Der Fahrer einer Stadtbahn ist am Montag in Hannover-Stöcken nach einem Zusammenstoß der Bahn mit einem Lkw schwer verletzt worden. Acht weitere Fahrgäste wurden verletzt. Die Schäden an Bahn und Oberleitung sind beachtlich: Die Üstra schätzte die Kosten gestern auf mindestens eine Million Euro. Der Verkehr auf der Strecke wird voraussichtlich für mehrere Tage lahmliegen.
Die Stadtbahn der Linie 4 in Richtung Roderbruch hatte die Haltestelle Wissenschaftspark Marienwerder am Montagmorgen gegen 8.50 Uhr verlassen. Nach rund 150 Metern kam es zum Zusammenstoß: Ein 46-jähriger Lkw-Fahrer, der auf der Straße Jädekamp parallel zur Stadtbahn unterwegs war, wollte mit seinem 40-Tonner nach links auf einen Zubringer zur A 2 abbiegen, dafür die Gleise überqueren und fuhr direkt vor die Stadtbahn. Der Triebwagen erfasste den Lkw und schob ihn etwa 15 Meter weit vor sich her. Durch den Widerstand hob sich die Bahn aus dem Gleis, kollidierte mit einem Oberleitungsmast und riss ihn aus der Verankerung. Im Fahrgastraum zerbrachen mehrere Fenster; der Stadtbahnfahrer wurde auf seinem Sitz durch die Rückwand des Fahrerstands in den Fahrgastraum gedrückt und eingeklemmt.
Nur mit schwerem Gerät gelang es der Feuerwehr, den Mann zu befreien. Er erlitt schwerste Verletzungen an den Beinen und kam mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus. Bei dem Mitarbeiter handelt es sich um einen Auszubildenden im dritten Lehrjahr. „Er wird erst seit wenigen Monaten im Fahrdienst eingesetzt, besitzt aber selbstverständlich den vorgeschriebenen Personenbeförderungsschein“, sagte Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Von den insgesamt 70 Fahrgästen an Bord wurden acht Personen im Alter von 26 bis 75 Jahren mit leichten Verletzungen wie Prellungen und Schnittwunden zur ambulanten Behandlung in Krankenhäuser gebracht. Der Lkw-Fahrer aus Rumänien blieb unversehrt.
Die Polizei hat nun die Ermittlungen aufgenommen. Unklar ist bisher, warum der Lkw-Fahrer auf den Zubringer abbog – an der Unfallstelle wird der Verkehr durch eine Ampelanlage geregelt. Vieles deutet darauf hin, dass der Lastwagenfahrer ein für ihn geltendes Rotlicht übersah. Die Ampelanlage ist so gesteuert, dass Abbieger automatisch Rot haben, sobald sich eine Stadtbahn nähert. Der Lkw-Fahrer unterzog sich unmittelbar nach dem Unglück einem freiwilligen Alkoholtest. „Der Mann hatte nicht getrunken“, sagte ein Polizeisprecher.
Mit Hilfe zweier Kräne gelang es der Feuerwehr, die Stadtbahn zurück auf die Gleise zu setzen. Anschließend sollte sie auf einen Betriebshof der Üstra geschleppt werden. Den Plan mussten die Helfer jedoch verwerfen. „Die Bahn ist so stark deformiert, dass es nicht möglich ist, sie an den Hochbahnsteigen vorbei zu bekommen“, sagte Üstra-Sprecher Iwannek. Die beschädigte Stadtbahn soll nun mit einem Tieflader abtransportiert werden. Die Reparatur der Oberleitung wird voraussichtlich zwei Tage in Anspruch nehmen.
Die Folgen des Unglücks werden für die Stadtbahnnutzer der Linie 4 noch mindestens bis Mittwochnachmittag zu spüren sein. Im Abschnitt zwischen der Station „Bahnhof Leinhausen“ und dem Endpunkt in Garbsen müssen die Bahnen durch Pendelbusse ersetzt werden. Die Üstra rechnet vor allem im Stoßverkehr morgens und spätnachmittags mit Verzögerungen gegenüber dem regulären Fahrplan. Die Haltestelle am Bahnhof Leinhausen ist deshalb ausgewählt worden, weil die Stadtbahnen auf dem nahegelegenen Betriebshof wenden können. Außerdem bestehen Umsteigemöglichkeiten zur Linie 5 nach Stöcken, die uneingeschränkt verkehrt. Stadtbahnen können nicht fahren, weil aus Sicherheitsgründen der Strom in der Oberleitung abgeschaltet werden muss. Außerdem verzögert sich der Abtransport der beschädigten Bahn – es steht auf die Schnelle kein geeigneter Tieflader zur Verfügung.
Vivien-Marie Drews und Bernd Haase
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