Moos überwuchert die Außengeländer und verdreckt die einstmals hell grundierte Fassade. Der Lackanstrich einzelner Haustüren hält der Witterung nicht mehr Stand und zieht lange Risse. Dunkle Flecken bedecken weite Flächen der Flurwände. Schon vor Betreten der Wohnungen des Häuserblocks im Westermannweg¤6 in Marienwerder fallen etliche Mängel ins Auge. „Hier wird nichts renoviert“, sagt eine ältere Bewohnerin verzweifelt. Seit dem 1.¤April 1966 lebt sie zusammen mit ihrem Ehemann – der 28-jährige Sohn ist inzwischen ausgezogen – in dem siebenstöckigen Mehrfamilienhauses. Und so langsam muss der 71-Jährigen das Mietverhältnis wie ein schlechter Scherz vorkommen. Krüger Immobilien, seit drei Jahren Hausverwalter, verhalte sich bei der Instandhaltung der Wohnungen im Nordwesten Hannovers äußerst phlegmatisch, heißt es bei den Bewohnern.
„Das Geländer im Treppenhaus rostet erheblich und der Putz bröckelt“, berichtet eine andere Mieterin, ebenfalls im Rentenalter und seit mehr als vierzig Jahren im Westermannweg zuhause. Die Hausfrau möchte wie ihre vier Nachbarinnen aus Angst vor Repressalien ihren Namen nicht nennen.
Anonymität präge generell den Umgang zwischen den Menschen im Westermannweg 6. Es komme selten vor, dass sich die einzelnen Mieter beim Namen kennen oder gar miteinander reden. „Die Fluktuation ist bei uns im Haus unheimlich groß“, berichtet eine 73-jährige Bewohnerin. Offiziell leben 54¤Parteien in dem Objekt.
Bevor die Hausverwaltung die Blöcke 4 und 6 übernommen hat, war die Allgemeine Wohnungsvermögens-AG (Allwo) für Mieterfragen zuständig. „In diesen Jahren waren die Zustände auch nicht viel besser“, erinnert sich die Frau aus dem sechsten Stock der Hausnummer¤6. Bis 1994 hätte es für sie und ihre Nachbarn hingegen nichts zu beanstanden gegeben. Damals zeichnete sich die Hannoversche Lebensversicherung als Vermieter für die Werterhaltung der Gemäuer verantwortlich. „In dieser Zeit waren die Häuser noch ordentlich isoliert“, sagen die fünf Mieterinnen unisono, und nicken im Takt. Die Fenster seien alle noch aus dieser Zeit. Jetzt zieht‘s im Westermannweg. In einigen Wohn- und Schlafzimmern des Häuserblocks 6 bilden sich beachtliche Flecken mit Schimmelsporen. „Gesund ist das natürlich nicht“, weiß die mit 75¤Jahren älteste der fünf Bewohnerinnen.
Darüber hinaus seien die Rohre stark undurchlässig, sodass der Wasserdruck auf ein Minimum sinke. „Entweder warten wir zwischen den WC-Gängen eine Viertelstunde oder stellen einen Eimer Wasser daneben.“ Ein weiteres Ärgernis für die Mieterinnen stellt der Umstand dar, dass die Putzfrauen ihrer Arbeit nicht effektiv nachgingen. „Sauber ist der Boden nach dem Wischen nicht“, sagt die Rentnerin aus der sechsten Etage.“ Die Ehefrau eines pflegebedürftigen Mannes vermutet, dass die Reinemachefrauen entweder zu schlecht für ihre Arbeit bezahlt würden oder ihnen schlichtweg nicht genug Arbeitszeit eingeräumt werde.
Und tatsächlich: Das stufenreiche Treppenhaus lässt überall Schmutz und Dreck erkennen. „So gehen unsere Nebenkosten flöten“, schimpfen die fünf Frauen, von denen eine für 75,5¤Quadratmeter monatlich 649¤Euro warm an Krüger Immobilien überweist. „Das sind hier keine Sozialwohnungen“, sagt die Betroffene und klopft mit der Hand aufs Geländer, als wolle sie jemanden wachrütteln. „Für den Preis wollen wir zumindest ein sauberes Haus.“ Beim Anblick der Treppenhauswand fällt ihr gleich das nächste Defizit auf: Der Feuerlöscher fehlt. „Was weg ist, ist weg“, habe der Hausmeister lapidar kommentiert.Eine Etage weiter in Richtung Parterre mangelt es direkt vor dem Aufzug an einer Kunststoff-Bodenplatte. Am Hauseingang splittert die Glastür. Im Keller ist es feucht. „Wir schämen uns vor Bekannten für diese Zustände“, sagt eine der Mieterinnen verbittert.
„Wir sehen hier keinen großen Handlungsbedarf“, kommentiert der Vorstandsvorsitzende von Krüger Immobilien, Jens Christophers, die Beschwerden der Mieter. Ein Mitarbeiter habe sich aufgrund der Nachfrage des Stadt-Anzeigers zumindest das Gebäude Westermannweg 6 angeschaut und keine wesentlichen Schäden festgestellt. Abgesehen davon gebe es in dem gesamten Gebiet in Marienwerder sehr hohe Mietrückstände. „Und so lange niemand an uns herantritt und uns auf konkrete Mängel hinweist, werden wir auch nichts tun“, ergänzt Christophers. Doch die Mieter versichern, dass sie schon häufig im Büro von Krüger Immobilien vor Ort vorgesprochen hätten – die Mängel an und in den Hochhäusern habe aber trotzdem niemand beseitigt.
von Florian Pfitzner
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