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Nord Neubau an Christuskirche spaltet die Gemüter
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Neubau an Christuskirche spaltet die Gemüter
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14:12 12.05.2015
Massiver Klotz oder angemessenes Gegenüber für die filigrane Christuskirche? Über den Backstein-Neubau, der derzeit in die Höhe wächst, gehen die Meinungen auseinander.  Quelle: Link
Hannover

„Da gibt es viele Details, die Zeit benötigen“, sagt Architekt Asghar Jalanesh vom Architekturbüro Bauteam Management. Das Wohnhaus gegenüber dem schönsten Baudenkmal der Nordstadt sei das aufwendigste Projekt, das sein Büro bisher gebaut hat.

Geradezu detailverliebt haben die Berliner Architekten Bruni, Fioretti, Marquez und das Bauteam Management den Neubau geplant. Die leichte Neigung der Fassade ab dem dritten Obergeschoss ist nur eine von vielen Besonderheiten, die die Architektur der benachbarten Christuskirche aufgreift. Weil sie dazu eine besondere Technik anwenden, übten Jalanesh und seine Kollegen zunächst an einem kleinen Modellbau auf der Baustelle.

40.000 Ziegelsteine für die Fassade

„Alles ist aus einem Guss, wir wollen einen monolithischen Gesamteindruck erzeugen“, sagt Jalanesh. Dazu werden in der Fassade mehr als 40.000 rote Ziegelsteine verbaut, die direkt vor Ort zugeschnitten werden. „Die Arbeiter, die jetzt klinkern, sind echte Künstler“, lobt der Architekt. Nach seiner jüngsten Lasermessung betrage die Toleranz nicht einmal einen halben Zentimeter - laut Jalanesh ein hervorragender Wert.

Damit Regenrinnen oder Fallrohre den Gesamteindruck nicht stören, werden sie in der Gebäudefassade versteckt. Die rote Ziegelfassade geht am Dach in sogenannte Biberschwanzziegel über, die als besonders hochwertig gelten. Bei den Dachfenstern soll ebenfalls nicht am Material gespart werden. „Die Gauben sind aus reinem Zink“, sagt Jalanesh.

Das Verhältnis von Neubau und der benachbarten Christuskirche des berühmten hannoverschen Baumeisters Conrad Wilhelm Hase ist ein Streitthema. Mehrere Anwohner und Politiker hatten im Vorfeld kritisiert, dass der Neubau zu massiv werde - insbesondere die Dachgauben. Auch Pastorin Stefanie Sonnenberg von der Nordstädter Kirchengemeinde war anfangs skeptisch, sieht das Wohnhaus aber inzwischen positiver. „Die Wahl von Backstein gefällt mir sehr gut, es ist viel freundlicher als im Entwurf“, sagt sie. Wie gut der Neubau mit der Kirche harmoniert, will sie aber noch nicht beurteilen. „Der Bezug zur Umgebung und der Denkmalschutz waren eine Herausforderung“, bestätigt Jalanesh. Auf eines hätten die Planer aber jederzeit geachtet: „Die Christuskirche soll ihre Autorität auf dem Platz behalten.“

Hochpreisiges Wohnen in der Nordstadt

Bei aller Liebe zur Architektur soll das ganze Projekt natürlich auch wirtschaftlich sein. Der Kaufpreis für die 15 Eigentumswohnungen liegt bei 4100 bis 4500 Euro pro Quadratmeter. Damit hat nun auch die Nordstadt eine Preislage erreicht, die ansonsten nur in absoluten Spitzenlagen Hannovers gezahlt wird. Der hochwertige Wohnraum an der Christuskirche ist dennoch gefragt. „Die Hälfte der Wohnungen ist bereits verkauft, die oberen waren zuerst weg“, sagt Gabi Hartge, die für die Vermarktung zuständig ist.

Neben den Baumaterialien ist auch die Ausstattung hochwertig. Das Gebäude im energieeffizienten KfW-70-Standard soll über Fernwärme, Tiefgarage, Aufzug sowie Fußbodenheizung, Balkon und edles Parkett in jeder Wohnung verfügen. Für den hohen Quadratmeterpreis sei zudem der Standort verantwortlich, sagt Jalanesh. Der Grundstücksankauf und die Altlastenentsorgung seien sehr teuer gewesen. Zudem verlaufe der U-Bahn-Schacht der Üstra nur etwas mehr als einen Meter von der Tiefgarage entfernt. „Mit den Bauarbeiten sind wir ein hohes Risiko eingegangen“, sagt der Architekt. Ein Schaden am Schacht hätte sofort Kosten im zweistelligen Millionenbereich verursacht.

Für Jalanesh ist das Projekt auch eine Herzensangelegenheit. Immerhin habe ihn der Conrad-Wilhelm-Hase-Platz schon seit Beginn seines Architekturstudiums beschäftigt. „Meine erste Studienarbeit drehte sich um den Platz.“ Jalanesh selbst ist mit seinem Architekturbüro Bauteam Management am Klagesmarkt ansässig - nicht weit von der Christuskirche entfernt. „Wir fühlen uns mit der Nordstadt sehr verbunden“, sagt der Architekt. Sein Büro hat schon mehrere Baulücken im Stadtteil gefüllt.

Gastronom für den Kirchenvorplatz gesucht

Der Neubau am Conrad-Wilhelm-Hase-Platz ist nicht nur zum Wohnen gedacht. Im Erdgeschoss sind ein Geschäft sowie ein Gastronomiebetrieb geplant. „Wir wollen dort alles, nur keine Shisha-Bar“, betont Architekt Asghar Jalanesh. Für ein Restaurant stehen etwa 250 Quadratmeter zur Verfügung, zu denen auch ein rund 90 Quadratmeter großer Keller gehört. Gesteigertes Interesse gebe es an einem Gastronomen, der auch auf Außenbewirtschaftung setzt. „Der Platz an der Kirche ist so groß und schön, dort ist aber nie etwas los“, beklagt der Architekt.

Die Stadt würde ein Straßencafé dort ebenfalls sehr begrüßen, auch wenn ein Antrag auf Außenbestuhlung laut Rathaussprecher Alexis Demos natürlich erst geprüft werden müsse. „Es wäre schön, wenn der Platz von einer Durchlaufstrecke zum Aufenthaltsort wird“, sagt auch Pastorin Stefanie Sonnenberg. Im Hinblick auf das Internationale Kinder- und Jugendchorzentrum, in dem 200 Mädchen und junge Frauen singen, würde sie sich ein familienfreundliches Restaurant als Nachbar wünschen.

Für das geplante Ladenlokal, das in Richtung Engelbosteler Damm liegen wird, gibt es laut Immobilienmaklerin Gabi Hartge schon Interessenten. „Wir haben mehrere Bewerber, die dort eine Praxis oder ein Geschäft einrichten wollen“, sagt sie. Wer den Zuschlag bekommt, stehe noch nicht fest.

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