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Nord Neuer Palettengarten an der Lutherkirche
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Neuer Palettengarten an der Lutherkirche
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06:15 23.09.2012
Im Norstädter Palettengarten wachsen Kürbisse, Tomaten und vieles mehr. Quelle: Herzog
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Nordstadt

Am Anfang waren sie doch ein wenig irritiert. An der Lutherkirche in der Nordstadt, wo sich eine Gruppe von Punks mit ihren Hunden regelmäßig zum Trinken, Rauchen und Klönen trifft, ist ein Garten aus Paletten entstanden. In den Beeten wachsen Kürbisse, Tomaten, Kräuter, Salate und Mangold. Rosafarbene Kosmeen, Sonnenblumen und orangefarbene Tagetes blühen in den selbst gezimmerten Palettengärten. „Es soll eine nette Geste sein“, sagt Thomas Köhler von „Transition Town“ (Stadt im Übergang), die den Garten aufgestellt haben. „Alle Nordstädter sind eingeladen, mit uns zu gärtnern und zu ernten.“

Die Bewegung „Transition Town“ hat bereits gärtnerische Projekte wie die Kügali (Küchengärten Limmer), den Pagalino (Palettengarten Linden-Nord) und den Palettengarten am Jugendgästehaus in Wülfel realisiert. Bis zu seinem Umzug an die Lutherkirche Anfang September stand der Garten in der Innenstadt auf dem Theodor-Lessing-Platz zwischen dem Maritim Grand Hotel und der städtischen Galerie Kubus. „Es ist ein Einpack- und Wegräumgarten“, sagt Köhler. Der Garten solle den Menschen überall in der Stadt zeigen, wie man Obst und Gemüse selbst anbauen kann und wolle auch über die Arbeit von „Transition Town“ informieren. „Andere verteilen Flyer, wir stellen einen Garten hin“, sagt Köhler.

An fünf Tagen in der Woche kümmert sich Francisco Garcia Klänhammer um die rund 20 Kisten. Er gießt die Pflanzen, entfernt braune Blätter und erntet. Gerade ist der Mangold reif und auch die Tomaten brauchen nicht mehr lang. Der 49-Jährige versteht sich nicht nur als Gärtner. „Ich bin Biolehrer, Fremdenführer, Entertainer und Botaniker in einer Person“, sagt er.

Früher war Klänhammer Langzeitarbeitsloser. Heute überlegt er sich, wie er Menschen das Gärtnern nahebringen kann und was gegen Mehltau zu tun ist. 30 Stunden in der Woche arbeitet er als sogenannter Bürgerarbeiter am Palettengarten. Dafür bekommt er 1080 Euro im Monat. Er hat einen dreijährigen Vertrag. Insgesamt sind 15 Bürgerarbeiter bei „Transition Town“ angestellt. Klänhammer und die anderen Bürgerarbeiter sind Teil des Modellprojekts Bürgerarbeit - eine Initiative des Bundesministeriums für Arbeit. Die Mittel stammen aus dem Bundeshaushalt und dem Europäischen Sozialfonds. Ziel ist es, Langzeitarbeitslose wieder in die Berufswelt zu integrieren.

Wenn Neugierige sich die Paletten anschauen, gibt Francisco Garcia Klänhammer er häufig auch Tipps für Rezepte. Den älteren Damen empfiehlt er Kohlrouladen aus tschechischem Spitzkohl. Den jungen Müttern und Vätern legt er einen gemischten Salat aus Mangold und Römersalat nahe. Die Feinschmecker macht er darauf aufmerksam, dass man Blüten von Kürbissen fritieren und panieren kann und dass sich aus bulgarischem Leimkraut ein vorzüglicher Salat zubereiten lässt. Wenn Klänhammer den Nordstädtern seine Rezepte vorstellt, gibt er ihnen die passenden Zutaten gleich mit nach Hause. Schließlich wächst das Obst und Gemüse in den Palettengärten. Eine kulinarische Empfehlung hat Francisco Garcia Klänhammer auch für die Punks, die sich regelmäßig an der Lutherkirche treffen. Seit die Gärten in der Nordstadt stehen, verfeinern die Punks ihre Dosensuppen mit frischer Petersilie, Basilikum und Schnittlauch. „Das ist gar nicht schlecht“, sagt ein Mann mittleren Alters mit roten Haaren.

In den Wintermonaten wird der Palettengarten wieder abgebaut. Dann soll sich die Erde im Kügali in Limmer regenerieren. Wo Klänhammer im Frühjahr mit dem Garten stehen wird, ist noch nicht klar. Einen Plan für die dunkle Jahreszeit hat er aber schon entwickelt: Der Gärtner will sich fortbilden und endlich herausfinden, was gegen Mehltau zu tun ist.

Stefanie Nickel

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