen sich auf den Weg zur St.-Marien-Kirche; die Schüler sind schon vorausgeeilt. Seit September vorigen Jahres haben Gebauer und Littmann mit den Gesamtschülern geprobt. Die IGS bietet einen Ganztagsbetrieb. „Das Projekt war ein außerschulisches Angebot“, sagt IGS-Leiter Eberhard Dolezal, der die Premiere seiner Schüler zufrieden begleitet. „Erst hatten wir Bedenken wegen des Aufwandes. Aber es hat sich richtig gut entwickelt“, sagt er. Es könne ruhig jedes Jahr ein solches Theaterprojekt an der Vahrenwalder IGS geben, findet Dolezal. Viele seiner Schüler kommen aus Hainholz. „Soundtrack meines Kiezes“ ist gewissermaßen eine Liebeserklärung der teilnehmenden Fünft-, Sechst- und Siebtklässler an diesen Stadtteil. Spielszenen und Musik bilden das Rückgrat der Show - auch in der St.-Marien-Kirche.

Ein hell erleuchteter Kirchenraum, sechs Schüler, Pulte und Becher in flinken Händen. Mit präzisen Bewegungen klatschen und klappern die Jugendlichen einen treibenden Rhythmus. Und es wird wieder international: „Ich komme aus Deutschland“, ruft ein Mädchen, „ich aus Spanien“, ein anderer Schüler - Ländernamen werden so schnell aufgezählt, dass bald eine biblische Sprachverwirrung das Gotteshaus erfüllt. Klare Trommelrhythmen und Orgelklänge lösen diese Unruhe in Harmonie auf. So also kann es in einer Kirche auch klingen.

Letzte Station am Hainhölzer Kulturhaus. Ein roter Teppich mitten auf dem benachbarten Bolzplatz ersetzt die Bühne. Aus Lautsprechern dröhnt der Sound eines Stadions mit Fangesang und Jubel. Die jungen Darsteller bewegen sich im Takt und reißen die Arme zum Beifall für ein imaginäres Tor empor. Um dann in kleinen Szenen zu erzählen, wovon sie träumen. Von einer Zukunft als Profifußballer zum Beispiel, als Sänger, Schlagzeuger, Designer. Auch Hainholz, so will dieser Schlussakt auch sagen, ist ein Ort, an dem Wünsche eine Chance haben können.

Marcel Schwarzenberger

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