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Neugestaltung der ehemaligen Kaserne im Sahlkamp auf Eis gelegt

Projekt „Gartenstadt Hannover-Nord“ Neugestaltung der ehemaligen Kaserne im Sahlkamp auf Eis gelegt

Auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne soll eine Gartenstadt entstehen. Aufgrund explodierender Kosten stehen die Planungen jedoch still.

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Ein neues Wohnviertel auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne wäre ein Imagegewinn für den Sahlkamp.

Quelle: Finn

Hannover. Das Projekt „Gartenstadt Hannover-Nord“ ist auf Eis gelegt – zumindest vorerst. Eigentlich sollten in dem neuen Wohngebiet längst die ersten Mieter in ihre Häuser eingezogen sein. Doch die Neuordnung der ehemaligen Freiherr-von-Fritsch-Kaserne lässt ebenso auf sich warten wie andere Bauvorhaben im Sahlkamp, in Bothfeld und Vahrenheide . Joachim Stöhr von der Städtebau Consulting Scon, Nachfolger des Berliner Ingenieurbüros Gräf und Partner (IGP), hat das ehrgeizige Vorhaben nun erst einmal abgeschrieben. „Die Bauarbeiten könnten frühestens Mitte 2012 beginnen, vorausgesetzt die Planungen stehen und der Bebauungsplan ist bis dahin festgesetzt“, sagte Stöhr auf Nachfrage des Stadt-Anzeigers.

Seit elf Jahren steht die 1927 errichtete Kaserne an der General-Wever-Straße inzwischen leer, der letzte Zapfenstreich der Bundeswehr fand dort im Jahr 2000 statt. Mehrfach waren Versuche, das 260 000 Quadratmeter große Grundstück zu vermarkten, gescheitert. 2009 der vermeintlich große Wurf: Die Berliner Ingenieurgesellschaft IGP hatte den Plan, dort 220 Reihen- und Einfamilienhäuser zu bauen – einen kleinen Stadtteil zwischen Autobahn und Wohngebieten des Sahlkamps. Geradezu enthusiastisch hatte Projektentwickler Stefan Gräf vor knapp zwei Jahren dem Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide und der Stadtverwaltung die Pläne für die „Gartenstadt Hannover-Nord“ vorgestellt. Das Vorhaben schien realisierbar, schließlich hatte die IGP das Grundstück bereits gemeinsam mit drei israelischen Geldgebern vom Bund gekauft und wollten weitere 50 Millionen Euro investieren, um die Fläche zur Baureife zu bringen.

Damals sollte alles ganz schnell gehen und Anfang 2011 bereits die Sanierung der alten Kasernengebäude am westlichen Rand des großen Geländes abgeschlossen sein. Auch die ersten 40 Einfamilienhäuser im nördlichen und westlichen Teil der „Gartenstadt“ sollten möglichst zügig hochgezogen werden. Zu Beginn dieses Jahres stieg Ingenieur Stefan Gräf dann überraschend aus dem IPG-Vorstand aus. Dabei hatten alle Beteiligten Mitte Februar Gerüchte über ernsthafte Probleme mit dem Millionenprojekt oder gar ein Scheitern dementiert. Gräf selbst ließ seinerzeit ausrichten, es gebe keine nennenswerten Probleme – zu diesem Zeitpunkt war Gräf aber längst aus dem Projekt ausgeschieden. Mittlerweile ist bekannt geworden, dass er unter anderem deshalb aussteigen musste, weil die Kosten bereits im Vorfeld der Baumaßnahmen explodiert sein sollen. Der Grund: Ein zweites, von der Stadt gefordertes Bodengutachten belegt, dass die Kontaminierung des Baugebietes größer ist als ursprünglich angenommen.

Die wichtigste Voraussetzung für das Bauvorhaben, ein gültiger Bebauungsplan, liegt auch deshalb bis heute noch nicht vor. „Das Verfahren ist im Gang, aber der Rat hat noch kein grünes Licht gegeben“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Einer Änderung des Flächennutzungsplans, der das ehemalige Militärgrundstück nun als „Sondergebiet“ ausweist, hatten die Ratsgremien bereits im Frühjahr 2010 zugestimmt. Mittlerweile ist bei den einstigen Befürwortern des neuen Quartiers längst die Euphorie gewichen. „Vielleicht hat sich die Gesellschaft mit dem Projekt übernommen“, sagt Bezirksbürgermeister Hans Battefeld (CDU). „Wir bedauern den Stillstand jedenfalls sehr, denn das neue Quartier hätte den Sahlkamp deutlich aufgewertet.“

Enttäuscht ist auch Gabriela Höbelt. Die Sahlkämperin hatte sich noch auf dem Bothfelder Herbstmarkt über das barrierefreie Wohnen auf dem Gelände informiert und mit dem Gedanken gespielt, in eines der sanierten Häuser zu ziehen. „Nachdem bei der IGP aber niemand auf unsere Nachfragen reagiert hatte, haben wir uns jetzt für eine Alternative entschieden“, sagt Höbelt, „Trotzdem will ich wissen, wie es mit der Kaserne weiter geht.“ Da ist sie nicht die einzige im Stadtteil.

Tanja Piepho

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Aufgrund explodierender Kosten lässt die Neugestaltung der ehemaligen Kaserne im Sahlkamp auf sich warten. Auch andere Bauvorhaben in Hannover befinden sich in der Warteschleife.

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