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Nachbarn wehren sich gegen Drogenszene

Nordstadt Nachbarn wehren sich gegen Drogenszene

Mehr als Tausend Besucher und Nachbarn feierten am Wochenende rund um die Stadtbahnhaltestelle An der Strangriede ein Stadtteilfest. Der Veranstalter, der Verein „Engelbosteler Damm Nordstadt“, engagiert sich seit 2013 für ein besseres Image der Gegend um den nördlichen Teil des Engelbosteler Damms.

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Am Engelbosteler Damm in der Nordstadt haben Hunderte Besucher das zweite Strangriedefest gefeiert.

Quelle: Christian Link

Hannover. Der nördliche Teil des Engelbosteler Damm ist von sozialen Problemen geprägt. Trinker und Drogenabhängige bestimmen hier seit Jahren das Stadtbild. Weil sich Anwohner, Gewerbetreibende und Politik damit nicht länger abfinden wollen, haben sie den Kampf gegen die Szene seit einiger Zeit verstärkt. Am vergangenen Wochenende feierten Nachbarn zum zweiten Mal das Strangriedefest, bei dem die Nordstädter den Schulterschluss gegen all das üben, „was den Stadtteil herunterzieht“.

„Es gab mal eine Zeit, da wollten meine Frau und ich hier nicht mehr wohnen“, sagt Anwohner Kurt Waag. Als er eines Tages aus dem Fenster schaute, sah er unten auf der Straße „Nobelkarossen“ und Männer in Anzügen, die Jugendliche ansprachen – offenbar um sie als Kleindealer anzuwerben. „Da habe ich gesagt: Es reicht!“, erzählt Waag. Seitdem engagiert er sich entschlossen für seinen Kiez. Mit einigen Mitstreitern rief Waag 2013 das erste Strangriedefest ins Leben. „Wir wollen das Schmuddelimage ablegen, denn mittlerweile ist das unfair“, sagt Waag. Kurz nach dem ersten Fest gründeten die Aktivisten den Verein „Engelbosteler Damm Nordstadt“. Seitdem habe es Erfolge und Rückschläge gegeben, insgesamt sieht der Vorsitzende Waag den Verein aber auf einem guten Weg. „Wir haben ganz viele tolle Leute am Start, die sich für den Stadtteil einsetzen.“

Am vergangenen Wochenende feierten mehr als Tausend Besucher rund um die Stadtbahnhaltestelle An der Strangriede das Stadtteilfest. Bei Livemusik, Bratwurst und Bier rückten die Menschen nicht nur aufgrund des wechselhaften Wetter etwas enger zusammen. „Die Häuser stehen hier dicht an dicht, aber die Bewohner sind noch nicht zusammengewachsen“, beklagt Festbesucher und Anwohner Hans-Joachim Teuchert. Seit 15 Jahren lebt er im Kiez und will auch gar nicht wegziehen. „Allgemein finde ich die Nordstadt gut“, sagt er. Der Zusammenhalt unter den Nachbarn sei aber noch verbesserungsfähig.

Die Anwohner schätzen an der Nordstadt dieselben Vorteile, wegen denen auch viele soziale Einrichtungen am Engelbosteler Damm ansässig sind. „Wir sind nicht nur aus Tradition hier, für uns ist auch die zentrale Lage ausschlaggebend“, sagt Sabine Behrends, Geschäftsstellenleiterin der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG). Zudem sei der Stadtteil ebenso bunt gemischt wie die Besucher der Geschäftsstelle. „Es ist zwar nicht alles in Ordnung, aber wir sind gerne hier“, sagt Behrends. In den vergangenen zwei Jahren habe der Stadtteil große Fortschritte gemacht. Sogar die Einrichtung eines Behindertenparkplatzes in der Nähe der Geschäftsstelle sei endlich gelungen.

Auch das Mädchenhaus KOMM hat seinen Umzug an den E-Damm nicht bereut. „Die erste Zeit war turbulent, aber super“, sagt Sozialarbeiterin Silvia Bruinings. Im Juli hat das stadtweite Kompetenzzentrum in der Nordstadt eröffnet. Dort hat es sich bereits zur beliebten Anlaufstelle für Mädchen jeden Alters entwickelt und leistet nicht nur durch einen Stand beim Strangriedefest einen Beitrag zur Aufwertung des Stadtteils.

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