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Nord Neue Ideen für Industriebrache des Hauptgüterbahnhofs
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Neue Ideen für Industriebrache des Hauptgüterbahnhofs
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18:36 17.04.2009
Von Michael Zgoll
Noch gibt es kein tragfähiges Konzept für die große Halle des Hauptgüterbahnhofs – aber ein brüchiges Dach. Quelle: Michael Zgoll

Neue Wohnungen am Möhringsberg, Outdoor-Sportanlagen vor dem langgestreckten Conti-Riegel, kleine Gewerbebetriebe im Schatten der Hauptgüterbahnhofshalle und ein Rad- und Fußweg zwischen Nordstädter Paul- und der Werderstraße in Vahrenwald: So sehen die Träume hannoverscher Stadtplaner für die Zwölf-Hektar-Brache zwischen Bode- und Arndtstraße sowie zwischen Weidendamm und Bahntrasse aus.

Doch die Hoffnung, dass sich die riesige Freifläche und die gigantische Bahnhofshalle in der Nordstadt bald wieder mit Leben füllen werden, ist in den vergangenen zwölf Jahren immer wieder enttäuscht worden. Projekte wie Skaterhalle, Küchenmuseum oder Einkaufszentrum fielen ins Wasser, lediglich die Post belegt seit Anfang 2008 Jahr einen kleinen Teil der vorderen Halle an der Arndtstraße. Jetzt will die Stadt bis zum Sommer eine „Vorbereitende Untersuchung“ (VU) vorlegen, die die bisherigen Pläne zusammenfasst und die Ansiedlungschancen für Kultur und Gewerbe zum Thema hat.

Die Verwaltung möchte die Infrastruktur auf dem Nordstädter Areal mit Geldern aus dem Förderprogramm „Stadtumbau West“ deutlich verbessern: Überflüssige Gebäude sollen abgerissen, die Böden saniert, Versorgungsleitungen verlegt und Straßen gebaut werden. Nach den Bezirksräten Vahrenwald-List und Mitte hat jüngst auch der Bezirksrat Nord einer Beschlussdrucksache der Verwaltung zugestimmt, in der eine Aufnahme des Güterbahnhof-Geländes in diese Förderung von Bund und Land für das Jahr 2010 beantragt wird; die VU dient dabei gewissermaßen als „Bewerbung“. Das Programm „Stadtumbau West“ zielt auf eine Weiterentwicklung funktionslos gewordener urbaner Flächen in Richtung Wirtschaft, Wohnen und Kultur.

Eine erste Schätzung der Stadt geht davon aus, dass eine Erschließung des Geländes 18 Millionen Euro kosten würde. Davon sollten dann vom öffentlichen Anteil in Höhe von acht Millionen Euro – eine Aufnahme in das Förderprogramm vorausgesetzt – 5,3 Millionen Euro von Bund und Land aufgebracht werden, das restliche Drittel in Höhe von 2,7 Millionen Euro von der Stadt. Die übrigen zehn Millionen Euro würden diesen Überlegungen zufolge auf die privaten Eigentümer entfallen.

Neue Wohnungen am Möhringsberg, Outdoor-Sportanlagen vor dem langgestreckten Conti-Riegel, kleine Gewerbebetriebe im Schatten der Hauptgüterbahnhofshalle und ein Rad- und Fußweg zwischen Nordstädter Paul- und der Werderstraße in Vahrenwald: So sehen die Träume hannoverscher Stadtplaner für die Zwölf-Hektar-Brache zwischen Bode- und Arndtstraße sowie zwischen Weidendamm und Bahntrasse aus.

1997 hatte der Hauptgüterbahnhof seine Tore geschlossen, 1999 begann die Stadt mit einer ersten VU des Areals, eine Untersuchung, wie sie jetzt erneut in die Wege geleitet werden soll. Die damalige Prüfung war in der – irrigen – Annahme abgebrochen worden, dass die Aktivitäten der Grundstückseigentümer „Aurelis Real Estate“ (inzwischen zu je 50 Prozent im Besitz des Baukonzerns Hochtief und des US-Finanzinvestors „Redwood Grove“) sowie der Bahntochter „DBImm“ ausreichen würden, um das Areal mit neuem Leben zu füllen. Der einzige Ansiedlungserfolg war der früheren Bahn-Tochter „Aurelis“ mit der Eröffnung eines Post-Zustellpunkts und einer Brieffachanlage im vorderen Hallenteil beschieden – eine zeitlich begrenzte Nutzung von zehn Jahren mit einer Option auf weitere zehn Jahre.

Zu den Zielen für den südlichen Bereich des Aurelis-Geländes zwischen Arndtstraße und Kopernikusstraße, die die VU auflisten dürfte, zählen:

  • Der Erhalt der 38.000 Quadratmeter großen Güterhalle; hier hatten Fachleute allerdings im vergangenen Herbst festgestellt, dass die Eisenträger stark angerostet sind, dass das Dach schadhaft ist und dass eine Sanierung wahrscheinlich einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen würde,
  • neue Nutzungen für Kultur, Freizeit, Sport und Gewerbe in der Bahnhofshalle,
  • die Schaffungvon Outdoor-Sportanlagen und Stellplätzen auf den unbebauten Flächen rund um die Halle,
  • der Bau eines Fuß- und Radwegs zwischen Paul- und Vahrenwalder Straße mit einer Anbindung an die Stadtbahn-Haltestelle Werderstraße.

Im nördlichen Teil des Geländes am Möhringsberg, von den Bahnern „Gleisharfe“ genannt und im Besitz der Bahntochter „DB Imm“, könnte sich die Stadt die Ansiedlung von Wohnungen oder „nichtstörendem“ Gewerbe vorstellen. Auch ist eine neue Wegeverbindung zwischen der Nordstädter Straße Am Kläperberg und der Vahrenwalder Hüttenstraße im Gespräch.

Wie Stadtplanerin Ulrike Roth in der Sitzung des Bezirksrats Nord anmerkte, müsse die Bahnlinie im gesamten Bereich von einer „grünen Kulisse“ in Form von Lärmschutzwall oder -wand verdeckt werden. Eine Nord-Süd-Radwegverbindung zwischen Arndt- und Bodestraße parallel zur Bahntrasse sei auch deswegen wichtig, um den Radlern eine Alternative zum gefährlichen Weidendamm bieten zu können; eine solche Route würde entlang der alten Laderampen der Bahnhofshalle Richtung Norden führen. Grünflächen und Stadtteilplätze kämen allen umliegenden Wohnquartieren zugute.

Wie Roth bekräftigte, möchte die Stadt auf dem Güterbahnhofs-Gelände aber keinen neuen Einzelhandel zulassen – höchstens in Verbindung mit kleinen Gewerbebetrieben, um die existierenden Geschäftszentren etwa am Engelbosteler Damm nicht zu gefährden. Dies ist einer der Gründe, warum das Gebiet der „Vorbereitenden Untersuchung“ bis zum E-Damm reicht und auch Teile von Vahrenwald entlang von Hütten- oder Kopernikusstraße einbezieht. SPD-Fraktionschef Detlev Schmidt-Lamontaine stellte in der Sitzung die Frage, wie effektiv man künftig politische Entscheidungen über die Industriebrache herbeiführen könne, wenn ständig drei Bezirksräte – Vahrenwald-List, Mitte und Nord – einbezogen werden müssten. Nach Ansicht von Ulrike Roth ist die Einrichtung einer Sanierungskommission oder eines Forums denkbar, um bestimmte Diskussionen zu bündeln. Um eine Einbeziehung aller drei Bezirksräte komme man aber trotzdem nicht herum.

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